Du musst alleine laufen wenn Du die innere Stimme hören willst Gott wird Dich mit Alleinsein taufen während Du aus Deinem Suchen schwillst Deiner Stärke entgegen. Beim sich zur Vollblüte regen Ist Alleinsein oft ein Segen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
alleinsein
DER TAG IST EIN HÜGEL
Der Tag ist ein Hügel Die Nacht ist ein Tal Doch am Tag erlebe ich meinen Fall Und nachts wachsen mir Flügel Geselligkeit ist toll Alleinsein ist schwer Doch In der Zweisamkeit bin ich leer Und in der Einsamkeit bin ich voll. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
GESELLSCHAFT DER EINSAMKEIT
Wenn die Einsamkeit der Einsamkeit Gesellschaft leistet, wie fühlt es sich an? Entsteht die Zweisamkeit? Oder verdoppelt sich die Einsamkeit? Wenn zwei einsame Menschen sich küssen, schlucken sie die Einsamkeit runter? Schmeckt es nach der Zweisamkeit? Wird es schwärzer oder wird es bunter? Kann die Einsamkeit der Einsamkeit ihre Einsamkeit lindern? Kann Zweisamkeit Einsamkeit mindern? Kann Gesellschaft Alleinsein verhindern? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HÖHER ALS ZWEISAMKEIT
Die meisten Menschen suchen nicht Gott, sondern die Zweisamkeit. Die meisten Menschen suchen nicht Freude in der Verbindung mit dem Höchsten und dadurch mit dem großen Ganzen, sondern sie suchen Freude in dem Erleben und Pflegen der Zweisamkeit; eine Verbindung, die wir dann Liebe nennen.
Dadurch grenzen wir uns ein und ketten uns den Frust des Unerreichbaren an.
Die Zweisamkeit ist schön, ist aber nur ein natürlicher Bestandteil der Verbindung zum Höchsten. Nur in diesem Zusammenhang ergibt sie sich auf natürlicher Art und Weise und wirkt fördernd, ergänzend, befreiend, nicht einengend, sondern Freude verstärkend.
Ihre zeitweilige Abwesenheit dagegen wird nicht als Druck oder Leiden oder „Einsamkeit“ empfunden, da die wahre Freude grundsätzlich und allein in der Verbindung zum Höchsten, zum Gott, also zur Liebe Selbst, und dadurch innig zum großen Ganzen, liegt.
Du magst ihn mit welchem Namen auch immer nennen, wie Du willst. Aber such unermüdend und offen nach der Bedeutung des Höchsten, des Lebensanfangs, nach dem Anfang und Inhalt der Naturgesetze, dem Leben selbst, der Klarheit, der allem übergeordneten Liebe, und nach der Verbindung zu ihr. Nur im Suchen und, viel mehr, im Finden und Verbinden wirst Du wirklich glücklich sein.
Denn dadurch, in diesem „Zusammenhang“, findest Du auch Dich und die Bedeutung und den Sinn Deines Seins, dessen Erfüllung allein glücklich macht.
Und alles andere, was Dir während dieser Suche bleibend oder zeitweilig wird – ob Zweisamkeit oder mehr, ob Reichtum, Herausforderung oder was auch immer – wird sich nur in diese Grundfreude innig einstimmen.
Che Chidi Chukwumerije
ALLEINER
Heute höre ich das Schweigen Warum ist das Schweigen so laut? Und warum hört es keiner? Das Schweigen, unauffällig Wenn Menschen auseinander fallen Bereits allein, und jetzt auch noch alleiner Alleiner ist stärker als mehr allein Das Mehr trügt, Wo das Wesentliche immer weniger wird. Das Schweigen breitet sich aus Von Mensch zu Mensch, Haus zu Haus Und wahre Gespräche werden weniger. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FAST IMMER ALLEIN
Jeder ist fast immer allein
in fast jeder Menge –
Gleichart ist fast nur Schein.
Abendliche Spaziergänge
am uralten Main –
… gezogen in die Länge.
In die Ferne in den Rhein.
Hinter mir Glockenklänge –
Tiefsinnig ist das Menschensein.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ANGST VOR EINSAMKEIT
Seine Schuhe
Seine Hemden
Seine Heiterkeit
Seine Gegenwart in Deiner Einsamkeit
Alles bezahlst Du
mit der Währung und Bewährung
Deiner Angst vor Alleinsein
Du möchtest einfach dabei sein
Und zuhören, wenn er lacht
Auch wenn er nicht mit Dir lacht
Und seine Arme um Dich fühlen
Auch wenn sein Herz nicht dabei ist.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BERÜHRUNG
Berühre mich heute
Nacht nicht – ich bin wund
Ich bin der Nacht Beute
Es klopft die Erinnerung
Salbe. Dein Schweigen
Ist Salbe, ist Liebe, ist lind
Ist wie ein sanfter Reigen
Ist wie ein Schmetterling
Wer tanzt da ohn Gesicht?
Wer drückt da meine Hand?
Es trifft mich, und zerbricht
Ein müder Bumerang
Dich wollte ich aber nicht
Verletzen – sondern schützend
Schwieg ich. Doch im Gedicht
Lieg ich dir hauteng
So trennte uns die Nacht –
Abnehmender Halbmond…
Morgen stimmen wir uns sacht
Wieder ein in unsren Song.
– Che Chidi Chukwumerije.
ALLEINSEIN
Ich stoße Menschen von mir ab
Halte meine Einsamkeit im Trab
Nehm mein Alleinsein mit ins Grab
Dein Unverständnis schützet mich
Freundschaft war tief, ein Spatenstich
Dolchstöße rein für Dich, mein Ich
Dann war alles nur Saitensprung
Wer weiter tanzt, der ist noch jung
Wo bleibst Du, stolze Dämmerung?
– CHE CHIDI CHUKWUMERIJE.
KLARHEIT SUCHEN
Du in der Leere
Du in dem fremden Land
Du in dem Garten, wo keiner sonst ist
Bist du sicher?
Ganz sicher?
Du ohne Bruder
Du ohne Schwester
Du ohne Familie, ohne Freund, ohne zweiten
Du ohne Mitreisenden
Bist du sicher?
Ganz sicher?
Du für dich allein
Du bei dir allein
Sei doch zuerst dessen ganz klar
Was du machst und machen willst
Bevor du weiter wanderst
Bevor du weiter wanderst
Bevor du weiter wanderst
Dorthin.
– CHE CHIDI CHUKWUMERIJE.
