DES KINDES SINN

Wir lagen im Gras
und im Gras liegen war das
Maß aller Dinge, es war der
Sinn des Lebens. Wir, ich und er -
der Lebenssinn - waren wie
die allerbesten Freunde, nie
zu trennen voneinander in
Allem, was und wo ich je gewesen bin
als Kind - beim Lesen, beim Spielen, beim
Essen, Schlafen, Streiten daheim,
beim Träumen beim Zimmer aufräumen,
beim alles Andere versäumen
während ich spielte auf einem Instrument.
Alles, was ich tat, war in jenem Moment
der Sinn des Lebens für mich,
erfüllte mich, machte mich glücklich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BEWEGLICHE STILLE

When ich Dich berühre,
sonderbar, berührt es mich.
Doch warum,
wenn ich mich finden will,
verlasse ich jedes Mal Dich?

Stopp! Komm nicht näher!
Du darfst mir nicht folgen in die Klamm,
verstehe mich richtig
Ich gehe, weil ich komme, immer wieder -
Halte Dich nur klamm.

Sei mein Ende
Meine Wege sind viele und unergründlich
Lass mich ruhig gehen
Alles hat ein Ende, warte dort auf mich
denn am Ende gibt es nur Dich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DA

Rückwirkend vermagst du nicht
Zu erlangen die gesuchte Übersicht
Denn aufgepasst
Hast du nicht
In der Gegenwart als alles geschah
Deine Wünsche, allein deine Wünsche
Waren alles, was du sahst…

Ich sehe Löcher im Himmel
Einst waren es Wolken silbrig und hell
Ich sehe blasse Flecken an der Wand
Einst hingen da Fotos bestimmt
Aber ich habe die nie wahrgenommen
Und erinnere mich nicht mehr
An meine Erinnerungen –
Denn ich war nicht wirklich da.

– Che Chidi Chukwumerije.