IM ZEITALTER DER GRENZEN

Die Globalisierung, statt die Grenzen zu öffnen,
Hat sie lediglich nah an einander gerückt
Damit sie sich gegenseitig besser sehen, besser hassen;
Die Spannung macht alle gleichsam verrückt!

Besser wäre es vielleicht, die Grenzen wären noch zu
Und stattdessen die Herzen aufgehen
Dann würde jeder uneingeschränkt Eingang finden
In jedes andere Herz – und sich verstehen.

Che Chidi Chukwumerije

—-

2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

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SCHMERZGRENZEN

Sie saß allein im Klassenzimmer
Weinte leise vor sich hin
Die Tür ging auf und schnell erschien
Ein Lächeln auf ihrem Kinn
Doch im Winkel eines Auges leuchtete eine Träne
Und die sah er
Er kam näher
“Weinst Du?” Sie schüttelte den Kopf: “Ne ne…”
Und forcierte das Lächeln noch mehr.

Und er nickte und lächelte zurück
Als würde er ihr glauben
Holte seine Sachen und ging fort
Dann wartete er draußen
Lauschte an der Tür und nach einer Weile
Hört er, leise, wieder
Ihres Herzens graue Lieder
Wie sie schluchzte, weinte, heulte
Sein Herz brach aber er konnte nicht zu ihr.

– Che Chidi Chukwumerije.

DEINE GRENZEN BILDET DEINE FANTASIE… NICHT.

Eine Rose wird eine Kartoffel niemals werden
Eine Frau nie wirklich ein echter Mann
Feuer mag flüssig sein wie Wasser
Aber frag es, ob es Deinen Durst löschen kann

Der Haß hebt uns niemals empor ins Licht
Das schafft nur die Liebe, zart
Das Schwert mag glauben, es sei ein Kissen
Doch der Krieg erinnert es daran, es ist hart
Deine Grenzen bildet nicht Deine Fantasie
Sondern das tut in Wirklichkeit Deine Art.

Statt aus allem alles machen zu wollen
Und die Menschen scheinbar ohne Konsequenzen
In allerlei Fantasien sich schwelgen zu lassen
Sollte jeder nach Innen sich versetzen
Und sich fragen: Was bin ich?
Wer sich kennt, kennt seinen Weg und wird glücklich
Der kennt aber auch seine Grenzen.

Wer Selbst, Pfad und Wegzaun begreift
Hat gefunden seinen Weg nach Außen
Entwickeln wird er sich fortan
Innerhalb seiner unerreichbaren Grenzen
Denn er fühlt sich Zuhause.

– Che Chidi Chukwumerije.

VERZEHREN

Der Genuß des Lebens
Besteht für mich darin
Die Grenzen der Reize ständig auszuweiten
Die ich ohne nach zu geben
Ertragen kann.

Was läufst Du weg von mir
Und steigerst mein Empfinden?
Gefangen zwischen Mensch und Tier
Am Sehnen und am Erblinden.

Du bietest mir körperliche Nähe an
Auf daß ich deine Seele in Ruhe lasse
Aber nein – Ich weiß, was ich will.

Was ist Zeit?
Wir haben die Ewigkeit.

Und Langsamkeit.

CHE CHIDI CHUKWUMERIJE.

EIN ANDERER UMGANG MIT DU UND SIE

Sie, nicht weil Sie mein Vorgesetzter oder meine Chefin sind, sondern weil wir einander innerlich fremd sind…

Du, nicht weil wir Kollegen oder Nachbarn sind, sondern weil wir geistig im Gleichklang schwingen.

Und Sie, obwohl wir gleichalt sind, und in den selben Bekanntschafts- oder Arbeitskreisen uns befinden, sind mir irgendwie fern… ungleichartig… und intuitiv zolle ich Ihnen den dazu nötigen Respekt, Ihren Raum…

Und Du, obwohl wir uns erst kennen gelernt haben, oder es anscheinend uns nichts verbindet, was Nähe zulässt, bist mir vertraut ohne Ende und ich fühle mich bei Dir zu Hause und in der Gesellschaft eines Freundes.

Und selbst wenn einige die Sprache zum politischen Machtinstrument des Teilens und Herrschens, oder zur gesellschaftlichen Umgangsform des Lügens, des Verbergens und der Grenzüberschreitung abwerten…

bleibt trotzdem des Menschen Wort dessen BUND, denn seine Aus-sprache ist jeder. Höflich, Sie. Ehrlich achtungsvoll.
Vertraut, Du. Intim und sehr vertraut.

Che Chidi Chukwumerije.