NOCH DA

Nie sind die Menschen noch da,
wo sie einst waren, wenn Du wiederkehrst -
Komme keinem Menschen zu nah,
sonst fühlst Du Dich als ob Du nie da wärst.

Ich will nicht mehr traurig sein
aber glücklich sein macht mich traurig
und traurig sein macht mich glücklich
und unter Menschen fühle ich mich allein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KURZ VOR MITTERNACHT

Kurz vor Mitternacht
schweige ich mit der Nacht
und höre, wie sie leise lacht …

Sie atmet ein, sie atmet aus,
umarmt und durchdringt das Haus
mit Wesen und Empfindsamkeit
und süßer tiefer Einsamkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NIRGENDWO

Wie weit bin ich gekommen
um hier zu sein?
Wo ist hier? IrgendNirgendwo.
Hier bin ich allein.

Hier ist Gleichschaltung
Hier ist Folgsamkeit
Hier ist Gruppenneigung
Hier ist Einsamkeit

Wie weit bin ich gekommen
um hier zu sein?
Wie weit muss ich noch gehen
um Zuhause zu sein?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER TAG IST EIN HÜGEL

Der Tag ist ein Hügel
Die Nacht ist ein Tal
Doch am Tag erlebe ich meinen Fall
Und nachts wachsen mir Flügel

Geselligkeit ist toll
Alleinsein ist schwer
Doch In der Zweisamkeit bin ich leer
Und in der Einsamkeit bin ich voll.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EINSAMKEIT UND GEMEINSAMKEIT

Einsamkeit und Gemeinsamkeit
treffen sich gerne.
Grüssen sich und mehren sich.
Küssen sich und verzehren sich.
Einsamkeit und Gemeinsamkeit,
so unterschiedlich aus der Ferne,
ähneln sich aus der Nähe doch im Kerne.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SO VIELE EINSAME MENSCHEN

So viele Menschen sind einsam.
Unserer Augen Blicke treffen sich,
sie haben etwas gemeinsam -
sie sind durstig und erhoffen sich
mit jedem Lächeln, jeder Begegnung
eine Linderung ihrer Einsamkeit,
fürchten aber auch eine Entgegnung,
die sie bestätigt, diese Einsamkeit.

So viele einsame Menschen überall
aber keiner von ihnen passt zu Dir -
Ist Liebe Schicksal, Puzzeln oder Zufall?
Oder freier Entschluss in Dir und mir?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN DICHTER IST IMMER ALLEIN

Ein Dichter ist immer allein
denn seine Treue und seine Liebe
gelten nur seinem Dichtersein,
keinem Menschen, keinem Triebe.

Das spüren die Menschen fein
ohne es einordnen zu können:
Meiner wird er nie wirklich sein -
Seine Freiheit muss ich ihm gönnen.

Doch des Freiseins Preis ist Alleinsein;
Verbindungen kommen und gehen -
Die wahre Bindung, hell, echt und rein,
können die Wenigsten verstehen.

Sie bleibt im Inneren bestehen,
genährt durch die Einsamkeit -
Die Fähigkeit, ins Herz zu sehen
und fangen unsre tiefe Gemeinsamkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GESELLSCHAFT DER EINSAMKEIT

Wenn die Einsamkeit der Einsamkeit
Gesellschaft leistet, wie fühlt es sich an?
Entsteht die Zweisamkeit?
Oder verdoppelt sich die Einsamkeit?

Wenn zwei einsame Menschen sich küssen,
schlucken sie die Einsamkeit runter?
Schmeckt es nach der Zweisamkeit?
Wird es schwärzer oder wird es bunter?

Kann die Einsamkeit der Einsamkeit
ihre Einsamkeit lindern?
Kann Zweisamkeit Einsamkeit mindern?
Kann Gesellschaft Alleinsein verhindern?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINSAMKEIT IST NICHTS

Einsamkeit ist nichts, was irgendeiner
kommt und Dir abnimmt oder lindert -
Sie ist die Sehnsucht in Dir nach Deiner
eigenen Persönlichkeit, die gehindert
ist an ihrer Entfaltung durch ungenügend
Selbst-konfrontation, -Wissen und -Akzeptanz,
tiefer als das innere Kind oder innere Jugend,
der Erwachsene muss kennen seine (Ir)Relevanz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SELBSTRAUM

Menschen wie Luft
Einatmen, ausatmen
Verbrannt, verpufft
Schreie und Hymnen

Zahllos wie die Sterne im All
Wie die Sterne nah doch fern und überall
Wie die Sterne erst der Urknall

Danach entfernen sie sich
voneinander kontinuierlich…

Welt-, nein, Selbstraum.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung