Heute höre ich das Schweigen Warum ist das Schweigen so laut? Und warum hört es keiner? Das Schweigen, unauffällig Wenn Menschen auseinander fallen Bereits allein, und jetzt auch noch alleiner Alleiner ist stärker als mehr allein Das Mehr trügt, Wo das Wesentliche immer weniger wird. Das Schweigen breitet sich aus Von Mensch zu Mensch, Haus zu Haus Und wahre Gespräche werden weniger. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Distanz
ORAKEL
Du brauchst
die Pausen
zwischen
den Unterhaltungen
In den Pausen
hörst Du die Dinge im Nachhinein
die Du während der Unterhaltung
überhörtest
Ähnlich wie die Nacht
den Tag erklärt –
In der Pause
ist das Orakel zu Hause.
Schenk mir Distanz zu Deiner Nähe
Gönne mir Pausen
Du bist zu laut hier drinnen –
Ich verstehe Dich nur von da draussen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LEERE WIRD NICHT VOLLER DURCH NÄHE
Je mehr ich von der Welt sehe,
desto weniger sehe ich von ihr.
Flugzeuge transportieren nicht nur unsre Sehnsüchte,
sondern auch unsere Ichsucht und Leere;
Das Internet zeigt uns nicht nur, was uns verbindet,
sondern so oft, was uns entfremdet und trennt;
Und bringt uns enger zusammen,
damit jeder im anderen die Einsamkeit erkennt,
unter der auch er leidet und brennt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
RAUM ZUM EMPFINDEN
Distanz ist die Illusion von Distanz
Nähe ist die Illusion von Nähe
Jede Beziehung ist subtil wie ein Tanz
Freundschaft. Blutsverwandtschaft. Ehe.
Mensch, Volk oder Staat als letzte Instanz.
Was ich sehe, ist nicht, was ich sähe.
Irgendwie reimt es anscheinend nie ganz;
Irgendwo doch, wenn tanzend ich mich umdrehe –
Dort, an der Grenze der Toleranz.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FARBLINIEN
Die Distanz akzeptieren
als die nächste Nähe
Wissen, daß der Versuch,
näher zu ziehen
ein größeres Distanzieren verursacht
Farbe ist die dünne Trennhaut
einer großen Distanz
Die Bindehaut zwischen
Toleranz und Akzeptanz
Die willkommene Illusion von Nähe.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
NAH UND FERN
Wie viel Nähe verträgt die Distanz zum Fremden?
Ich wünsche, ich könnte Dir meine Gedanken so nah bringen,
Du würdest sie für Deine halten. Und so weit entfernen,
Du könntest sie nie mehr berühren oder in sie eindringen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
REIZ
Ich suche Distanz
Ich versuche Nähe
als Auslöser von Distanz
Komisch, aber es funktioniert
Ich suche Nähe
Ich versuche Distanz
Als Eingang in die Nähe
Komisch, aber es funktioniert.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
MULTIKULTI-GESELLSCHAFT
Sie grüßte ihn gerne
Setzte sich jedoch gerne
Zu ihrer Art –
Er arbeitet gerne mit ihr
Feiert allerdings lieber
Mit seiner Art –
Gleich und gleich gesellt sich gern
Doch in unserem inneren Part, weich
Funkelt einsam in jedem ein Stern
Sie liegt nachts wach
Er liegt nachts wach
Und jeder sehnt sich schweigend nach
Der inneren Gleichart.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
ÜBER DEN ATLANTIK
Die atlantischen Meere
Die atlantische Leere
Die atlantische Lehre:
Auch ruhige Menschen sind voller Leben
Auch lange Strecken sind einst überwunden
Und wenn Gott schweigt, ist das auch ein Segen.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung
UNZUFRIEDEN
Der Schmerz des Unerfüllbaren
Distanz ist manchmal besser als Nähe
Du weißt, daß ich Dich trotzdem sehe
Das, was wir, zusammen, nicht waren…
Das, was wir, getrennt, nicht sind…
Siehst Du’s jetzt auch? Wir waren so blind.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
