GIESSET DIE BLUMEN

Alle diese Gedanken,
die wir denken, in die Welt setzen,
was geschieht mit ihnen?
Die die ätzen, vernichten, verletzen.

Wir kommen und gehen
aber unsere Gedanken bleiben
wie unsichtbare Wolken
die verdichtend nicht weiter treiben.

Gedanken der Habsucht,
der Ichsucht und der Selbstsucht,
Gedanken der Eigensucht
und weniger der Lichtsehnsucht.

Ab und zu in der Wüste
hier und da ersprießt unerklärlich
eine einsame tapfere Blume.
Halte durch, Du bist unentbehrlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER WERT EINES MENSCHEN

Was macht einen Mensch wertvoll?
Geld? Macht? Waffen? Schönheit?
Aber alles Haben verlangt sein Soll.
Wahrhaftigkeit. Liebe. Bescheidenheit.

Manche finden den Zugang zum Geldfluss
Und sind dann „reich“. Andere nicht.
Manchen haben Macht und deren Genuss
Und werden hart und weich. Viele nicht.
Manche sind körperlich schön - zum Verdruss.
Denen ist alles gleich. Den meisten nicht.

Doch gut sein und wahr sein und bescheiden sein
Ist kostenlos. Das können alle sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

UNAUFFÄLLIGKEIT

Im Zeitalter der Oberflächlichkeit
Im Zeitalter der Bilder
zählen nur Dinge, die an Sichtbarkeit
gelangen. Masken. Schilder.

Aber Du. Stets unauffällig.
Ich weiß, Du bist gerne unsichtbar -
Aber das macht Dich für mich
noch mehr unverzichtbar.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GUTE NACHT, MENSCHENGEIST

Nicht Ausländer ersetzen uns,
sondern KI macht das durch unser Tun -
Der Mensch schafft sich selbst ab.

Nicht Migranten verletzen uns,
sondern KI macht das mit unserem Zutun -
Sie wird unserem Geist zum Grab.

Wird eine Generation einst kommen,
die keine Musik komponieren kann?
Keine Briefe selbst antworten kann?
Keine eigenen Gedanken erzeugen kann?
Keine Probleme selbst lösen kann?
Eine, die sich wundern wird,
wie wir einst das alles gemacht haben?

Alles, was Du hast, alles, was ich hab -
Empfindung, Intelligenz, Sich-Mühe-geben -
geben wir profit- und ruhesuchend ab.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS ENDE DES SELBSTBILDS

Es dauert eintausend Jahre und vielleicht mehr,
bevor ein kluger Mensch schmerzlich ahnen kann,
daß er eigentlich dumm ist, ignorant und wissensleer -
Das Ende seines Selbstbilds. Was macht er dann?

Es dauert eintausend Jahre oder manchmal zwei,
bevor bei einem starken Menschen es sich durchsetzt
das Wissen, daß er eigentlich schwach ist und unfrei -
Das Ende seines Selbstbilds. Was macht er jetzt?

Bis ein Jemand begreift, daß er niemand ist…
denn die Eitelkeit ist das Herzstück unseres Brustschilds…
Eintausend und mehr Jahre dauert die harte Erlebnisfrist
zur Erkenntnis und Umbildung des Geistes Selbstbilds.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SELBSTDARSTELLUNG

Selbstbilder

Selbstschilder

Worte sind wilder

Masken sind milder.

~
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WENN DU IN DIE LEERE HINEIN RUFST…

Wenn Du in die Leere hinein rufst,
ruft die Leere in Dich hinein -
bittet, nein, zieht Dich in sich herein.

Wenn ich mit der Nacht rede,
redet die Nacht mit mir,
der Tag ist Verstand, die Nacht Gespür.

Alle wollen berühmt sein, anerkannt,
Das Internet hat das Schlechteste enthüllt,
was uns in unseren Seelen erfüllt -

Wir haben es preisgegeben und gefrönt,
ohne Scheu, ohne Scham und ohne Zwang:
die Geltungssucht und der Geltungsdrang.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ÄUSSERLICHKEITEN

Wir feiern Feiern
Wir beneiden Beneiden
Wir verschleiern Verschleiern
Wir leiden Leiden
Um äußerlich gut dazustehen
Um äußerlich gut auszusehen
Wie weit würden wir noch gehen?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

WAHRE BESCHEIDENHEIT

Bescheidenheit
ist nicht immer Bescheidenheit

Manchmal
ist sie Feigheit
Manchmal
ist sie Unehrlichkeit
Manchmal
ist sie Eitelkeit
Manchmal
ist sie Dummheit.

Bescheidenheit ist nur manchmal
auch wirklich Bescheidenheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HERRENMENSCHENTUM

Wenn ich könnte, würde
ich nicht in meinen Blog hinein dichten,
sondern auf Eure Seelen, die Hürde
direkt an dem Herde vernichten,
die auf dem Geist wie eine schwere Bürde
lastet, Schichten auf Schichten auf Schichten.

Erblindend. Frage Dich tausendmal warum,
warum ist die Menschheit so blind, so dumm?
Machen die Waffen die innere Stimme stumm?
Jede Kultur sieht sich selbst als Zentrum.
Summa Summarum:
Nichts macht so blind wie das Herrenmenschentum.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung