ALLES

Ich denke an alles
was ich verpasst habe in dieser Welt
und es war es alles wert
Dadurch habe ich mich zu dem entwickelt
dem das Leben dies hat beschert:
Die Chance, den Wert und die Grenzen
der Menschen respektieren zu lernen
Damit statt zu konkurrieren, zu ergänzen
Allen, und gerne, Nahestehenden und Fernen –
Somit hab ich doch alles.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

Advertisements

SPIEGEL

Im Delphitempel in Apollo
Standen die Worte feierlich
Vor tausenden von Jahren:
Mensch, kenne Dich!

Dann kam Jesus Christus
Gottessohn, Gottesliebe und Held
Und lehrte den Menschen einfach:
Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!

Der Mensch würfelte beides zusammen
Erfand Internet, IT und Digitalnetz
Cyberaugen, Sozialmedien und Wanzen
Und sagte zu sich selbst:

Nächstenliebe ist schwer
Sich selbst kennenlernen schmerzlich;
Lieber, zeige Dich falsch
Doch kenne Deinen Nachbarn gänzlich!

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

GRENZSTEIN

Der Mensch, der Weltenwanderer
Hat auf seiner Expansionsreise
Sich vorgedrängt bis zur Grenze
Seiner widersprüchlichen Denkungsweise…
Weiß nicht weiter.

Zurück oder weiter?
Wo endet das eigene, beginnt das fremde?
Was darf man nehmen, darf man lassen?
Wie sehen Feinde aus, wie Freunde?
Was bestimmt Massen, Klassen, lieben, hassen?

Welche Grenze liegt noch unerforscht?
Denn alle erkennbaren haben wir bereits
Mehrmals erreicht, durchbrochen, überquert
Doch unbefriedigt brennt der geistige Lichtreiz –
Wir wollen weiter!

Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung

IM ZEITALTER DER GRENZEN

Die Globalisierung, statt die Grenzen zu öffnen,
Hat sie lediglich nah an einander gerückt
Damit sie sich gegenseitig besser sehen, besser hassen;
Die Spannung macht alle gleichsam verrückt!

Besser wäre es vielleicht, die Grenzen wären noch zu
Und stattdessen die Herzen aufgehen
Dann würde jeder uneingeschränkt Eingang finden
In jedes andere Herz – und sich verstehen.

Che Chidi Chukwumerije

—-

2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

SCHMERZGRENZEN

Sie saß allein im Klassenzimmer
Weinte leise vor sich hin
Die Tür ging auf und schnell erschien
Ein Lächeln auf ihrem Kinn
Doch im Winkel eines Auges leuchtete eine Träne
Und die sah er
Er kam näher
“Weinst Du?” Sie schüttelte den Kopf: “Ne ne…”
Und forcierte das Lächeln noch mehr.

Und er nickte und lächelte zurück
Als würde er ihr glauben
Holte seine Sachen und ging fort
Dann wartete er draußen
Lauschte an der Tür und nach einer Weile
Hört er, leise, wieder
Ihres Herzens graue Lieder
Wie sie schluchzte, weinte, heulte
Sein Herz brach aber er konnte nicht zu ihr.

– Che Chidi Chukwumerije.