JENSEITS DER GEDICHTE

Ich vermisse Deine Gedichte
Die Nachfrage in mir danach ist groß
Alle Einflussgrößen steigern meine Vorlieben
Die sehnen sich, wie immer, nach Deinem Schoß.

Das wäre’s mit meinem knappen Gedicht heute.
Ich möchte wie Du ohne Worte groß dichten,
Schmerz fühlen tiefer und Freude empfinden
reiner als schreiben, reden oder dichten.

Die innige Tat.
Rege Saat –
Blatt um Blatt um Blatt…
Ich bin noch nicht satt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WAHR SEIN

Die Welt zieht und zieht
Wie lange noch kann ich ihr widerstehen?
Die Echtheit, die ich gerne mied
Tue ich immerwiederkehrend immerwiedersehen
In allem, was in und mit mir geschieht.

Verlangen, wie lange noch
Werde ich mich zurückhalten und nachdenken?
Die Welt öffnete sich und ich roch
Die Vorfreude, denn die Freude selbst will nachschenken
Und ich will es trinken doch!

Menschen menscheln, mehr können wir nicht
Wer nie gemenschelt hat, merke Dir sein Gesicht
Wenn es Deinem ähnelt, hast Du Dein Gericht:
Mensch, Du schläfst oder Du lügst noch.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

EINFACH ECHT

Ich will Echtes erleben
Ich will kein inhaltsleeres Leben
Mit Sinn erfüllte Einsamkeit
Ist mir lieber als falsche Gemeinsamkeit

Was bleibt? Nichts.
Echtes bleibt formlos angesichts
Unserer festen Tat-Sachen –
Äußerlich gleichen Engel mal Drachen

Die Reise geht unaufhörlich weiter
Mal hart, mal linde, mal ernst, mal heiter
Dein Leben ist ein herrischer Reiter
Doch bist du sein devoter Leiter.

– Che Chidi Chukwumerije.

MICHSELBST

Bach
Ach, nimm mich mit
Und nimm mich fort
Bis in die Tiefe
Unausgesprochener Gedanken.

Rette mich vor der Oberfläche
Bei so viel Luft kann ich kaum atmen.

Daß ich so lange dachte
Ich rede mit deinem Inneren –
Dabei spiegeltest du nur Michselbst wider
Und ich wußte es nicht –
Armer ich, armer ich.

– Che Chidi Chukwumerije.

ALLE MEINE WIDERSPRÜCHE

Hinter meinem Augenpaar
Sah ich, da war
Mein zweites Augenpaar, tiefklar

Und was es ungesehen sah
In der Weite, beinah
Machte aus meinem Nein ein Ja
Und vice versa

Was meine ich damit?
Das, was man äußerlich vertritt
Stets innerlich darunter litt
Macht uns schwach und echt und fit
Schritt für Schritt.

– Che Chidi Chukwumerije

OMEN

Manchmal liege ich namenlos da und weiß nicht, wer ich bin. Und bin glücklich.

Ich rufe mir alle Namen ins Gedächtnis, die ich jemals hieß oder noch heiße, im Spaß und im Ernst, doch – merkwürdig – keiner von ihnen trifft zu.

Ich habe mich daran gewöhnt, mich an meinen eigenen Namen nicht mehr erinnern zu können.

Vielleicht habe ich dadurch die Möglichkeit, wirklich Ich zu werden, Ich zu sein, mich (wieder) zu finden und zu erkennen – nicht im Namen nur, sondern tatsächlich im Wirken.

– Che Chidi Chukwumerije.

GLÜCK UND SEGEN

Wagen
Auf all deinen Wegen
Dich wagen
Das ist dein Wagen

Kein Volkswagen
Auf Massenwegen
Nein. Dein eigenes Wagen
Dich regen persönlich

Dich bewegen
Bewegt mich, bewegt uns
Traue dich, zu wagen
Bring mich weg.

Bringe mich, aus dem Gleichgewicht
, ans Licht, das ausbricht
Schicht für Schicht
Ich werde dich nie vergessen.

– CHE CHIDI CHUKWUMERIJE.