MEIN VIELFÄLTIGES HERZ

Klopf Klopf!
Wer ist da?
Ich klopfe nicht, Conga, ich trommele
Ich bin keine Conga, bin Dein Herz
Wieso wohnen so viele Lieder in Dir denn?
Das sind keine Lieder -
Sondern?…
Das sind Geschichten und Empfindungen
Wessen? Wo kommen sie her?
Sie sind Deine
Aber sie sind so viele und so merkwürdig
Ja, das ist Dein Herz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEIN HERZ IST EIN FERNGLAS

Dein Herz ist ein Fernglas.
Wenig trifft Dich, was
es nicht vorher versucht hat,
Dir zu zeigen. Jede Tat,
Sichtbares, Fühlbares, Hörbares,
war schon lange fein Wahrnehmbares -
aber wer hört denn gerne zu,
wenn das Herz empfehlt, daß Du
einen Wunsch aufgibst, oder noch
schwerer, einen Charakterzug doch
überwindest, den Du lieb hast
aber der Dir eines Tages zur Last
werden wird. Diesen zukünftigen Schmerz
sieht heute bereits Dein Herz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ES GIBT EINEN FRIEDEN

Es gibt einen Frieden
Der ist schwer zu beschreiben
Denn Beschreibungen richten sich an den Kopf
Doch dieser Frieden findet im Herzen statt.

Es gibt einen Unfrieden
Der ist schwer zu vertreiben
Denn der Kopf ist der Deckel, das Herz der Topf
In dem der Unfrieden seinen Sitz gefunden hat.

Nichts stört mehr den Frieden
Als ein Schwarzer, der sich weigert zu unterschreiben
Er stellt die Welt auf den Kopf
Denn er reklamiert die Normalität für sich als Heimat.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS WEISS NUR MEIN HERZ

Was fühle ich für Dich?
Nicht mal mein Kopf weiß es -
Das weiß nur mein Herz.

Wohin bringt meine Sehnsucht mich?
Nicht mal mein Verstand weiß es -
Das weiß nur meine Empfindung.

Verstehen sie jemals, niemals, sich?
Ich taumele blind durch den Schmerz
und erwache erst in ihrer Überwindung.

Verstehen sie jemals, niemals, sich?
Meine innere Stimme erklärt‘s
aber Denken sieht nicht die Verbindung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ECHO DER UNSTERBLICHKEIT

Wenn ich wie das Herz wäre,
würde ich 100.000 Mal pro Tag
meine Liebe, die grobe und die hehre,
hinaus senden, einen Heiratsantrag,
an das Leben, dessen endlose Fragen
uns umgeben, dessen Geheimnisse
in uns hervor ragen als Gewissensbisse,
als Empfindungsschübe, die uns plagen,
wenn wir uns seinem Drängen widersetzen.
Das Leben, dessen magische Kräfte
als Freude und Zuversicht uns besetzen.
Du bist‘s, dem ich mich anhefte,
herzklopfend 100.000 Mal am Tag,
sterbliches Echo der Unsterblichkeit.
Und was meine ich mit jedem Herzschlag?
Immer wieder nur: Dankbarkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MENSCHLICHE OASEN

Oasen.
Menschen, die anders sind,
denen anders sein nichts anderes ist
als normal sein, denen das innere Kind
innewohnt. Oasen in einem wüst
gewordenen Gesellschaftsringen,
die Sprudelfreude den Dürstenden bringen
und Ruhe und Heilung den Leidenden
wie Menschenblumen in wandelnden
Vasen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HERZWEG

Der Weg ins Herz
Der führt abwärts
Ins dunkle Tal
Jedes Mal

Und jedes Mal
In jedem Fall
Abwärts einwärts
In höllischen Schmerz

Der Weg ins Herz
Führt erst aufwärts
Nach Schmerzgewinn
Und Neubeginn.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

IST DEIN HERZ GROSS GENUG?

Ist Dein Herz groß genug
für einen Nachmittag mit mir
unter dem Erkenntnisbaum
wo keine Geheimnisse sicher sind
und alle Neigungen berührt werden?

Empfinde, bevor Du mitfühlst
Denk, bevor Du Ja sagst - oder nein
Verabschiede Dich von Deiner Vergangenheit
Bevor Du mich zu Deiner Zukunft machst -
Du brauchst Platz in Deinem Herz für mich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WERDE SACHT

Langsam… langsam…
Komm runter
Verlangsame Dich heute Nacht
Mein Herz -

Einsam… weil seltsam…
Sehnsüchtig mitunter
Beruhige Dich, werde sacht, werde sacht
Mein Schmerz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HERZ ZWEI

Du wohnst und webst in mir
wie ein zweites Herz
Die Jahre werden alt, Du nicht
Die Tage kommen und gehen, Du nicht
Die Nächte werden kalt, Du nicht
Ich habe Angst vor Ehen, Du nicht
Du schlägst und lebst in mir
wie ein zweites Herz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung