EINFACH WARTEN

Ich habe gelernt
zu warten
Ich habe gelernt
Das Herz ist ein Garten

Alles hat die Zeit betreut
Alles, was einen Mensch bewegt
hat die Zeit empfangen und gepflegt
auch das, was er später bereut

Manches hat sie wachsen gelassen,
dies habe ich gelernt -
beim Hoffen, Fürchten, Lieben, Hassen -
aber manches hat sie entfernt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EINMAL BERÜHREN

Einmal schnell den Himmel berühren
und zurück…
Einmal tief die Seele berühren
bringt Glück…
Einmal lindernd die Wunde berühren
heilt sie ein Stück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN ERHOLSAMER SCHLAF

Die Müdigkeit durchdrang meine Knochen
aber sie schonte meinen Geist, zum Glück.
Mein Körper schlief lang und beim Erwachen
kehrte meine Seele aus Traumwelten zurück.

Ich habe Liebe gefühlt und Mut gerochen,
traf mich mit als Weinen getarntem Lachen,
erhielt geistiges Brot als erstes Frühstück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WIE LANGE EINE WUNDE BRAUCHT

Jedes Mal vergesse ich, wie lang
eine Wunde braucht um zu heilen.
Dann wird wieder eine neue Wunde
in meine Seele gepflanzt - klein am Anfang,
dann fängt sie an, sich zu teilen,
zu vermehren von Stunde zu Stunde

Über Tage, Wochen, Monate, Jahre
wächst sie wie eine Pflanze. Wunden blühen
bis irgendwann die Früchte fallen…
Erst dann beginnt die Heilung, die wahre.
Bis dann werde ich mich bemühen,
Dir zu verzeihen, mich mir wieder zu gefallen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

WUNDEN BRAUCHEN ZEIT

Ich sah heute einen Mann in Schmerzen
Und bei allem Tröstenden, das ich sprach,
Nahm er es auch Trost suchend zu Herzen,
Ließ sein Leiden trotzdem nicht nach.

Wunden, wie alle anderen Lebewesen,
Brauchen und wollen ihre Zeit voll haben.
Kein Mensch, niemals, kann früher genesen
Als die Frist die ihm seine Wunden gaben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung