Immer Nach dem der Sturm gewütet hat Immer Nach dem der Sturm sich gelegt hat Immer Ist es darnach so Als wäre überhaupt nichts passiert Immer Ist es darnach so seltsam still… sterilisiert… saniert. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Gefühle
GIESSET DIE BLUMEN
Alle diese Gedanken, die wir denken, in die Welt setzen, was geschieht mit ihnen? Die die ätzen, vernichten, verletzen. Wir kommen und gehen aber unsere Gedanken bleiben wie unsichtbare Wolken die verdichtend nicht weiter treiben. Gedanken der Habsucht, der Ichsucht und der Selbstsucht, Gedanken der Eigensucht und weniger der Lichtsehnsucht. Ab und zu in der Wüste hier und da ersprießt unerklärlich eine einsame tapfere Blume. Halte durch, Du bist unentbehrlich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
VIELE BLUMEN
Die einen Blumen waren nur Gedanken Sie blühten über meinem Kopf Ich war der Blumentopf Die anderen Blumen waren Worte Sie hüllten mich um Schön und dennoch krumm Einige Blumen dagegen waren Gefühle Wie sie in meinem Blute sprießen wilde Dufte hinterließen Und die aller ersten Blumen waren Empfindungen Es gibt einen himmlischen Garten in denen sie auf mich warten Aber die wichtigsten Blumen sind meine Taten Wenn ich sie Dir schenke weißt Du, was ich wirklich denke. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
LAUNENHAFTIGKEIT
So, wie er die untergehende Sonne beobachtet,… die sich zurückziehenden Gezeiten betrachtet,… so, wie er die Vögel nach Süden fliegen sieht,… alles wahrnimmt, was um ihn herum geschieht, so schaut er manchmal machtlos zu, wie seine Laune sich verschlechtert im Nu, und vertreibt die Freude und verdirbt die Ruh. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WARUM SIND SIE SO WÜTEND?
Grau und bewölkt Aber es ist nicht das Wetter Es sind die Gedanken Die Menschen waren mal netter zu einander, ob Gleichartige oder, noch mehr, Fremde Ein Gewitter braut sich zusammen Bringt es das Ende? Warum sind sie so wütend? Der Groll in ihren Herzen klingt wie grollender Donner Der Blitz erlischt die Kerzen - Der Witz, ein Lächeln, Scherzen oder eine liebevolle Tat wie Sonnenlicht durchbricht die Wolke aus Gedanken und Gefühlen. Liebe als Sonnengedicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ERKENNTNISSE
Abend ist wie Wein Er entlockt mir alle meiner Geheimnisse Ich lach, ich wein Ich erinnere mich an meine Versäumnisse Ich war niemals allein Ich war immer allein Meine Bedürfnisse sind meine Gefängnisse. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IM HINTERGRUND
Die einen schreiben unsre Gedanken nieder Die anderen geben unsere Worte wieder Noch andere singen unserer Empfindungen Lieder Aber sie sind uns unsichtbar, Uns ungreifbar, von uns unvernichtbar, Im Karmakreislauf unverzichtbar. Unsere Welt lebt und webt in zwei Welten. Manch ein Dejavu, manch ein Un-fall, Schicksalhafte Begegnungen per Zu-fall, Erstaunliche Erkenntnisse durch Ein-fall: Uns traf es vielleicht unvorbereitet Aber jemand oder etwas hat es vorbereitet, Mit unsren Taten als Zutaten es uns zubereitet. Zwei Welten, und wir merken es selten. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IHRE SCHÖNSTEN GEFÜHLE
Ob eine Gitarre Gefühle hat?
Sie liegt da, geräuschlos in Lederhülle,
kein Säuseln, kein Wispern, kein Laut
bis ich sie ausziehe und berühre –
Sie mag die unruhigen Finger am besten,
sie wird richtig laut.
Manchmal lasse ich sie wochenlang unberührt
und frage mich: Was denkt sie dabei?
Vielleicht denkt sie nichts
Denn es ist egal, wer sie berührt;
Wer sie richtig berührt, der entlockt ihr
ihre schönsten Lauten.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TREIBHAUSGEFÜHLE
TREIBHAUSGEFÜHLE
Treibhausplanet
Treibhausgefühle
Alle Geheimnisse werden heiss gekocht
Siedepunkt
Nervös, die Erde schwitzt
Es riecht nach Menschenschmutz
Alle Beteuerungen werden gelikt und gemocht
Während das Schmelzen schneller schmilzt
Gefangen, der Mensch, in dem Gewühle
Heiß und kalt
Treibhausplanet –
Auch wir sind seine Blüten.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LEICHT
Leichter als ein
und aus
atmen
Leichter als aus
rutschen und hin
fallen
Leichter als Augenlider
öffnen und schließen
Leichter als vergessen
und erinnern
Nichts ist leichter als die Gefühle
eines anderen unabsichtlich und
irreparabel zu verletzen.
Leichter als gedacht,
schwer gemacht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
