ES NIMMT UNAUFFÄLLIG ABSCHIED

Lange nach dem Du Deinen Lieblingsmensch
das letzte Mal sahst
realisierst Du erst
daß das das letzte Mal war
so unauffällig wie es war

Lange nach dem Du an Deinem
Lieblingsort
das letzte Mal warst
realisierst Du plötzlich
daß das das letzte Mal war
so unscheinbar der Abschied war

Lange nach dem Du eine
schöne stinknormale
Zeit oder Lebensphase hattest
dämmert es Dir langsam
daß das die beste Zeit Deines Lebens war
und Du warst so unaufmerksam.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MOMENTE DER WAHREN LIEBE

Die Liebe
Die Morgendämmerung
Flüchtig flüchtig
Morgen ist immer jung
Macht süchtig süchtig
Nach Liebe

Die Liebe
Die Abenddämmerung
Genau so flüchtig
Entzieht sich der Annäherung
Traurig sehnsüchtig
Der Liebe

Zurück bleiben nur die Augenblicke
In denen wir gut waren und gütig
Gebefreudig oder liebevoll streng
Achtsam, respektvoll, demütig
Anteilnehmend am Andern Geschicke
Denn wir sind Menschen und warmblütig.

Che Chidi Chukwumerije (10.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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HOFFENTLICH

Die den Tod anderer beweinten, sind mittlerweile auch fort. Wie meine Tante heulte, als vor vielen Jahren mein Bruder Kwame starb; wie mein Vater litt; wie mein bester Freund Dede mit mir schwieg;… wo sind sie alle heute? Auch fort!

Was geschieht dem Schmerz der Trauernden, wenn sie sterben? Nehmen sie ihn mit oder geben sie ihn an den noch Hier-Weilenden weiter? Ich habe sie alle betrauert, dennoch werde auch ich ihnen eines Tages dorthin folgen, ins Jenseits.

Allein meine Gedichte überlasse ich Euch; mögen die bitte immer stärker sein als jeder Schmerz. Wir treffen uns auf der anderen Seite – hoffentlich irgendwo Schönes – oder diesseits wieder an einem anderen Mal – hoffentlich irgendwann Schönes.

– Che Chidi Chukwumerije.