BOTSCHAFT DER BOMBEN

Drei Vögel
singen vor meinem Fenster
guten Morgen fühle ich.

Dann fallen die Bomben
und ein Vogel fiel auch
ein zweiter flog weg.

Nur einer ist geblieben
und singt vor meinem Fenster
blutigen Morgen.

Aber ich bin nicht da
um ihn zu hören
denn auch ich bin geflohen.

So leicht ist es
aus einem Menschen
einen Flüchtling zu machen.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHAUKELN

Auf Kriegsfuß. Hartfüßig.
Nackte Abdrücke. Engspurig.
Klare Tatsachen. Steifbusig.
Eindringen. Überflüssig.
Handgriff übergriffig.
Annäherung angriffig.
Kriegstreiber wie Liebhaber
schaukeln sich gegenseitig hoch
– und hoffentlich wieder runter.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEBORGEN

Ein Herzflimmern nervös
Ein Weltzittern
Denn die Welt hat ein Herz
Und es macht sich Sorgen

Ein Schlag! Anfall!
Rückschlag oder Rückzug? /
Liebe heute, wer sich lieben läßt;
Warte nicht auf morgen.

Das Leben, so lang, ist so kurz.
Mein morgiges Gedicht
hat meine Sehnsucht nach Erfüllung
bereits heute geborgen.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DURCH DIE NACHT

Ich mag es, durch die Nacht zu fahren.
Es erinnert mich an die Sehnsucht
nach dem Licht.
Ich fürchte mich nicht.

Ich mag es, durch die Nacht zu fliegen.
Es erinnert mich an das Werben
um die Liebe.
Nur die Hoffnung verbliebe.

Ich mag es, durch die Nacht zu träumen.
Es erinnert mich an den Zauber
meiner Jugend.
Verlorene Tugend.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GELADENE BLÜTEN

Die Welt ist so viel geworden
und so viel weniger geworden –

Bornierte Blicke und kluge
lugen aus verschlossenen Fenstern hervor –
um Vorurteile ordentlich einzuordnen.

Die, die an dem Frieden hängen…
Die, die um den Frieden bangen…
schauen besorgt die mit den Waffen an –
auf große Waffen folgt großes Morden.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Sturm

Sturm. Text: Che Chidi Chukwumerije/ Musik: Christine Jendrike/ Video erstellt mit canva.com Natur inspiriert. So auch der seit Tagen tobende Sturm. …

Sturm

KÜSSE DIE MUSE

Heute bist Du früh gekommen,
schnell genommen hast mich,
benommen ließt mich nach Worten greifend,
das in mir entfachte Gedicht nicht begreifend.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SANFT GROOVEN

Wenn alles ruhig geworden ist
und die frohen Stimmen aus der Kindheit
endgültig verschollen zu sein scheinen…

Wenn die Musik aus dem Speaker sanft groovt
und meine Widersprüche mittanzen
denn was soll man abends sonst machen?

Wenn Du aus meinem Seelenuntergrund schlüpfst
denn Du weißt, daß ich schwach geworden bin –
Ich habe den Kampf gegen mich verloren –

Welcher Held wird nicht zum Fall gebracht?
Welche Lüge ist nicht insgeheim die Wahrheit?
Welcher Erwachsene vermisst sein inneres Kind nicht?

Auf Wiedersehen, Du.

Lümmelnd groovt der späte Abend dahin..
Schweifend tanzen meine Gefühle miteinander
Schweigend beobachte ich mein inneres Ich.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

STURM

In diesem Blut fließt nur, was
entwurzelt und verwundet ist –

Auf diesem Flug taugt nur, was
verloren und gefunden ist –

Nach diesem Schmerz bleibt nur, was
erfahren und gerundet ist –

Bei diesem Sturm steht nur, was
verwurzelt und gebunden ist.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Danke Lena für die Inspiration.

BEDROHT

Drohbriefe
Nimm Dich in Acht
Eichen werden nun jung abgeholzt
lange vor der Stunde ihrer Macht
Systeme werden früh gehackt,
die fremde Art noch ohne Profil und Tiefe
von Anfang an ängstlich überwacht.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung