DIE UNSICHTBARE TRENNUNG

Nachdem der Tod sie getrennt hatte
blieben sie lange noch innerlich
in der Nähe von einander
denn der Leben ist stärker als der Tod –
und zwar das Innenleben des Geistes.

Jedoch spürten sie langsam, daß es
allmählich Zeit wurde, sich wirklich von
einander zu trennen. Und zwölf Jahre
nach dem Unfalltod seines Bruders, erlitt
er zum zweiten Mal den Trennungsschmerz.

Er weinte bitterlich und wusste nicht warum
denn der Verstand versteht wenig von dem
was in der Seele vorgeht. Als er seinen
Bruder fort dachte, war er die ganze Zeit da.
Doch als der tatsächlich sich löste, spürte er

die trennende Bewegung – und den Abschied.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Dieses Gedicht ist die Fortsetzung des Gedichts „GEFÜHLE

und wird selbst nochmal fortgesetzt…

AUF SEINEM RÜCKEN

Mir fehlt Schwimmbad
Blau. Der Geruch vom Chlorwasser.
Mir fehlt Kindheit. Kindlichkeit.

Mein Vater schwamm seine Bahnen,
Brust, trug auf seinem Rücken
mal mich, mal meinen Bruder, mal
meine Schwester, obwohl sie Angst hatte.

Mir fehlt das laute Geschrei, das
Lachen und das kindliche Bitten:
Bitte, Daddy, noch einmal.

Ich bin froh, daß er lebte
daß er mich auf die Welt brachte
daß er schwimmen konnte
und daß er mich auf seinem Rücken trug.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung