TRAUMATA

Hasse
Maße
Straße
Tasse
Lasse
Klasse
Und noch mehr Assen
reimen sich alle auf Rasse
können sie aber nicht ersetzen –
Nichts kann das.

Deshalb schaue ich ein letztes Mal drauf
bevor es aus dem Grundgesetz verschwindet
und ich für immer meine Rasse verliere.
Fühle ich mich nun geschützter?
Oder entblößter?
Verstandener?
Oder missverstandener?
Etwas in mir schaut sich vorsichtig um…
Ich suche schon den nächsten Haken,
bevor ich ihn überhaupt fasse.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WO WAREN WIR

Wo waren wir
als wir nicht da waren
während der Zeit
als wir zusammen waren

Wir lebten zusammen
und waren die ganze Zeit getrennt
Und die Welt war nicht groß genug
um unserer Trennung Raum zu geben

Doch heute sind wir
eine Gesellschaft, eine Nation
leben zusammen in einem Land
und reden immer noch nicht miteinander

Oder reden über tausend Dinge
und schweigen über tausendundeine
Nur wenn wir küssen, dann
tauschen unsere Zungen die Wahrheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AN MEINE FRAU

Meine Tischlampe steht neben mir
wie ein Mensch mit warmen hellen Gedanken
Unaufdringlich durchdringt sein Leuchten
mein Sinnen. Ohne mich bei ihm zu bedanken
genieße ich den Anblick meiner erreichten Ideen
die ich nie hätte ahnend gesehen
ohne seine ruhige Anwesenheit in meinem Leben –
Wie die besten Partner in den schönsten Ehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TREFFPUNKT DER NATION

Irgendwo müssen wir uns doch treffen

Wenn nicht in der Musik, dann
in der Sprache
Wenn nicht in der Wirtschaft, dann
im Sport
Wenn nicht in der Kultur, dann
in der Geselligkeit
Wenn nicht in der Geschichte, dann
in unserer Hoffnung
Wenn nicht in Schmerz und Freude, dann
in Neugier und Sympathie
und Solidarität
Wenn nicht in der Vergangenheit,
oder in der Gegenwart, dann
in der Zukunft

Irgendwo müssen wir uns doch treffen
als Nation.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEINE INNENSEITEN

Seit ewig kein neues Buch gelesen
Selbst neue Menschen sind alte Bücher
Neue Medien erzählen verjährte Geschichten
Diese Gesellschaft war schonmal gewesen

Wer ein neues Buch lesen will
muß selbst neue Geschichte schreiben
Wer eine neue Gesellschaft haben will
darf selbst im alten Denken nicht verbleiben.

Manchmal will man ein altes Kapitel neu schreiben
Manchmal will man zwei unterschiedliche Endungen
Manchmal ist man selbst das Buch, das gelesen werden will.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WACHSENDE FREUNDSCHAFT

Freundschaft
Ein Sohn, der zu seinem Vater hoch schaut
und in ihm einen Freund sucht –
Wenn ihm die Zeit eines Tages den Vater klaut
Hinterlässt sie zwischen ihnen die Frucht der Sehnsucht:
Die Männerfreundschaft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FRANKFURT IST MEHR; UND KANN MEHR

Ich habe mich entschlossen, bei den nächsten Kommunalwahlen (14. März 2021) hier in Frankfurt am Main für die Kommunale Ausländervertretung (KAV/Ausländerbeirat) für ganz Frankfurt und für den Ortsbeirat (5 – Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) zu kandidieren, und bin dankbar über jede Unterstützung.

– Che Chidi Chukwumerije
https://che-chukwumerije.de/

EINMAL TÄGLICH LEBEN

Ich fange mehr Gedanken täglich
als ich nächtlich verarbeiten kann
Und lebe mehr Träume nächtlich
Als ich täglich ausleben kann
Und lIebe mehr Menschen in diesem Leben
als in all den anderen Leben zuvor je tat –
Irgendwas treibt mich an, ich weiß nicht wer
oder was, täglich zu einer guten Tat.

Ein Gedicht reicht nicht
Mildtätigkeit ist nur die halbe Meile
Ein Lächeln ist gut
Und dennoch ist es nicht gut genug…
Nicht die äußere Tat ist an sich die gute Tat
sondern die innere Befehlskette:
Mindestens einmal täglich muß ich den Mut haben,
auf meine innere Stimme zu hören.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LETZTE CHANCE

Ich habe nie geglaubt
der Mensch lebt nur einmal –
doch was wenn das mein letztes Mal ist?

Mein letztes Mal, die Sonne zu sehen
Mein letztes Mal, Gedichte zu schreiben
Mein letztes Mal, Euch zu begegnen

Fast haben wir uns gestern gegrüßt
In der Bahn unsere Augen begegneten sich
kurz, und schauten wieder weg.

Wir bereuten es gestern.
Wir bereuen es heute.
Und wir werden es morgen noch bereuen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIGENART MENSCH

An manchen Tagen bin ich zuerst Schwarz
An manchen Tagen bin ich zuerst Mensch
Nicht nur in meinen Augen
Auch in Deinem Kopf

Manchmal muss ich mich fast daran erinnern,
daß Mensch und Schwarz
sich nicht gegenseitig ausschließen –
Schwieriger ist‘s, Dir das klar zu machen.

Guten Morgen Tag, Du bist zu früh gekommen
Ich lebe für Generationen ungeboren
Und säe Samen, deren Früchte die ernten werden,
für die ich bloß ferne Geschichte sein werde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung