AN DIE SONNE

Die Sonne ist nicht gelb
Die Sonne ist nicht gold
Die Sonne ist nicht rot
Und nicht orange

Das Feuer da oben
Lebte mal in mir
Es war Schmerz, es war Sehnsucht
Es war Freude und tief schwarz

Eines Nachts ging es in Flammen auf
Explodierte, brannte mich nieder
Nun stürmt es täglich auf und nieder
Wie Blut im Kreislauf.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HERZSCHLAG

Ich stand in dieser großen Halle
teils Tempel, teils Saal und teils Höhle
wie eine riesengroße Glocke
doch es war meine leere Seele.

Und mein Herz und meine Hände
schlugen hart gegen die Innenwände –
Schaukle zart, liebliche Glocke
über Geist und Wesen, über Täler und Berge.

Auf daß die Seele sich füllen möge.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

UNRUHE

Der Wille der Brille
zum Sehen ist leer
egal wie kristallklar
ihr Glas ohne den offenen Blick
Deiner sehnenden Augen.

Der Wille der Stille
zum Vermitteln ist wirkungslos
egal wie leise und regungslos
ihr Augenblick ohne die Sehnsucht
Deines offenen Geistes.

Die Hülle der Idylle
brennt mich, denn Leidenschaft
wohnt in mir, ist aber nicht sesshaft
in mir. Unruhe. Inhalt drängt zur
Gestalt. Gestalt dürstet nach Inhalt.

Che Chidi Chukwumerije (01.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung