Die Berge bücken sich runter zu mir grüßen mich Ich nicke zurück eben so ernstlich eben so freundlich Schulter an Schulter fahren wir Weggefährten waren wir Doch wie bei allen Reisen trennten sich unsere Gleisen irgendwann. Sie blieben zurück mit einem Rück - und dachten vielleicht dasselbe von mir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Berge
BERGSUCHT
Gute Nacht Berge Himmlische Zwerge In meinem Empfinden bitte nie verschwinden Egal wie tief der Fall Egal wie dunkel das Tal erweckt in mir manchmal Eueres Rufes Widerhall… Eueres Rufes Widerhall. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HONG KONG
Die Wolkenkratzer in die Breite in die Höhe in die Tiefe bis weit in die Ferne. Städte sind von Menschen verfasste Briefe, geschrieben auf Papier aus Himmel und Wolken, lesbar nur von oben - begreifbar nur von unten. An wen sind sie adressiert in diesem einsamen Universum? Wir kommen gehen kommen gehen zwischen Berg und Meer und erleben Fremdes und Dejavu. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
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STÜRMISCH
Leidenschaftlich stürzt der Himmel sich auf die dunklen Berge - plötzlich ist es überall nass - und sie sind sehr laut. Diese Sehnsucht hat sich lang gestaut. Es blitzt wie ein helles Lachen Es donnert wie das Erwachen von etwas, das nur nachts in Bergen wohnt und nur die Hemmungslosen belohnt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ABENDGEDICHT
Die Falten der Bergrücken die ideenreichen Stirnrunzeln einer müden Erde - Die Abendsonne ein Fragezeichen hing wie ein letzter Gedanke. Es werde erst morgen wieder Licht, machst Du aus der Nacht ein Gedicht, spürst Du die Leichtigkeit im Lebensgewicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEDANKEN EINES BERGES
Manche spüren Gedanken, wie andere lärmige Stimmen hören und andere chaotische Scharen beobachten Wie manche Hände auf ihrer Haut fühlen oder Gerüche in einer Menschenmenge wahrnehmen, spüren ein paar Menschen Gedanken Einige Gedanken schmecken dem Feinschmecker, viele nicht, Gewicht auf leisem Gemüt, aber sie werden - wie der Wind - vergehen. Laut sind heute Abend der Alpenwind, die frohen Menschen am Nachbartisch und meine suchenden Gedanken. Nur die Berge schweigen. Die uralten. Denn je mehr Wissen und Erinnerungen Du hast, desto mehr schweigst Du. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
RÜCKFAHRT AUS TIROL
Der Weg ergibt sich aus dem Nebel
Tirol entkleidet sich schnell
entzieht sich dem feuchten Dunst
zwischen seinen Bergen
gibt den Weg frei, eine lange Schlange
und wendet sich unermüdlich
aus der Feier heraus, zurück ins Alte,
voran ins Neue.
Neben mir ein Fluss, der immer in ist,
nimmer out. Die Sonne erscheint zögernd,
es ist eine Wintersonne.
Langsam fallen die Berge zurück,
die Enge weitet sich, und
es liegt eine offene Welt wieder vor mir…
Mit Heimkehr steigt die Reiselust.
Mit Älterwerden, siehe, die jugendliche Lust.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ÜBERFLUG
Die harten Bergspitzen
kitzeln zart den nackten Bauch
des stolzen Flugzeugs
Überrascht hält es an,
knurrt sanft und bleibt schwebend
im Genuß gefangen –
steif und weich
Eine Wolke fast wie
ein tausend andere
Dann erinnert es sich plötzlich
an seine Reise wieder und eilt
schnell davon
scheu wie ein Vogel.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE BERGE
Unklare Umrisse…
Die Berge falten sich in einander
Als wäre die Zeit ein Meer,
Aus dem sie wellengleich
Aufstehen, drängeln durch den Verkehr
und machen sich auf den Weg
Im Urlaubsstau Richtung Österreich.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BERGWASSERFALL
Kaskadierend
schlendert das Wasser
die Felsmauer langsam herunter
und ich wusste, so sehen Tränen aus,
wenn ein Berg leise zu sich weint.
Und warum sollte er nicht weinen?
Da thront er, ummantelt von der Einsamkeit –
Die Menschen kommen und gehen
Die Bäume kommen und gehen
Die Vögel kommen und gehen
Doch der Berg steht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
