Die Wolken waren meine Gedanken
die ich von Dir fern hielt
doch wenn ich weine, rühren sie Dich
Aber nur kurz.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Die Wolken waren meine Gedanken
die ich von Dir fern hielt
doch wenn ich weine, rühren sie Dich
Aber nur kurz.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Wenn ich Geld wäre
würdest Du mich ausgeben
oder für Dich behalten?
Mit mir die Welt einigen
oder die Welt spalten?
Armut schaffen oder ausschalten.
Die reichsten Menschen
sind reich mit Menschen.
Und je mehr Menschen sie befreien
desto mehr Menschen sie erhalten
und nie fehlt es ihnen an Menschen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Jeden Tag steigt Houdini
in die Arme des Todes ein
und muß sich befreien, bevor er stirbt.
Eines Tages
drehte er die Reihenfolge um und
starb zuerst
– und wurde befreit.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Sonntag Nachmittag
Die Stadt geruhsam wie ein Schlafwandler
Dreht sich in der faulen Märzsonne
Einzeln, in zweier Dreier Gruppen
Die Menschen schweben unbekümmert vorbei
In Zeitlupe
Sie sind die nachträglichen Gedanken der Stadt
Die Antwort des Wochenendes auf die alte Woche
Die Fragen des Wochenendes an die neue Woche.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Die Vorhänge zwischen den Emotionen
fallen wie gefaltete Farben, wenn sie zögernd
ihre gebrochene Farbtonleiter sich herunter tasten,
die eine Farbe suchend, die nicht existiert.
Es gibt zu viele Zwischenlieder –
Mitglieder der menschlichen Familie –
Wo höre ich auf? Wo beginnst Du?
Unser Vielfalt, wie ein Überraschungsei,
zaubert tägliche neue Farben ans Licht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Katze
Der Tag ist wie eine Katze,
die die Oberfläche eines Tisches verlässt
und fällt und fällt
und dreht und dreht sich
und landet zum Schluss wieder auf ihren Pfoten.
Katze
Die Nacht ist wie eine Katze
die sich zurück zieht
und aus der Ferne Dich beobachtet
als wärest Du ein Fremder…
und dann, plötzlich, mit einem Sprung
landet sie auf Dir.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Der Weg ist zerknittert
Wie ein Blatt Papier, auf dem
Die Richtung einst gezeichnet stand –
Ungefähr.
Dennoch
Immer noch
Lesbar.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Rassismus ist ein Filter
Kein Anschlag
Keine Gebärde
Kein Gerede, kein Gedanke
Keine Art zu lügen oder zu zanken
Keine bereits vollzogene Tat
Rassismus ist ein Filter
Ein Kamerafilter –
Alles Aufgenommene
Alles Angenommene
Alles Wahrgenommene
Ist von Vornherein verfärbt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Fahrräder ohne Fahrradwege
Schulkinder ohne Schulwege
Kinder ohne Hortplätze
Ortsschulen ohne Plätze
für Erstklässler und Fünftklässler
aus dem Ort –
Wir wachsen und wachsen und wachsen
und schrumpfen und schrumpfen und schrumpfen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Distanz ist die Illusion von Distanz
Nähe ist die Illusion von Nähe
Jede Beziehung ist subtil wie ein Tanz
Freundschaft. Blutsverwandtschaft. Ehe.
Mensch, Volk oder Staat als letzte Instanz.
Was ich sehe, ist nicht, was ich sähe.
Irgendwie reimt es anscheinend nie ganz;
Irgendwo doch, wenn tanzend ich mich umdrehe –
Dort, an der Grenze der Toleranz.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung