GEISTER

Geister,
habe ich in Erfahrung gebracht,
sind einsame Menschen,
stecken und gefangen geblieben
jenseits unserer Gemeinsamkeit.

Wie einsam muß es sein
mitten unter Menschen zu leben,
und sie sehen Dich nicht
und sie hören Dich nicht
und sie fühlen Dich nicht…

Ist es nicht besser,
weiter zu gehen?
Ist es nicht manchmal besser,
Dich einfach zu lösen
und Deinen Weg weiter zu gehen?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

STUFEN

Als ich es machte,
war es kein Fehler –
Als ich es überdachte,
war es ein Fehler –
Jetzt wo ich älter wär,
und es aus der Ferne betrachte,
ist es kein Fehler mehr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FLUGZEIT

Wie tief ist das Loch
in dem wir seit der Geburt fallen?
Und fallen und fallen
und fallen und fallen –
Zwischen dessen grauen Wänden
unsere Träume hallen und nachhallen?
Die Echoes, wenn sie uns erreichen,
siehe, die sind scharfe Krallen!
Und wir fallen und fallen
und fallen und fallen
Bis zum Moment, an dem
wir gegen die Erkenntnis prallen,
daß wir die ganze Zeit Flügel hatten…
kurz bevor wir auf den Boden knallen!!
Oder nicht.
Spannt Eure Schwingen, hebt ab –
Adler. Tauben. Raben. Rallen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KEINE LIEBE ZUM HASS

Wer ist glücklicher?
Der seinen Freund kennt
oder der seinen Feind erkennt?

Wer ist unglücklicher?
Der seinen Freund nicht kennt
oder der seinen Feind nicht erkennt?

Der Mensch weiß nicht, was Haß ist
bis er versteht,
daß der für immer besteht,
nie weg geht.

Nur die Liebe kann den Haß bezwingen
aber nicht in dem, daß sie ihn befreundet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

REALITÄT AKZEPTIEREN

Schuppen fallen von Augen
von einstigen Puppen –
gefährdete Gruppen naiv und nichtsahnend
tanzend vor feindseligen Truppen, abschussbereit.
Aber sie teilen mit Euch ja ihre leckeren Suppen,
arme dankbare Puppen. Eure Berge
sind kümmerliche lächerliche Kuppen
von wo Ihr fremde Sternschnuppen bewundert
während Eure Feinde Euch ständig verkleinernd schruppen,
arme Puppen an Euren Kluppen hängend
bis Ihr verschwindet wie ausgerauchte Fluppen… –
zum Glück fallen die Schuppen nun von Euren Augen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ENT-TÄUSCHT

Ich sah hinein
in der Welten Herz
und hasste mich ob meiner
Wissbegierde

denn egal wo jetzt
ich gehe oder schaue
egal wie schön, sehe ich nur
Schein und Zierde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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DAS JAHR DER DEUTSCHEN SICHTUNG

Ich weiß
Es klingt widersprüchlich
Auch ich hätte es nie geglaubt
Nie gedacht
Nie begriffen nie verstanden
Nie erklären oder begründen oder
Beweisen können
Bis ich es in mir entdeckte
Wo es nicht nur tief und fest steckte
Sich versteckte, könnte man fast sagen
Sondern wo es immer war
Der Auferweckung harrend
Dem wiederbelebenden Ruf folgend
Zum Etwas Sein, was ich schon immer war
Und bin und sein werde
Ob ich es weiß oder nicht
Verstehe oder nicht
Will oder nicht:
Deutsch. Und Schwarz. Gleichzeitig.

Mich umbringen wird es nicht töten
Mich ausgrenzen wird es nicht beseitigen
Mich ausweisen wird es nicht verbannen
Mich ignorieren wird es nicht abhängen
Mich verteufeln wird es nicht verbrennen
Mich verneinen macht es nicht ungültig
Denn es bejaht sich in mir täglich:
Deutsch. Und Schwarz. Gleichzeitig. Sein.
Ohne wenn. Ohne aber.
Frag mich nicht warum.
Es ist einfach so.
Tinte verschwindet, Papier vergilbt
Blut zerrinnt und Fleisch ist schwach –
Doch der Geist ist stark und überlebt
Und kennt und geht immer seinen Weg.
Mich säubern bringt nichts
Denn Schicht unter Schicht unter Schicht
Bleibe ich:
Deutsch. Und Schwarz. Gleichzeitig.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

ERKENNEN LERNEN

Die Wirkung des Weins
Gleicht der der Dichtung
Das Bewusstsein des Seins
In ganz neuer Belichtung
Zu offenbaren

Ich trinke weder Bier noch Wein
Dafür jede Nacht
Erhellt und berauscht mein Bewusstsein
Aus der Empfindung ausgedacht
Dichtung neugeboren

Höre auf Deine Innere Stimme
Lerne zu erkennen
Das Dir Nützliche, Dir Gute,Dir Schlimme
Und Dich zeitlich zu trennen
Vom Trennbaren.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

WACHSAMKEIT

Irgendwas stört mich
Und ich weiß nicht, was.
Kennt Ihr das?

Ich habe irgendwas falsch gemacht
Mir nichts oder das Falsche dabei gedacht
Und bin zu spät danach aufgewacht –

Ich kann nicht wieder einschlafen…
Und dann verstehe ich:
Ich soll nicht wieder einschlafen!

Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung

FEHLER

Ich wiederhole Fehler
Wie eine kaputte Schallplatte
Habe heute die selbe gelochte Socke an
Die ich gestern schon an hatte
Ich wurde zum vierten verdammten Mal
An der selben Stelle geblitzt
Und komme jeden zweiten Morgen an
Bei der Arbeit verschwitzt

Ich vergesse die gleichen Namen
Der gleichen Menschen ständig
War oft auf selber Weise unanständig
Trotz Gebet und Amen
Meine Neujahrsvorsätze sind nur Parolen
Ich werde sie wieder brechen
Und Gewissensbisse werden erneut stechen.
Nur DICH werde ich nicht wiederholen.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung