Ich lese so viele nachdenkliche Gedanken in den grübelnden Augen und Blicken die an mir vorbei gehen im Büro oder zB am Main. Sie kommen aus einer tiefen Vergangenheit, laufen an mir in der Gegenwart vorbei, gehen in eine für sie ungewisse Zukunft hinein. Was habe ich getan, um so viel Nachdenken bei Menschen auszulösen, die mich nicht kennen, einfach nur durch mein Da-sein allein? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
da sein
DU TRÄGST MICH
Ich lief und lief, jahrelang und liebte jeden Baum jede Blume, die mir die Reise brachte aber wichtiger als alles, was ich sah und das vergaß ich viel zu lang war der feste Boden, der mich trug und nicht wankte und nichts sagte außer: Ich bin nah. Ich bin da. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DES KINDES SINN
Wir lagen im Gras und im Gras liegen war das Maß aller Dinge, es war der Sinn des Lebens. Wir, ich und er - der Lebenssinn - waren wie die allerbesten Freunde, nie zu trennen voneinander in Allem, was und wo ich je gewesen bin als Kind - beim Lesen, beim Spielen, beim Essen, Schlafen, Streiten daheim, beim Träumen beim Zimmer aufräumen, beim alles Andere versäumen während ich spielte auf einem Instrument. Alles, was ich tat, war in jenem Moment der Sinn des Lebens für mich, erfüllte mich, machte mich glücklich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BEWEGLICHE STILLE
When ich Dich berühre, sonderbar, berührt es mich. Doch warum, wenn ich mich finden will, verlasse ich jedes Mal Dich? Stopp! Komm nicht näher! Du darfst mir nicht folgen in die Klamm, verstehe mich richtig Ich gehe, weil ich komme, immer wieder - Halte Dich nur klamm. Sei mein Ende Meine Wege sind viele und unergründlich Lass mich ruhig gehen Alles hat ein Ende, warte dort auf mich denn am Ende gibt es nur Dich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DA
Rückwirkend vermagst du nicht
Zu erlangen die gesuchte Übersicht
Denn aufgepasst
Hast du nicht
In der Gegenwart als alles geschah
Deine Wünsche, allein deine Wünsche
Waren alles, was du sahst…
Ich sehe Löcher im Himmel
Einst waren es Wolken silbrig und hell
Ich sehe blasse Flecken an der Wand
Einst hingen da Fotos bestimmt
Aber ich habe die nie wahrgenommen
Und erinnere mich nicht mehr
An meine Erinnerungen –
Denn ich war nicht wirklich da.
– Che Chidi Chukwumerije.
