TAGE DER ANGST

Wir kamen wie Sterne
fremd und zittrig
aus der Ferne
eifrig und zerbrechlich
kamen wir gerne

Kamen auf die Erde
bedrohlich und mütterlich
Wir wurden zur Herde
selbstbewusst und gefährlich
und selbst zur Beschwerde

Wer wird uns jetzt retten
im Namen der Liebe? Jetzt
wo es Gefahr wurde, die selbe
Luft zu atmen, und uns
gegenseitig die Hände zu geben?

Zusammen sind wir allein
Allein sind wir zusammen
Wer hätte das gedacht?
Wir nennen einander gegenseitig fremd
Doch sind wir die Fremden auf Erden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HUSTEN

Einer hustet
Alle ziehen sich unauffällig
auffällig schnell zurück
auffällig wegschauend
auffällig alle ein paar Sekunden später
den Huster unauffällig musternd
auffällig verspannt
unauffällig wachsam
auffällig

Ich verschlucke mich auffällig
an meinem Tee
unterdrücke mit Mühe den Husten
unauffällig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE MACHT DER FREMDENFEINDLICHKEIT

Wenn alle glauben
es liegt eine verborgene
ihnen überlegene Macht
im Schatten
dann stellen sie sich auf die Seite
des Schattens

Dadurch gewinnt dann erst
der Schatten Anhänger
Soldaten, Befürworter, Aufwind
und Stärke – was er alles vorher
nicht hatte

Die Macht des Schattens
ist die Macht der Illusion –
Bleibe Du im Licht
denn im Schatten ist nichts

Einer im Licht
ist stärker
als hundert im Schatten.

Che Chidi Chukwumerije (11.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHÜSSE AUF KARAMBA DIABY’S BÜRO IN HALLE

Schüsse auf die Demokratie
Grüße von der feigen Partei
aus dem Untergrund
Weit unter dem Grundgesetz
Es gibt einen Grund warum
die Gesellschaft einst befreit wurde
von der Herrschsucht der Selbstsucht.

Einschusslöcher in die freie Gesellschaft
Einwegdenken-Motto:
Wir rühren uns nicht vom blinden Fleck
Jenseits vom Grundgesetz,
dem Auffänger und der Schutzhülle
der durch Leid gewonnenen Idealen
einer neuen Menschheit.

Schüsse!
Wachruf an die Wächter der Idealen
Die Schützer des Hohen Traums
Die sich Erinnerer des gestrigen Alptraums
Die Unvergifteten
Die Begreifer des Wertes des Grundgesetzes
Die Torwärter einer menschlichen Zukunft.

Che Chidi Chukwumerije (16.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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WAS ANDERES

Ich frage mich warum
Ein Stirnrunzeln
Die Sonne verdirbt
Von hundert Lächeln –
Warum?

Ich frage mich warum
Älter werden
Die Wonne verdirbt
Von jungen Jahren –
Warum?

Ich frage mich warum
Eine glänzende Lüge
Glaubwürdiger erscheint
Als die wahrsten Züge –
Warum?

Warum besteht jeder einzelne Mensch
Aus Welten unter Welten unter Welten?
Und Welten hinter Welten hinter Welten?
Warum ist es beängstigender, Wahres zu zeigen
Und sicherer, als was Anderes zu gelten?

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

KOMMUNIKATIONSBRUCHSTÜCKE

Wir schwiegen so lang
Das Schweigen wurde zum Gespräch
Zu unserem längsten intimsten Gespräch
Und wir sprechen immer noch
Das Sprechen wurde uns nun zum Hang

Um Mißverständnisse zu vermeiden
Da wir uns so gut verstehen und leiden
Vertiefen wir unser Gespräch
Unser prägnantes vertrautes Gespräch
Keine Kommunikationslücke erlauben

Keine Kommunikationsbrüche
Keine Kommunikationsbrücke
Kleine Kommunikationskunststücke
Des Schweigens und des Verweigerns
Aus Angst, erneut zu scheitern.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

DIE ANGST VOR AUSEINANDERSETZUNGEN

Mutig ist der Krieger, der vor dem Krieg
Bereits seine sichere Niederlage sieht
Und dennoch ungetrübt in den Krieg zieht
Gefüllt von einem höheren Begriff von Sieg
Und Niederlage

Krieg des Niederen ist gegen den Anderen
Krieg des Höheren gegen sich selbst
Beweine nicht die Niederlage gegen den Anderen
Beweine die Niederlage gegen Dich selbst.
Der Tag ergibt sich der Nacht
Das ist das letzte, was er jeden Tag macht
Es ist keine Niederlage.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

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DIE ANTIBLUME

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Wie eine Antiblume
Ist der Hass erneut aufgeblüht
Er wurzelt mitten im Seelenreichtum
Aller Kulturen; gedeiht; versprüht
Den Duft der Angst und Irrtümer
Und vergiftet Verstand und Gemüt.

Und blüht mit Misstrauen und Neid
Im Antiblumendreiklang
Die Diplomatie ist ihr nettes Kleid
Systeme stehen unter ihrem Zugzwang
Und – Ihr ahnt es – es folgt das Leid
Wieder, ihr Höhepunkt, ihr Abgesang.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

MUT

Gefährlicher als die Gefahr selbst
Ist die Angst vor der Gefahr
Denn sie überlebt die Gefahr
Und bestätigt sich selbst

Angst vor Überfremdung
Vor Machtverweiblichung
Angst vor Veränderung im Land
Angst vor dem schwarzen Mann

Angst vor der Zukunft
Angst vor deren Schwund
Angst vor ihrer Ankunft
Mit neuer Angst in Bund

Angst vor dem Mut
Angst vor der Vergangenheit
Angst vor Freiheit
Und Angst vor dem Tod.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

GESELLSCHAFT

Sie grüßte ihn gerne
Setzte sich jedoch gerne
Zu ihrer Art –

Er arbeitet gerne mit ihr
Feiert allerdings lieber
Mit seiner Art –

Gleich und gleich gesellt sich gern
Doch in unserem inneren Part, weich
Funkelt einsam in jedem ein Stern

Sie liegt nachts wach
Er liegt nachts wach
Und jeder sehnt sich schweigend nach
Der inneren Gleichart.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung