Ich schaue sie an
frage mich
wie das möglich ist:
Die Wandlung von einer wilden Nachtfee
in eine vierfache Alleinerziehende
die lächelt, gähnt und sagt:
Sex ist überbewertet.
– Che Chidi Chukwumerijee
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich schaue sie an
frage mich
wie das möglich ist:
Die Wandlung von einer wilden Nachtfee
in eine vierfache Alleinerziehende
die lächelt, gähnt und sagt:
Sex ist überbewertet.
– Che Chidi Chukwumerijee
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Wenn die Liebe Strenge wäre
und uns keine Ruhe ließe
bis wir aus uns herauswüchsen,
… wie sollten wir diese Liebe nennen?
Denn sie lächelte nicht und tat uns weh
und achtete nicht auf unsere Tränen
und trieb uns gnadenlos voran
und half uns, unsere Fehler auszubrennen.
Wenn die Liebe Strenge wäre –
zumindest bis zur Hälfte –
würden wir dann endlich lernen,
in der Ehrlichkeit die Liebe zu erkennen?
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Wird die Welt ruhiger
oder ich?
Wird die Natur herber
oder ich?
Wird die Erde reifer
oder ich?
Dennoch rast ein Brand durch den Wald
Die roten Blätter innen heiß, außen kalt
Ein letztes Mal lachen, denn Winter kommt bald.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich stand allein in der Nacht
und, weil ich stand,
war es keine Nacht mehr
Ich lag mit vielen mitten am Tag
doch, weil ich lag,
war es Nacht und kein Tag mehr.
Und es war meine Entscheidung,
zu lieben oder zu hassen,
zu töten oder leben zu lassen,
zu identifizieren mit der gesamten Menschheit
oder nur mit ausgewählten Rassen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ob der Wald einsam ist
inmitten der Menschenwelt?
Und das Tier sich wundert,
ob es dem Menschen nicht gefällt?
Ob jede Jahreszeit ahnt,
wie vor ihrer Ankunft die Welt aussah?
Völker ändern sich, Nationen auch,
Keiner versteht wirklich, was geschah.
Menschen ändern sich, irgendwie –
irgendwie auch nicht.
Alle tragen unbeantwortete Fragen
hinter ihrem verschlossenen Gesicht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Sobald Du Dich für wichtig hältst
bist Du es nicht. Macht das Sinn?
Sobald Du Deine Führung spüren kannst
ist sie keine mehr. Denn es macht keinen Sinn.
Du dachtest immer,
Du hast alles selbst bestimmt –
Jetzt willst Du erst recht und wieder
alles selbst bestimmen, und zwar bestimmt.
Es gibt eine unruhige Stunde
die ständig zwischen Frühling und Herbst pendelt
Und bis der Sommer ihn eingeholt hat
ist er weg
Und bis der Winter ihn eingeholt hat
ist er weg
schlafwandelnd umgewandelt
mal im mal gegen den U(h)rzeigersinn.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Wie ein verlockender Duft
im dunklen Wald, er ruft
die Blinden hinein in seine Zaubergruft.
Atme tief ein, schnappe nach Luft.
Denn jeder tritt blind hinein in die Kluft;
fallen ohne Aufprall. Die leere Gruft.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich stieg heute
kurz
aus meinem Geist
in meinen Verstand und merkte sogleich
daß der Kopf Jahrelang Pläne gemacht hat
die keinerlei Bezug hatten
zu dem tatsächlichen Verlangen in der Seele.
Das Gehirn ist so realitätsfern.
Hat keine Ahnung, was im Herzen los ist.
Was ich wirklich will
Wer ich wirklich bin
Tief in mir
Wie zwei Menschen
in zwei unterschiedlichen Ländern
ohne Internetverbindung.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Mich dünkt,
die Schöpfung wird getrieben
wird gehalten wird aufrechterhalten
durch Ehrenamtlichkeit!
Alles, was wichtig was wesentlich ist
Sonne, Regen, Wind, Naturgesetze
Ernte, die Jahreszeiten, sich wiederholend
in selbstloser Regelmäßigkeit!
Doch wir, Menschen, sind so klug geworden
und so leer so einsam so traurig
gefangen in unserem Widerspruch:
wie viel Selbst verträgt die Selbstlosigkeit?
Die wichtigsten Berufe sind unbezahlbar
denoch muss man sie bezahlen –
Die besten Menschen werden ausgenutzt
und Ehre wird quittiert mit Ehrlosigkeit!
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Freunde
wohnen in meinem Herzen
wie Empfindungen in einem Geist
wie Gedanken in einem Kopf
wie Wesenhafte in der Natur
Keiner sieht sie
Keiner kennt sie
Doch gäbe es sie nicht
gäbe es kein Herz und keinen Geist
keinen Kopf, keine Natur und keine Freude.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung