Kurz vor Mitternacht schweige ich mit der Nacht und höre, wie sie leise lacht … Sie atmet ein, sie atmet aus, umarmt und durchdringt das Haus mit Wesen und Empfindsamkeit und süßer tiefer Einsamkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Einsamkeit
NIRGENDWO
Wie weit bin ich gekommen um hier zu sein? Wo ist hier? IrgendNirgendwo. Hier bin ich allein. Hier ist Gleichschaltung Hier ist Folgsamkeit Hier ist Gruppenneigung Hier ist Einsamkeit Wie weit bin ich gekommen um hier zu sein? Wie weit muss ich noch gehen um Zuhause zu sein? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
DER TAG IST EIN HÜGEL
Der Tag ist ein Hügel Die Nacht ist ein Tal Doch am Tag erlebe ich meinen Fall Und nachts wachsen mir Flügel Geselligkeit ist toll Alleinsein ist schwer Doch In der Zweisamkeit bin ich leer Und in der Einsamkeit bin ich voll. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
EINSAMKEIT UND GEMEINSAMKEIT
Einsamkeit und Gemeinsamkeit treffen sich gerne. Grüssen sich und mehren sich. Küssen sich und verzehren sich. Einsamkeit und Gemeinsamkeit, so unterschiedlich aus der Ferne, ähneln sich aus der Nähe doch im Kerne. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
SO VIELE EINSAME MENSCHEN
So viele Menschen sind einsam. Unserer Augen Blicke treffen sich, sie haben etwas gemeinsam - sie sind durstig und erhoffen sich mit jedem Lächeln, jeder Begegnung eine Linderung ihrer Einsamkeit, fürchten aber auch eine Entgegnung, die sie bestätigt, diese Einsamkeit. So viele einsame Menschen überall aber keiner von ihnen passt zu Dir - Ist Liebe Schicksal, Puzzeln oder Zufall? Oder freier Entschluss in Dir und mir? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN DICHTER IST IMMER ALLEIN
Ein Dichter ist immer allein denn seine Treue und seine Liebe gelten nur seinem Dichtersein, keinem Menschen, keinem Triebe. Das spüren die Menschen fein ohne es einordnen zu können: Meiner wird er nie wirklich sein - Seine Freiheit muss ich ihm gönnen. Doch des Freiseins Preis ist Alleinsein; Verbindungen kommen und gehen - Die wahre Bindung, hell, echt und rein, können die Wenigsten verstehen. Sie bleibt im Inneren bestehen, genährt durch die Einsamkeit - Die Fähigkeit, ins Herz zu sehen und fangen unsre tiefe Gemeinsamkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GESELLSCHAFT DER EINSAMKEIT
Wenn die Einsamkeit der Einsamkeit Gesellschaft leistet, wie fühlt es sich an? Entsteht die Zweisamkeit? Oder verdoppelt sich die Einsamkeit? Wenn zwei einsame Menschen sich küssen, schlucken sie die Einsamkeit runter? Schmeckt es nach der Zweisamkeit? Wird es schwärzer oder wird es bunter? Kann die Einsamkeit der Einsamkeit ihre Einsamkeit lindern? Kann Zweisamkeit Einsamkeit mindern? Kann Gesellschaft Alleinsein verhindern? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINSAMKEIT IST NICHTS
Einsamkeit ist nichts, was irgendeiner kommt und Dir abnimmt oder lindert - Sie ist die Sehnsucht in Dir nach Deiner eigenen Persönlichkeit, die gehindert ist an ihrer Entfaltung durch ungenügend Selbst-konfrontation, -Wissen und -Akzeptanz, tiefer als das innere Kind oder innere Jugend, der Erwachsene muss kennen seine (Ir)Relevanz. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SELBSTRAUM
Menschen wie Luft Einatmen, ausatmen Verbrannt, verpufft Schreie und Hymnen Zahllos wie die Sterne im All Wie die Sterne nah doch fern und überall Wie die Sterne erst der Urknall Danach entfernen sie sich voneinander kontinuierlich… Welt-, nein, Selbstraum. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HÖHER ALS ZWEISAMKEIT
Die meisten Menschen suchen nicht Gott, sondern die Zweisamkeit. Die meisten Menschen suchen nicht Freude in der Verbindung mit dem Höchsten und dadurch mit dem großen Ganzen, sondern sie suchen Freude in dem Erleben und Pflegen der Zweisamkeit; eine Verbindung, die wir dann Liebe nennen.
Dadurch grenzen wir uns ein und ketten uns den Frust des Unerreichbaren an.
Die Zweisamkeit ist schön, ist aber nur ein natürlicher Bestandteil der Verbindung zum Höchsten. Nur in diesem Zusammenhang ergibt sie sich auf natürlicher Art und Weise und wirkt fördernd, ergänzend, befreiend, nicht einengend, sondern Freude verstärkend.
Ihre zeitweilige Abwesenheit dagegen wird nicht als Druck oder Leiden oder „Einsamkeit“ empfunden, da die wahre Freude grundsätzlich und allein in der Verbindung zum Höchsten, zum Gott, also zur Liebe Selbst, und dadurch innig zum großen Ganzen, liegt.
Du magst ihn mit welchem Namen auch immer nennen, wie Du willst. Aber such unermüdend und offen nach der Bedeutung des Höchsten, des Lebensanfangs, nach dem Anfang und Inhalt der Naturgesetze, dem Leben selbst, der Klarheit, der allem übergeordneten Liebe, und nach der Verbindung zu ihr. Nur im Suchen und, viel mehr, im Finden und Verbinden wirst Du wirklich glücklich sein.
Denn dadurch, in diesem „Zusammenhang“, findest Du auch Dich und die Bedeutung und den Sinn Deines Seins, dessen Erfüllung allein glücklich macht.
Und alles andere, was Dir während dieser Suche bleibend oder zeitweilig wird – ob Zweisamkeit oder mehr, ob Reichtum, Herausforderung oder was auch immer – wird sich nur in diese Grundfreude innig einstimmen.
Che Chidi Chukwumerije
