NUR EINMAL

Die Gedanken, die mir nur einmal einfallen
und danach nie wieder…
Die frohen Stimmen, die nur einmal schallen
und danach nie wieder..
Die Schmerzen, die uns nur einmal segnen
und danach nie wieder…
Die Menschen, die uns nur einmal begegnen
und danach nie wieder.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

IN WELLEN

Wie Blätter vom Baum
fallen Menschen von mir ab
Einige hängen noch am Saum
zarter Gefühle, die ich noch hab
aber sie werden zu Schaum.
Mein Herz ist ein ferner Strand
durchzogen von Dauerwellen. Kaum
rollt die eine weg von seinem Sand,
schafft es schon der Nächsten Raum.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MENSCHEN VERINNERLICHEN

Ich habe so viele Menschen verinnerlicht
Ihr Dunkel, ihr Geheimnis, ihr Streben, ihr Licht
Unzählige Geschichten tragen mein Gesicht

Du kennst mehr Menschen als Du weißt
Hast Erinnerungen gespeichert in Deinem Geist
während Du von Leben zu Leben unruhig reist

Jede Begegnung, die uns innerlich trifft,
hinterlässt einen Abdruck in unsichtbarer Schrift
eingemeißelt in unsre Geschichte mit ewigem Stift.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KURZE BEGEGNUNGEN

Begegnungen,
die kurzen und die vergänglichen,
weil intensiv, mutieren zu unendlichen
Erinnerungen.

Nicht die Länge der Geschichte,
sondern die Tiefe der ihr innewohnenden Gedichte,
weckt die ewigen Empfindungen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEFANGEN IM VERLANGEN

Mein Tag hatte mehr Menschen als Minuten
Aber ich konnte sie trotzdem alle lesen
Mehr Gedanken als Sekunden
Doch ich bin immer in der Gegenwart gewesen
Und ich habe sie alle gefangen.

Es wurde gelacht und nachgedacht
Und es gab nicht genug Stunden
Die Menschen waren wie Flugblätter,
Informativ, überall habe ich sie gefunden,
Gelesen, aber sie stillten nicht mein Verlangen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR HINTERLASSEN IMMER SPUREN

Ich sitze hier jetzt seit einer Weile
und versuche mein Herz zu verstehen
Es malt viele Bilder, langsam, ohne Eile
und dennoch mehr als ich je gesehen
aber heute ist nichts besonderes geschehen

Ich sprach wie immer mit etlichen Fremden
und sah dabei in unzählige Augen
in Blicken gefangen wie Körper in Hemden
die schützen wollen doch nur dazu taugen
gegenseitig zu suchen, zu flehen, zu saugen.

Und lang nach dem ich wieder alleine bin
lebt noch ein Teil von jedem in mir -
Begegnungen tief sind des Lebens Sinn
Ob kurz oder lang ich öffne mich DIR
Jedes Ich ist ein Teil von unserem großen Wir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WAS WÄRE WENN?

Du wirst Menschen treffen,
Viele davon,
Zahlreich wie prägende Gedanken –
Sie bleiben an Dir hängen,
In Dir eingemeißelt wie auf Stein.

Aber Du bist beweglich.

Und Du wirst am Ende, manchmal,
Die anderen stärker und häufiger
In Erinnerung haben – die Fastgetroffenen –
Die Ihr Euch lange angeschaut habt
Aber kein Wort miteinander gewechselt habt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BEGEGNUNGEN

Tröpfchenweise
Unauffällig, leise
Wie Saat auf weiche Erde
Ohne Erwartung, ohne Beschwerde
Erwachsen, nachdenklich
Zurückhaltend, menschlich
Wie Antworten auf Fragen nach anders sein
Fallen neue Menschen in mein Leben ein.

– Che Chidi Chukwumerije.