FFM

Abend in der Stadt
Ein Gewusel an fertigen Gefühlen
Und unfertigen Gedanken
Fettig, Auto und Haut
Stillstand am Stadion – Eintracht
Spielt Krieg auch noch heute
Leute Meute teutonische Kräfte
Freigelassen, Endstand ungewiss
Der Drang ins Innere endlich gelungen
Abend in der Innenstadt
Müder Verkehr, doch
Müde sein wäre verkehrt, bald vermehrt
Sich die Lichterschar, alle fassen Mut
Versöhnen und vertragen sich
Denn die Stärke dieser Stadt
Liegt in ihrer Fähigkeit, ohne Scham
Und ohne Minderwertigkeitskomplex
Mit sich selbst schwach zu sein.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

STRASSENLATERNEN

Straßenmusiker und Straßendichter
Stadtgeschichten und Straßenlichter
Salz und Pfeffer und Stadtgesichter
Abwesend wenn anwesend
Anwesend wenn abwesend

Der Stadtkörper und der Stadtverstand auch
Laufen täglich herum mit vollem Bauch
Doch die Stadtseele hungert bis ein Hauch
Von Kunst und Mut und Kindlichkeit
Am Straßenrand sie sachte streift.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

AM LOKALBAHNHOF

Straßenlieder
Er pennt nicht, er schläft
Neben dem Fahrkartenautomat
Seine sind Augen eines Denkers
Aber er schaut nicht zurück
Nein, die sind Augen eines Nachdenkers
Die blicken nur zurück, nicht mehr
Nach Vorn.

Wie schützt er die Matratze, wenn es regnet?
Er wohnt hier schon seit Monaten –
Wann kauft auch er sich eine neue Fahrkarte
Und steigt wieder ein?

Che Chidi Chukwumerije.

2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

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BRUCHTEIL

Gestern zum ersten Mal seit langem
Fuhr ich wieder im Stau den Main entlang
Ein azursanfter Morgen ende Januar, langsam
Es erwachte innig in mir ja das Verlangen
Nach irgendetwas dadraußen
Dann kam, plötzlich, der Schnee
Und ich begriff, ne…, ich habe Fernweh
Und fühlte mich in diesem Wissen Zuhause.

Das sind die Momente, in denen ich zu mir sag
Und tausend Jahre sind wie ein Tag.

Doch bald kam Grün, ich fuhr weiter
Dieses Gedicht unvollendet leider
Zurück gelassen in jenem Moment
Im Stau des Lebens, Licht am Horizont.

– Che Chidi Chukwumerije

2019: Das Jar der deutschen Dichtung

MEETING ORLANDO JULIUS

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Back in 2008 when I used to work partly in Nigeria, partly in Ghana and partly in Equatorial Guinea, the late great Sir Maliki Showman – the wonderful man who taught me how to play the saxophone (that’s a tale I’ll tell another day) – told me that if I ever had the chance , I should pay a visit to and say Hello to the pioneer of Afrobeat music and one of the greatest living Nigerian saxophonists of all time, Orlando Julius, who had at that time temporarily moved from Nigeria to the Ghanaian countryside, to a quiet village on the outskirts of Accra.

So one weekend in Accra, I chartered a Taxi and drove over, where I met the maestro himself, Orlando Julius Ekemode, and his incredibly gracious and beautiful wife and dancer, Latoya Aduke Ekemode. I have seldom experienced greater hospitality than they showered to me on that day. They took me as their son, we ate together, drank together and the great man regaled me with funny and touching and inspiring tales from the good old days of Nigerian music long before I was born – just like his friend Maliki Showman always used to do too.

Finally Orlando brought out his tenor sax and asked me to unpack mine which I had brought along. And after I showed him how far Sir Maliki had already brought me as at that time, Orlando Julius proceeded to lovingly show me new tricks on the Tenor sax and to expand my knowledge of the instrument and of African and Jazz music, like a father would. These are precious memories I‘ll never forget.

And last night, in Frankfurt, more than a decade later, and many years after the death of my friend and teacher Maliki Showman, it was such a joy for me to see Orlando Julius and his wife Latoya and his whole band again on stage, slamming out one great old hit after another. At 74 he is still going strong and the tunes are still as irresistible as ever.

To crown it all, they saw me in the crowd and they remembered. Latoya told the crowd how I had come to visit them in Ghana years ago. And then Orlando asked me to dance with them on stage. New precious memories. Great great people.

Highlife, Afrobeat, Funk, Jazz – they all originate from okdschool African Music… and Orlando Julius remains among the greatest of all time.

– Che Chidi Chukwumerije

There’ll Be Help Along The Way (LIVE)

Live @ Summa Summarum Musikkeller Frankfurt 14.02.18

(V.1):
I remember
When the news hit me back in September
Daddy’s going home
Father father
Tell us will this be our last December?
Speak a word of hope

(CHORUS 1):
There’ll be storm and there’ll be rain
There’ll be tears and there’ll be pain
Keep on striving night and day
There’ll be help along the way
Those who have no fear to fail
Are the ones who never fail
Though they fall they’ll rise again
There’ll be help along the way
… way way way along the way

(V.2):
Have a vision
Live you life with purpose and a mission
Never never give up
Stick together
Be your brothers’ and your sister’s keeper
And keep your faith in God

(CHORUS 2):
When old friends have gone away – (way)
And new friends don’t feel the same – (same)
Yet stay on your lonely lane – (lane)
There’ll be help along the way –
Heaven helps who help themselves – (selves)
Don’t keep doubtig your success – (cess)
Just be faithful to your fate
There’ll be help along the way
… way way way along the way

(SAX SOLO)

(CHORUS 3):
Sometimes at the very start
The road you have to go looks hard
Just set off and just be brave
There’ll be help along the way
It’s no shame to be afraid
But don’t let it make you brake
’Cause in unexpected ways
Oh, there’ll be help along the way…

– Words/Music: Che Chidi Chukwumerije.

Tagebuch eines Ausländers 3: DIE MAININSEL

Es gefällt mir sehr, am Main spazieren zu gehen. Als ich noch in der Stadt gearbeitet habe, bin ich jeden morgen, nach dem ich meine Tochter in die Kita gebracht hatte, zur Alten Brücke gelaufen, sie aber nicht überquert. Ich nahm die Treppe zum Fluß runter, wo ich nach ein paar Schritten meine Lieblingssitzbank erreichte. Während ich in meinem Buch laß, näherten sich mir ein paar Enten hoffnungsvoll. Man darf sie nicht füttern, aber ich brachte es nie übers Herz, ihnen ein Stückchen meines Brötchens zu enthalten. Ich spürte die Neugier mancher Jogger und Fahrradfahrer und Angestellte unterwegs zur Arbeit, die vorbei flossen wie ein zweiter Fluß. Das Schöne an dieser Stelle ist, daß ich die andere Mainseite nicht sehen kann. Die Bäume auf der Maininsel mitten auf dem Fluß haben eine beruhigende, stärkende, sammelnde Wirkung auf mich, sie fangen mich, spiegeln mich wider. Obwohl ich in dem Buche lese, kommt es mir vor, als würde ich in Wahrheit mit der Maininsel Gedanken tauschen. Plötzlich hallen einer nach dem anderen tiefe Töne von der Kirchglocke oben auf der Strasse rüber zu mir. Es ist neun Uhr, ich stehe auf, richte Krawatte und Jacke und laufe mit dem Main weiter bis hin zum Holbeinsteg. Erst da werde ich ihn überqueren. Den ganzen Tag über, im Büro, immer wenn mir die Luft fehlt, werde ich an diesen Augenblick auf meiner Lieblingssitzbank vor der Maininsel denken. So habe ich das immer gemacht, jeden Tag.

– che chidi chukwumerije.

Tagebuch eines Ausländers 2: MEINE STADT.

Ich bin gestern mit meinem Schwiegervater, der zu Besuch war, durch die Stadt gereist – gereist, sage ich, denn für mich fühlte es sich wie eine Reise an. Er wollte Frankfurt ein bisschen kennenlernen, hat sich darüber beschwert, daß er – obwohl er uns schon ein paar Mal besucht hat – von der Stadt wenig eigentlich gar nichts gesehen hat, und nun hatte er seinen eigenen Plan, wie das wieder gut zu machen war. So setzten wir uns in eine Straßenbahn. Er schaute aus dem Fenster, kommentierte alles, manchmal mit Worten, manchmal mit schweigsamen Blicken. Wir fuhren zu einer Endstation und wieder zur anderen Endstation und dann wieder zur Mitte, wo wir einst eingestiegen waren. Da stiegen wir wieder aus. Danach sind wir zum Main gelaufen, wo er unbedingt eine Flussrundfahrt machen wollte. Wir saßen vorne im Schiff. Sein Gesicht löste sich in eine Sonnenblume auf und immer wieder ließ er, während der einstündigen Fahrt, einen leisen Seufzer von sich hören. Er freute sich, lange war es her, seit er zum letzten Mal so einen schönen, ruhigen, reichen Tag gehabt hat, sagte er mir schließlich, leise. Danach gingen wir in Alt-Sachsenhausen spazieren, wo er prompt ein spanisches Lokal entdeckte. Das Lokal war gerade zu, sonst hätte er sein viertes Bier des Tages sicherlich dort getrunken. Jedes Stück Kuchen, jedes Glas Bier, jede Wurst, jedes Brötchen, jeder Kartoffelsalat, jedes Eis, jedes Lächeln, alles, was er an diesem Tage bekam, schmeckte ihm besonders. Er war zufrieden. Langsam schritten wir nebeneinander nach Hause und machten dabei noch einen kurzen Stopp bei dem Apfelweinwirt, wo ich schon einmal mit meiner Frau war. Unterwegs berührte er meine Schulter und bedankte sich bei mir für den schönen Tag, und dafür, dass ich ihm meine Stadt gezeigt hatte. Er ahnte wirklich überhaupt nicht, dass es gerade umgekehrt war: denn er war es gewesen, der mir meine Stadt neu gezeigt hatte. Oder vielleicht war es seine.

– che chidi chukwumerije.

INNENSTADTBLUES

So, ich war wieder in der Stadt
Einkaufen gegangen und wieder am Rande
Des Wahnsinns zurück
Nach Hause gekommen.

Niemand hat mich beleidigt oder geärgert
Niemand hat mich angelabert
Niemand hat mich verletzt oder angegriffen
Niemand hat mich wahrgenommen oder ignoriert
Doch war ich wund
Als ich wieder zu Hause war.

Die Musik holt mich langsam runter
Blues, Innen wird’s sanft bunter
Musik macht mich munter
Geschlossene Türe kurz genießen, aber
Die Innenstadt ist wie ein Liebhaber
Den wieder zu treffen ich mich freue
Den wieder zu verlassen ich mich freue
So was nennen Verrückte wahrscheinlich die Treue.

– Che Chidi Chukwumerije.