MEIN ZUHAUSE

Ich stehe häufig unter einem Baume
In einem inneren Bilde
Vor meinem dritten Auge
Vor einer kleinen niedlichen Holzbrücke
Die über einem Bach gebogen liegt

Auf der anderen Seite des Bachs
Steht ein schönes Haus
Ich sehe es nicht, ich spüre es nur.
Da wohne ich –

Der Bach ist die Dichtung
Die Brücke ist meine Sehnsucht
Der Baum ist der Tag, der Augenblick

Und wenn ich die Brücke überquert habe
Und wenn ich das Gedicht geschrieben habe

Gehe ich nach Haus.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE VERGEBLICHKEIT DES HARTEN SIEGES

Den Dichter töten
Kannst Du nicht
Doch der Mensch ist schwach
Hinterm Gesicht – Schicht unter Schicht
Dichtung ist sein Unterricht.

Wie kann Verstand
Empfindung begreifen?
Wie will grob die Hand
Nach Feinzartem treffend greifen?
Töten kannst Du nicht
Den Dichter, noch sein Gedicht
Ziehen vor Dein starres Gericht –
Trotzdem scheint abstrakt sein Licht durch.
Schwach ist nicht wirklich schwach.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

APRILGEDICHT

Ich sage manchmal Ja
Und ich bin da
Und manchmal Nein
Bitte laß mich allein

Der Regen zögert
Eingeschüchtert
Der Regen stürmt
Schuttelt und wurmt

April April
Du hast Deinen Stil
Und machst, was ich will

Befreist alle meiner Seiten
Schneller als ich es vermeiden
Kann, muß ich mich entscheiden

Täglich tausend Eindrücke
Und ich nur eine wackelige Brücke

Ein Dichter.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung

FEST ABER ZART

Zart geht das
Bezwingen kann man es nicht
Empfangen nur
Kann man ein Gedicht

Das war zu hart
Denke daran, das ist eine Blume
Fest aber zart
Werbe Dich um die Blume

Und wenn ich scheide
Bleibe ich
Und wenn ich bleibe
Scheide ich
Aber nie aber nie leide ich
Scheide oder bleibe ich

So geht das
Bestimmen kann man es nicht
Empfinden nur
Kann man ein Gedicht.

– che chidi chukwumerije.

UNTER DRUCK

Wer mich will, der hat mich
Der zurück wich, dem wich ich
Aus. Auch.
Ein Gefühl im Bauch.

Zu schwer, Elefantenschrei
Ich fuhr auf, morgenfrüh
Im Innenraum einer rotgelben Wut
Das, was du leckst, das ist mein Blut
Liebe Frau
Das ist mein Blut.

Aufknallt, aufknarrt, aufkracht
Ach! Feuer Feuer
Aufknackt ein blutendes Herz –
Eine dicke langsame ruhige
Flüssigkeit, ausgedrückt wie ein Gedicht
Vom Dichter.
Dichter, Dichter, drück es ’raus.

– Che Chidi Chukwumerije