DAS JAHRZEHNT DER DEUTSCHEN DICHTUNG

Bis zum 2030
Soll mir das Jahrzehnt
Der deutschen Dichtung sein,
Nebenbei erwähnt.

Denk nicht an die Zukunft,
Erlebe die Gegenwart.
Die Ewigkeit ist ein Topf
In dem der Moment gart.

Täglich suchen Sonne
Und Erde ewig sich;
Täglich liebst Du leben
Und Licht und zärtlich mich.

Der Wind durchblättert täglich
Die Baumkrone da drüben,
Was suchst Du in meinen Gedanken
Von der Sehnsucht getrieben?

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung.

VORHÄNGE

In Ihrem Universum
Wohnt die Sonne drinnen, nicht draußen
Sie braucht die Vorhänge nur aufzumachen

Ein Lächeln
Ein herzgefülltes Lachen
Ein Aufleuchten ihrer Augen
Sie braucht die Vorhänge nur aufzumachen

Einmal hinter jedem Vorhang
Verbarg sie je einen Hang
Nach Vorurteil, nach Selbstsucht
Und so weiter, und manch eine Sucht
Ihre Mimik, Lächeln, Gestik, Fratze
Gehören alle nur zu ihrer Gesichtsmaske

Dann kam eines Tages fröhlich
Ihren Weg entlang
Das Leben spazieren gehen
Und lächelte sie an
Kurz stockte sie, dann plötzlich
Öffnet sich jeder Vorhang
Und ich sah eine Sonne aufgehen
Und sie strahlte uns warm an.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

ERNÄHRUNG

Hand ausgestreckt
Nach einer Realität
Jenseits des Ausgedachten
Das Jenseits wurde nicht ausgedacht

Ursprung versteckt
Ursprung einer Loyalität
Zum treibenden Nicht-Ausgedachten
Leere Räume haben’s mir beigebracht

Ein leerer Raum
Voller Wunderkraft und Macht
Wirklich, kein Traum
Ich hab’s mir nicht ausgedacht –

Die Zeit ist mein Wunderraum:
Bis sie täglich in sich zusammenbricht
Muß ich finden neu den Wunderbaum
Und pflücken mir ein Gedicht.

Mein Jahr der deutschen Dichtung
Gibst mir Halt, Nahrung, Richtung
In mitten des Waldes menschlichen Wirrwarrs
Öffnest Dich einmal täglich, helle Waldlichtung.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

FLÜGE DES MORGENS

Es war einmal ein guter Morgen
Hell wie Glocken, denn Glocken
Sind glücklich wie ein Kind ohne Sorgen
Der Morgen war das lachende Kind
Der Schöpfung –

Staunend schaute der Morgen
Aus tausend träumenden Augen heraus
Auf Gedanken, die lange verborgen
Im Tal der Nacht sich nach Licht sehnten
Und der Morgen fühlte sich geborgen
Auf den Flügeln seiner eigenen Kindlichkeit –

Und während die Sonne,
Vater des Morgens, stieg und strenger wurde
Und in den Menschenaugen
Der Morgenglanz langsam ersetzt wurde
Durch Menschenblick, seufzte sanft
Und freundlich der träumende Morgen
Ein letztes langes leises Mal
Genoß den Augenblick…
Und ahnte das Ende seines Lebens.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

AUCH MONTAGS LÄUTEN DIE GLOCKEN

Guten Morgen Menschenblume
Die Sonne, die ist dreierlei
Eine gedeiht im Weltall drüben
Täglich wiederholte Malerei
Die zweite, die Wichtigste
Die göttliche, Unsichtbare
Dem Verstand am Schwierigsten
Zu fassen, die Unmessbare –
Schönen Morgen Menschenbume
Wo ist Deine dritte Sonne heute?
Die Freude in Deinem Geiste
Wie helles Glockengeläute.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

PS 😊 –
Ich werde häufig gefragt, wie ich es schaffe, jeden Tag neue Zeilen zu dichten und dann den Text mir auch noch zu merken und für meine täglichen Videoaufnahmen auswendig zu lernen. Naja, heute kann ich beweisen: Ich bin tatsächlich doch nur ein Mensch. Ich habe mich 2x versprochen. 😊
Nicht so schlimm. Hauptsache: Täglich läuten die Glocken 🔔 🔔 🔔 . Auch montags. 😊

WAS MAN HAT, HAT MAN

Nichts erwecket den Neid
Mehr wie glücklich sein
Im Moment, wo wir uns freuen
Startet auch unser Leid

Bist Du die Nacht, Menschenherz
Daß Dir das Licht Weh tut?
Glücklicher, sei auf der Hut
Sonst folgt unweigerlich der Schmerz –

Wie ein Klischee bestätigt
Es sich, wiederholt sich ständig
Wie ein billiger Reim elendig
Und dann bist du erledigt.

Erledigt? Wirklich? Nein!
Bist doch Deines Glückes Schmied
Es gibt einen Inneren Fried
Zerstörbar von nur Dir allein.

– Che Chidi Chukwumerije.

WEINLESE

Ich wagte es
Bis zur Grenze meiner Persönlichkeit heute
Und kehrte überrascht zurück

Denn wo einst
Herrschte Traurigkeit, gärt nun die Freude
Gefühlt unverdientes Glück

Ein Darlehen
Daß sich nur dann und unendlich vermehrt
Wenn ich es ausschenkend weitergebe

Nur geschnitten
Wachse ich ganz, blutig überlebe unversehrt
Gepresst bin ich die beste Rebe.

– Che Chidi Chukwumerije.

GUTEN MORGEN

Es gibt Tage
Und es liegt nicht am Wetter
Da grüßen die Leute schöner
Verbindlicher
Schauen Dir in die Augen
Durch deren halboffene Fenster
Überraschung ein Herz sagt kurz wirklich Hallo
Bevor sich die Wege trennen…
Und jeder geht in seinen guten Tag hinein

Hinaus in die Lichtleere
Doch glücklich als wäre
Jeder von uns selbst eine Sonne

Und der Grund für diese Wonne,
Dieses seltsame Fehlen von Sorgen?
Ein ehrlich gemeinter “Guten Morgen!”

Che Chidi Chukwumerije

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2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

EIN REGNERISCHER SONNTAG

Es regnet
Grau
Ein Gedanke begegnet
Wie im Stau
Dem nächsten träge fließend
Träge grüßend

Sie flüßtert
“Schau
Nach Innen, es knistert
Hell und blau”
Meine Innere Stimme, aufmunternd
Wach überwinternd

Nicht jeden Sonntag scheint die Sonne
Und doch gibt’s Erneuerung, und Wärme

Es werde
Licht
Deines Lachens Erbe
Überwindet jedes Gewicht –
Bringe die Woche, was sie mag
Du wirst sie meistern, Tag für Tag!

– Che Chidi Chukwumerije