Du warst mal hell leuchtend wie ein Stern Was ist passiert? Jetzt bist Du kalt und fern und dunkel und verlogen und verheimlichst gern Deine Gedanken. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Dunkel
WIEDER DA
In letzter Zeit höre ich die Stimmen wieder nah und weit die Stimmen und die Lieder der Mitmenschen und der Menschheit denn ich bin wieder da nach Jahrzehnten der Abwesenheit in denen ich nur Dunkelheit sah. Und jetzt höre ich die Stimmen wieder und meine auch - und spüre meine Beine gehen wieder und Lachen in meinem Bauch. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
GIESSET DIE BLUMEN
Alle diese Gedanken, die wir denken, in die Welt setzen, was geschieht mit ihnen? Die die ätzen, vernichten, verletzen. Wir kommen und gehen aber unsere Gedanken bleiben wie unsichtbare Wolken die verdichtend nicht weiter treiben. Gedanken der Habsucht, der Ichsucht und der Selbstsucht, Gedanken der Eigensucht und weniger der Lichtsehnsucht. Ab und zu in der Wüste hier und da ersprießt unerklärlich eine einsame tapfere Blume. Halte durch, Du bist unentbehrlich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
DAS BÖSE DRÜCKT WIEDER
Das sind seltene, seltene Menschen, die einer Versuchung widerstehen können, wo Schwäche und Gelegenheit sich treffen, ohne Konsequenzen sich etwas zu gönnen. Schwäche regiert uns, schwer zu fassen. Die hasserfüllten Augen mehren sich. Die Versuchung, das Böse wieder rauszulassen, drückt auf die Gemüter schwerlich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
WEHKRAFT
Die Sonnenstrahlen werden Deiner Nacht ihre Dunkelheit entkleiden - Sehen werden wir Dich in reiner nackten Unreinheit, und Dein Leiden wird das Licht hart fest durchdringen - das kannst Du niemals vermeiden - mit Seh- und Wehkraft Klarheit bringen und eine Blume zitternd in uns beiden. Denn Du bist nicht allein im Schatten im Gieren im Lügen im Dünkel im Neiden - Hier werden alle Weltenwanderer ermatten, selbst die Gottgläubigen auch die Heiden. Nur die Kindlichen kommen weiter, sich leicht scheidend aus dunklen Weiden, hinauf, uns führend, auf der Güte Leiter, wehmütig vor Heimweh, und bescheiden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
IN DER NACHT
Das Licht scheint am Hellsten in der Nacht, ich weiß nicht warum, vor allem nach Mitternacht. Die Menschen sind am unsichtbarsten tagsüber, maskiert, abwesend, verlogener, härter, trüber. Brauchen wir das Dunkel um Licht zu sein? Steinharte Herzen schmelzen bei Mondschein, was vorher Weh tat, wird noch schmerzvoller, die Empfindung wird empfindsamer, das Herz voller, Umarmungen werden länger und immer länger und enger, und enger, und enger, und enger. Und die, die beten, stellen mit Erleichterung fest, daß das Gebet wahr ist, eher es ihre Brust verlässt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VIELSCHICHTIG
Jeder ist wichtig Und gleich unwichtig Richtig Weil vielschichtig Vor allem gleichzeitig Durchsichtig Und undurchsichtig. Die Angst und die Zuversicht Klares Prosa und kryptisches Gedicht Habgier und Verzicht Freiwilligkeit und Pflicht Leichtigkeit und schweres Gewicht Das Dunkel und das Licht Wohnen in uns allen gleichzeitig. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DUNKELICHT
Dein Lächeln ist Dein schönstes Teil Schöner als Deine schmutzigsten Worte. Dein Lächeln ist Dein schmutzigstes Teil Schmutziger als Deine schönsten Worte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DAS SCHWEIGEN DER OPFER
Manchmal fehlen Dir die Worte,
um etwas nicht gutes zu benennen;
weil der Ausdruck „nicht gut“
so viele Bedeutungen hat,
daß es schwer ist, mit diesen Worten
fest zu nageln eine ungute Tat –
obwohl sie die einzigen sind.
Ungenügend, doch alles sagend.
Alles verschweigend.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUM TEUFEL
Und der Teufel brach der Welt die Brust auf
Und riß ihr das Herz aus ihrem Schreihals raus
Und fraß es blutend vor unseren Tränen auf
Und wir haben mit unseren Fingern ihm die Zunge abgeleckt
Und es hat uns zutiefst geschmeckt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
