Die einen schreiben unsre Gedanken nieder Die anderen geben unsere Worte wieder Noch andere singen unserer Empfindungen Lieder Aber sie sind uns unsichtbar, Uns ungreifbar, von uns unvernichtbar, Im Karmakreislauf unverzichtbar. Unsere Welt lebt und webt in zwei Welten. Manch ein Dejavu, manch ein Un-fall, Schicksalhafte Begegnungen per Zu-fall, Erstaunliche Erkenntnisse durch Ein-fall: Uns traf es vielleicht unvorbereitet Aber jemand oder etwas hat es vorbereitet, Mit unsren Taten als Zutaten es uns zubereitet. Zwei Welten, und wir merken es selten. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEdanken
FAHRT VON MÜNCHEN NACH FRANKFURT
Es ist kälter in München als in Frankfurt
und wärmer auch –
Es kommt darauf an,
ob Du die Menschen anlachst.
Es ist billiger im Dorf als in der Stadt
und teurer auch –
Es kommt darauf an,
welchen Fehler Du machst.
Ich bin nigerianischer als deutscher
Oder auch nicht –
Es kommt darauf an,
wer mich gerade ausschließen will.
Ich fahre von München nach Frankfurt
Oder auch nicht –
Denn meine Gedanken sind wo ganz anders
und sie bleiben nie still.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEDANKE DES TAGES
GEDANKE DES TAGES
Wir sind am lautesten
wenn wir schweigen,
jeder in seinen Gedanken versunken.
Wir sind am leersten
wenn wir schreien,
jeder an seinen Gedanken betrunken.
Volle Gedanken neigen zur Dichtung
Leere Gedanken zeigen immer gerne die Richtung.
Irrfunken und Lebensfunken.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HUNDERT EMPFINDUNGEN
Was ist das,
wenn hundert Empfindungen
mein Herz durchwühlen
und tausend Gedanken
meinen Kopf beschäftigen
und doch am Ende
kein Wort mir über die Lippen kommt.
Du schaust mich an und fragst mich
Was ist los?
Woran denkst Du?
Ich schaue Dich an
Ich ringe lang nach Worten
Und antworte Dir dann, ehrlich…:
„Ach… nichts.“
Nichts, was ich in Worte fassen kann.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DU SPÜRST ES
Spürst Du manchmal Gedanken,
wie sie Dich umzingeln?
Es sind die leisesten,
die am Lautesten nachts klingeln,
wenn Du wach liegst
und läßt den Tag sich ausklingen.
Die sich schlauer dünken.
Auch Gedanken können überheblich schmunzeln –
Trügerisch schmeicheln,
mit Augenkontakt Dich entwaffnen,
Dir Deine intimsten Geheimnisse entlocken,
ohne mit Worten Deine Ohren zu züngeln.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SCHREIENDE GEDANKEN
Der Lärm der Gedanken ist lauter –
Warum schreien sie so laut?
Wissen sie nicht,
Gedanken gehen uns tief unter die Haut?
Denken sie, daß keiner sie hört?
Wer weniger laut schreien will,
muß endlich was sagen –
Laß es äußerlich raus, werde innerlich still.
Denn der Lärm der Gedanken ist lauter
als alles Gerede der Welt
Und am Lautesten wenn die Menschheit
In gehorsames Schweigen fällt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FERNBEDIENUNG
Wenn ich mit einer Fernbedienung
Deine Gedanken steuern könnte,
würde es Sinn machen, sie
auf etwas zu lenken, was jenseits
Deiner Vorstellungsfähigkeit liegt?
Da wären die doch verschwendet.
Lieber lenke ich sie auf Blumen,
auf Gütigkeit, auf Menschlichkeit, auf Mut,
auf Deine eigene Innere Stimme,…
aber auf keinen Fall auf mich.
Da wären sie doch verschwendet.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN EINZELNER GEDANKE
Auf der Suche nach dem Störenfried,
dem Eindringling in meine Gefühlswelt:
Ein Gedanke unter Tausenden,
Er tauchte kurz wie ein Spaziergänger auf,
grinste spöttisch, verhöhnend,
verschwand ganz schnell wieder …
bevor ich ihn fassen konnte.
Und jetzt bin ich da, verunsichert,
tanze nervös in meinen Gedanken rum
zum Takt meiner Herzschläge –
So mächtig ist ein einzelner falscher Gedanke,
wenn Du nur in Deinem Kopf lebst.
Ich gebe die Suche nach dem Störenfried auf.
Mein Herz lacht und ich bin nicht mehr gestört.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEDANKENGÄNGE
Ich stelle mir manchmal vor
meine Haare wären Gedanken
denn so viele schleppe ich
ständig mit mir herum, ungekämmt.
Sie fallen aus
Sie wachsen nach
Mir graut‘s vor der Anzahl an Fragen
die nach und nach alt werden
ohne Antworten.
Irgendwann kommen sie nicht mehr.
Leer geschorener Verstand
Kahl gewordener Kopf.
Wie eine Erde ohne Urwälder
Wie ein Land ohne Frieden
Wie Kapitalismus ohne Sozialismus
Wie Alter ohne Kindheit.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEDANKEN ALS FALLTÜRE
Ich begab mich auf die Suche
nach dem Gedanken,
der mich so traurig stimmte eben…
doch ich konnte mich nicht mehr an ihn erinnern –
So schnell wie er kam, verschwand er wieder
Hinterließ nur diese Traurigkeit.
Aber als ich weiter fahndete
fand ich einen anderen Gedanken
der in mir eine Vorahnung tiefer Freude auslöste
Ich flog und flog, vergaß die Traurigkeit…
bis ich wieder zu mir kam und erneut
nach dem Freude auslösenden Gedanken griff…
Doch auch er war weg. Vergessen.
Zurück geblieben ist nur die Empfindung.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
