AUFNAHMEGERÄT

Was war zurück geblieben?
Nach dem die Fotos gespeichert waren
Die Videos geteilt an meine Lieben
Die Audios bereinigt ob der Unklaren
Die Blogs geschrieben und gelesen –
Aber war nicht mehr, viel mehr, da gewesen?

Vollzog nicht die ganze Zeit
Ein tieferes Geschehen, als Begleit,
Unsichtbar jeder technischen Erfindung
In seiner Art und wahrer Identität?
Wahrgenommen nur von unserer Empfindung,
Unserem echtesten Aufnahmegerät.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung

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MOMENTE DES LEBENS

Momente gesammelt
Denn ein Herz hat mehr Speicherplatz
Als alle Smartphone der Welt versammelt
Neben diesem einen Schatz:
Menschengeist.

Blatt um Blatt
Lese ich alle Menschen zwischen den Zeilen
Wie kann ich vergessen, was mich geprägt hat?
Momente markieren meine Meilen
Ich, Menschengeist.

Momente der Freude
Momente des Schmerzes, der Angst, der Liebe
Was mich einmal durchdringt, gehört im Gebäude
Meines Geistes fortan zum Getriebe
Je mehr ich erlebe
Desto mehr lebe
Ich, Menschengeist.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung

RÄTSEL

Ein einsamer Gedanke
Ein Vollmond
Beleuchtete heute Nacht
Meine Dunkelwelt

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte
Denn das Licht war die Empfindung einer Sonne
Die ich nicht sehen konnte…

Durch einen Spalt in dem Vorhang
Verfolgte ich dem Untergang des Körpers

Doch wo versteckt sich der Geist?

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

DAS RICHTIGE VERINNERLICHEN

Ein Stein fiel vom All in den Himmel hinein, verglühte fast, doch überlebte ein Rest und erreichte die Wolken, fiel weiter, wurde vom Wind erfasst, sank jedoch tiefer, bis er auf eine Bergspitze krachte und zerbrach in mehrere Teile.

Ein Teil allerdings rollte den Berg herunter und fiel mit lautem Ton in den See am Fuße des Berges hinein, störte die Oberfläche und erweckte Wellen. Dann sank er tiefer.

Ein Fisch hielt ihn für Nahrung und schnappte zu, biß ein Stück ab, schluckte es. Das Überbleibsel, ein Stückchen, sank immer tiefer, erreichte endlich den weichen Seeboden. Da lag es eine lange Weile, bis der Boden ihn allmählich verschlang.

Und siehe da, es war kein Stein. Es war ein Samen, eine Saat, und es keimte… – Nun wächst langsam eine neue wundersame Pflanze, lautlos, ungeahnt, aus dem Inneren Deines Geistes heraus, am tiefsten Boden Deiner Seele. Eine Erkenntnis, zart, blüht.

Denn nur die wenigsten Wahrheitskörnchen dringen tief genug in uns ein, um unseren Geist zu erreichen. Die meisten werden irgendwo von unserer Klugheit abgefangen und zerstört oder wir werden abgelenkt. Nur ab und zu, seltenst, wird Fundamentales von uns wirklich richtig verinnerlicht.

– Che Chidi Chukwumerije.

TREUE

Ich las in der Gralsbotschaft
Über Treue und über Pflicht
Daß die Pflicht keine Treue schafft
Nur die Liebe kennt der Treue Angesicht

Du kannst alle Aufgaben erledigen
Zuverlässig, gewissenhaft
Doch Deine wahre Treue gilt nur demjenigen
Der erwecket Deiner Liebe Kraft

Wo die Liebe ihre Wurzeln schlägt
Da blüht die Treue und gedeiht
Man kann es nicht ändern, es prägt
Es übernimmt des Geistes Persönlichkeit

Nicht das Verliebtsein zählt, gewiß
Noch Selbstsucht, Schwächeduldung, Festkleben
Nur selbstlose Liebe, die bereit ist
Für das Geliebte alles (auf)zugeben.

– Che Chidi Chukwumerije.

Mein Jahr der deutschen Dichtung.