HINWEIS DES GEISTES

Wenn Geselligkeit einsamer macht als Alleinsein
Wenn Gespräche weniger sagen als Schweigen
Wenn Nachsicht einengender wirkt als Strenge
will Dein Geist Deinem Verstand etwas zeigen

Schaue, siehst Du jene Linie dort?
- Nein, ich sehe sie nicht. -
Eben. Ich schon. Hier ist ein Ort
der eingeschränkten Sicht.
Du wirst schauen ohne zu sehen
und ohne dies je zu wissen.
Die Botschaft wirst Du nicht verstehen
ohne Empfindung und Gewissen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE ANDERE MENSCHHEIT

Eine zweite, nein, erste, Menschheit
wohnt tief unter der Oberfläche
der scheinbar herrschenden Menschheit 
wie eine unsichtbare Tragfläche -

Sie besteht aus denjenigen,
deren Geist Gottes Naturgesetze 
schweigend versteht als die alleinigen
Verwalter unser aller Schicksalsnetze. 

Diese Menschen beteiligen sich auch
an Politik, Wirtschaft, Gesellschaft,
an Akademie, Kunst, Sitte und Brauch,
aber sie machen alles gewissen-haft. 

Keiner Nation, Kultur oder Religion
gebührt mehr Treue als Deinem Gewissen.
Die Zukunft braucht neue Vision
und ein in Liebe verwurzeltes Wissen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HILFE

Jemand kommt täglich vorbei
Du siehst ihn vielleicht nicht
Aber er ist da, seine freiwillige Pflicht,
Dein Verschwiegenes hört er als Schrei.

Sein Flüstern hörst Du häufig
Als inneren Schrei in Deiner Empfindung
Und in Deinem Gewissen Beunruhigung
Damit Du wach bleibst täglich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EMPFINDUNGEN SAGEN MEHR

Worte versagen
Wo Empfindungen alles sagen -
Diese formlosen Gefühle im Magen

Wie kann eine Brust,
So klein wie sie ist, bergen so viel Lust,
Ertragen so viel Verlust?

Woher kommt Wissen?
Woher weißt so viel das Gewissen?
Dieses Wissen will ich nicht vermissen.

Es lehrt mich den Unterschied
Kunstlied und Liebeslied,
Zwischen Aufwiedersehen und Abschied.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

IN MEINER WELT GEWINNT IMMER DAS GUTE

In meiner Welt gewinnt immer das Gute
Gerechtigkeit Selbst ist mir innigst zumute
In meinem Geiste, in meinem Blute

Bis die Wahrheit endgiltig gewonnen hat
Habe ich keine Ruhe, wende ich kein neues Blatt
Eine Lüge als Angriff ist das tiefste Attentat

Ich lief einmal weg und fühlte mich beschissen
Ich zögere nie mehr, hin und her gerissen,
Denn nichts ist feiner als das Gewissen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEWISSEN IST WISSEN

Kopfkissen ist
Nicht weich genug
Wenn das Gewissen
Zerrissen ist.
Der einzige Bezug
Dazu ist Wissen
Was beschissen ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

GESÄTTIGT

Kann es sein, daß
Die Antwort nicht in dem Körper liegt?
Ich meine, nicht im Körperlichen
Ein Lächeln trifft einen Blick, der Geist siegt
Der Körper, gesättigt, verliert seinen Appetit
Fällt wie ein Stück Kleidung ab
Das schwerer als die Empfindung wiegt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LAKMUSTEST

Menschlichkeit,
die nicht allen Menschen gilt,
ist Unmenschlichkeit.

Ein selektives Gewissen
ist ein schlechtes Gewissen.

Internationale Solidarität
gilt allen Menschenrassen –

sonst birgt sie keine Liebe,
nur Rassismus und Tücke und Lügen
und Hässlichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEWISSENLOS

Risse in Deinem Gewissen –
Bisse tun Dir nicht mehr Weh.
Wirst Du den Schmerz vermissen?
Oder starb in Dir auch das Heimweh?

Lange lange lange Reise
Nicht nach Afrika oder Asien oder ins All
Lange lange lange Reise
Wie ein Schrei im freier Fall
Unterwegs vom Berg ohne Tal
Ohne Aufprall
Ohne Widerhall.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS UNENTBEHRLICHE IN MIR

Gerissen, zwischen mir und mir
Gewissen, Du bist die Stimme von welchem Ich?
Also wende ich mich ab von Dir
Und ich verliere prompt den einen Mich
Seine Stimme warst Du wohl
Denn das andere Ich fühlt sich jetzt hohl
Schreit laut nach meinem wahren Ich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung