Manchmal sitz ich horchend lang, still, lausche in mir der Stille, dem Gespräch, dem Gesang, dem Geschehen, wo mein Wille, wie frei und eigenständig, sich selbst stark beschäftigt, schmerzvoll und aufwändig sich sänftigt, umformt und kräftigt, weil die Zeit gekommen ist, das Lenkrad erneut zu drehen - und wenn die Wendung genommen ist, einen neuen Weg zu gehen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
freier Wille
STILLE
Sei still, sonst hörst Du Deine innere Stimme nicht und weißt nicht, was sie will, Dein freier Wille. So frei, keine Meinung oder Neigung trübt seine Sicht - Er lenkt Dich zweifelsfrei in der Stille. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
JEDER MENSCH HAT DIE WAHL
Keiner hat keine Innere Stimme, egal ob Politiker, Rechtsanwalt oder Sportler, Arzt, Beamter, Handwerker, Wissenschaftlicher, Jeder Mensch, der Gute und der Schlimme, hat die Wahl zwischen erster und zweiter Stimme. Denn die übergeordnete Gesetzmäßigkeit, die uns das Leben und den Tod verleiht, allumfassend in unser Tatsächliches einschneit mit einem unfehlbarem Gespür für Wahrhaftigkeit, und sie unterwirft uns dieser Gesetzmäßigkeit. Die innere, für manche die zweite Stimme, ist die tiefere, die Empfindung, die erste. Unser hoher Verstand ist das aller unterste im Bewusstsein des Berggipfels, den ich erklimme, und der stets sagt: folge nur deiner inneren Stimme. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUKUNFTSSCHMIEDE
Wüsstest Du, daß wir Magier sind? Jeden Augenblick zaubern wir Neues hervor: Die Zukunft. Und das können wir bis in alle Ewigkeit tun In Neuland hinein reisen, findend jeden Augenblick eine neue Ankunft Jeder Augenblick eine neue Herkunft Über Deinen Weg gibt allein Deine Sehnsucht wahre Auskunft. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WÄRE MEIN HERZ EIN HEMD
Wäre mein Herz ein Hemd, aufknöpfbar wenn es warm wird - Wäre mein Kopf ein Hut, abnehmbar wenn er schwer wird - Wären meine Wege Stiefel, ausziehbar wenn sie weh tun - Wären meine Gedanken Antennen, einziehbar wenn sie sollen ruhn - Wäre Krieg ein Film, ausschaltbar wenn es einem reicht - Und Einsamkeit ein Lebrbuch, schwer bis man das Ende erreicht - Dann wäre alles, was einst war wie ein Traum, das niemals war - Und es läge in unseren Händen die Macht, unser Schicksal zu wenden. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUSAMMEN AUFLEBEN
Wir können zehntausend Meilen
im Gleichschritt still stehen,
zehntausend Gespräche führen
und uns nicht verstehen,
zehntausend Mal einander anschauen
ohne einander zu sehen
und trotzdem einfach so weitermachen
wie in zehntausend anderen Ehen.
Oder wir können einmal die Regeln brechen
und einmal die Sünde begehen,
auf die eigene Innere Stimme zu hören
und ehrlich den ehrlichen Weg zu gehen –
Wir können mutig gemeinsam kämpfen,
den Begriff „Leben“ umzudrehen
und etwas Neues machen
auf Erden aus unseren Ehen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEINE ENTSCHEIDUNG
Ich stand allein in der Nacht
und, weil ich stand,
war es keine Nacht mehr
Ich lag mit vielen mitten am Tag
doch, weil ich lag,
war es Nacht und kein Tag mehr.
Und es war meine Entscheidung,
zu lieben oder zu hassen,
zu töten oder leben zu lassen,
zu identifizieren mit der gesamten Menschheit
oder nur mit ausgewählten Rassen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FREIHEIT
Der Wille ist frei
doch wenn alle in alle Richtungen ziehen
bleibt der Wille gebunden.
Die Stimme ist frei
doch wenn alle unterschiedlich singen
haben wir noch nichts gesungen.
Die Wahl ist frei
doch wenn alle nur das Eigene suchen
wird nichts gefunden.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LIMITIERTE WAHL
Wählen wählen
Oder abwählen
Du hast einmal die Wahl
Frei wollen
Oder nicht frei
Oder nicht wollen
Du bekommst, was Du willst
Lieben lieben
Hassen lieben
Lieben hassen
Nur hassen hassen kannst Du nicht
Du kannst nur lieben lieben oder nicht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IMPERIUM
Raum zum Nehmen
Grenzen des grenzenlosen Nehmens
Ohne sich zu schämen
Nur der Eroberte
Nur der Gebrochene
Nur der Gedemütigte
Schämt sich
Schämt sich auch noch
Und schämt sich auch dafür
Heimatlos zu Hause
Heimatlos in der Heimatlosigkeit
Eines Anderen Imperium
Da, wo es keine Gnade gibt
Nur Nachdenken: Warum
Bin ich hier?
Nimmst Du mir meinen Freien Willen
Nimmst Du mir mein Leben.
Reichtum und Macht sind ein Imperium
Und wir sind der Widerstand.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der Deutschen Dichtung
