Das sind seltene, seltene Menschen, die einer Versuchung widerstehen können, wo Schwäche und Gelegenheit sich treffen, ohne Konsequenzen sich etwas zu gönnen. Schwäche regiert uns, schwer zu fassen. Die hasserfüllten Augen mehren sich. Die Versuchung, das Böse wieder rauszulassen, drückt auf die Gemüter schwerlich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
EIN ANDERES LEBEN
Es gibt ein anderes Leben, anders als dieses Erdenleben. Manchmal nach dem Lebensende manch unserer guten Freunde, spüren wir, wie deren Geist in eine andere Welt hinein reist; und wir spüren mit, zart und schroff, das Leben in diesem feineren Stoff. Heller, leichter, lebendiger, schneller, unmittelbarer, lebhafter - werdend zunehmend immer beweglicher. Es gibt uns die Gewissheit der Richtigkeit des Empfindungslebens auch zur Erdenzeit; Aufmunterung, nach dem Licht zu streben, Freude versprechend, Zuversicht gebend, wie ein Fenster in ein anderes Leben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
GUTE NACHT, MENSCHENGEIST
Nicht Ausländer ersetzen uns, sondern KI macht das durch unser Tun - Der Mensch schafft sich selbst ab. Nicht Migranten verletzen uns, sondern KI macht das mit unserem Zutun - Sie wird unserem Geist zum Grab. Wird eine Generation einst kommen, die keine Musik komponieren kann? Keine Briefe selbst antworten kann? Keine eigenen Gedanken erzeugen kann? Keine Probleme selbst lösen kann? Eine, die sich wundern wird, wie wir einst das alles gemacht haben? Alles, was Du hast, alles, was ich hab - Empfindung, Intelligenz, Sich-Mühe-geben - geben wir profit- und ruhesuchend ab. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
NACHEMPFINDEN AM SONNTAG
Wer zu viel von sich selbst hält, hat zu Gott stets das falsche Verhältnis; Wer sind alle klein - sich vergrößern ist sich noch mehr verkleinern. Im langen Zeitalter der Herrschsucht, sucht die Eitelkeit machtlustig zu herrschen; sucht, den Drang, sich zu beherrschen, zu unterdrücken, macht gierig auf Sieg und Krieg, Sieg ohne Frieden, ohne Zufriedenheit. Nur Frieden ist Sieg - Die Waffe ist die menschliche Friedfertigkeit. Dazu ist die gestohlene Macht machtlos. Denn wer Macht braucht, missbraucht Macht auch. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
WIE LEBENDIG IST DAS LEBENDIGE IN DIR?
Du wirst anders sein als die Deinigen Du wirst Deine Gleichart bei den Meinigen finden Diese Beschreibung passt zu Einigen Aber finden sie den Mut, sich derart zu verbinden? Wie lebendig ist das Lebendige in Dir? Auf irgendeiner Ebene wirst Du Gleichart finden: Interessen, Geschichte, Geschlecht, Rasse, Kultur? Oder eher im ähnlichen geistigen Empfinden? Wie lang kannst Du tot sein bis Du den Atem nicht mehr anhalten kannst? Atme wieder, aus ein aus ein, bis Du Deine Amnesie endlich verbannst! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
SCHÖNE DINGE
Die kleinen schönen Dinge Vorbei flatternde Schmetterlinge Kunstvolle Brücken über winzige Täler Märchenerzählerinnen und -erzähler Morgendämmerung in einer neuen Stadt Musizierende erwischen auf frischer Tat Fremde Menschen lesen Unsichtbare märchenhafte Naturwesen Gedanken, die uns mit Höherem verbinden, die kurz kommen und schnell verschwinden Das Empfinden von Zuhause-sein im geteilten Blick mit Deinem Schatzilein Aber das Beste von allem ist das Ahnen, daß Gott ist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
FREMDE STADT
Ich laufe durch die Stadt. Ich spaziere durch die Gefühle der Passanten Und sehe diese an ihrer Statt. Ihre Gefühle sind Weltwanderer, sind Migranten. Die Menschen hier sind mir zwar fremd und neu, doch ihre Gefühle gleichen mir Bekannten, detailgetreu. In den einen Augen unzählige Fragen; In den anderen: Ich habe hier das Sagen; In anderen: Du bereitest mir Unbehagen, Du hier? - Wie konntest Du das wagen? In den einen Augen tastende Unsicherheit; In den anderen Sehnsucht nach Wahrheit; In anderen Erkenntnis der Mitmenschlichkeit; In den einen Augen klarer Verbindungsverzicht: Ablehnung oder Gleichgültigkeit? Weiß ich nicht. Doch manche sind einfach nur scheu. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
KULTURKAMPF
Die Fronten sind verhärtet Lächelnde Augen eisiger Freundlichkeit schütteln sich die Hände mit Feindseligkeit Alles wird einseitig bewertet Der gleiche Geist tobt blind auf allen Seiten bringt sich selbst überall täglich zum Leiden Die Welt wird allseitig gefährdet. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
ALLE ZUSAMMEN
Wir sind, unter der Oberfläche, eine Gesellschaft - egal was manche sagen. Enger als Gewerkschaft. Die Farben trennen uns nicht, machen uns nicht unvereinbar - Mehrere Züge bilden ein Gesicht, jeder für sich vielleicht unscheinbar, all zusammen eine Bürgerschaft. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
FLAMMEN
Werden wir zu Flammen Halten wir zusammen Erhellen wir wie mit Kerzen Die Welt mit Menschenherzen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
