Der Herbst fängt wieder langsam an, zu spüren, daß er anders ist, als alles, was er um sich sehen kann, denn das, was des Sommers ist, so schön es ist, ist nicht sein Haus, weil er, der Herbst besonders ist - er errötet dann und zieht sich aus, weil das die Natur des Wunders ist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Herbst
DER SOMMER GEHT ZU ENDE
Und es waren Blätter nein, es waren Freunde Was für ein Wetter Freundschaft hat ein Ende War es wirklich Freundschaft oder nur der Sommer? Freude, Spaß und Leidenschaft nur bis Ende September Blätter wie Farbreisende bald kommt Eure Zeit Der Sommer geht zu Ende mit schleichender Plötzlichkeit Blätter, pflanzliche, menschliche, lösen bald alte Verbindungen - Es kommt die Zeit für tiefere Gespräche und Empfindungen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER HERBST LÄSST LOS
Ich verzeih Dir Und gedeih in Dir Gerade deshalb. Verzeihung ist Macht Davon wissen ist Macht Ebendeshalb. Macht es Dich leicht Ist es vielleicht Der Grund weshalb Du im Herbst gedeihst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KEINEN DEZEMBER VERSCHWENDEN
Es wird zunehmend sein Ein karges Dezemberlein Wenig Geld in der Tasche Schnee wie Asche zu Asche Perfekte Bedingungen Für versteckte Empfindungen Über defekte Verbindungen. Wer das ganze Jahr lang Einem lang ausgezogenen Schwanengesang Im Herzen tanzte Sich darin verschanzte Der sollte den Dezember nicht verschwenden Darf jetzt im alten Selbst still verenden Im Neuen aufstehend die Seite bitte wenden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HERBSTERWEITERUNG
Der Herbst, der Erinnert mich an mich Novemberherbst Novemberernst Warum das Blatt wenden, wenn Ich alle Blätter verlieren kann? Erleichterung Der Herbst, der Prophezeit mich zu mir Dezemberherbst Dezemberherz Nur wer alle Blätter verloren hat Hat das Blatt gewendet. Erweiterung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WECHSELJAHRESZEIT
Wie Du schneist, schmilzt
Erfrierst dann taust
Meine Neugierde erhitzt
… desinteressiert schaust.
Dein Winter ist warm
Deine Wärme ist kalt
Deine Kälte ist lauwarm
Sehnsucht ist ihr Inhalt.
Fremde kommen und gehen
Das ist ihre Eigenart
Auf Wiedersehen…
Heute hart, morgen zart…
Der Herbst geht in den Winter
Zögerlich ein
Liebe steckt dahinter
Gnadenlos, rein.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER WINTER KOMMT
Der Donner ist stumm wenn er kommt Er schreit innerlich, schweigt winterlich Der Gedanke blitzt rauf und runter Der rauher Wind gähnt, kühl, und erwähnt Eine lose Stimme im Herzen jault es auch Geräuschlos hat sich die Welt verändert Der Herbst zieht sie aus, der Winter kommt Langsam. Alles braucht seine Zeit - Blumen, Liebe, Wunden und die kalte Jahreszeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER FRÜHLING UND DER SPÄTLING
Der Frühling und der Spätling, so wird ihnen oft berichtet, sehen und fühlen sich ähnlich - einer singt, was der andere dichtet. Wo unterscheidet sich Gestalt vom Inhalt? Der eine spiegelt, was der andere malt. Das Herz bleibt gleich, ob jung oder alt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DES HERBSTES ERSTE GEFALLENEN BLÄTTER
Daß sie gelebt haben, vielleicht geliebt - Daß sie gestrebt haben, Sehnsucht gekriegt - Daß sie die Welt kannten und Abschied auch - Vor Freud und Leid brannten, Gefühl im Bauch - Daß sie ihr Alles gaben mit ganzer Kraft - Daß sie uns Tolles gaben, schöne Landschaft - Sehn wir ihnen an, wie sie friedlich da liegen, braun, welk, ihre Arbeit getan, friedlich abgeschieden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LIEBER HERBST
Lieber Herbst, Bist Du das hinter dem Vorhang Aus tiefem Grün? Irgendjemand Macht mit uns einen Scherz, Läßt unsre Augen Den Sommer noch blicken, lange Nach dem seine Schwanengesänge Ihrem Ende langsam neigen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
