Gruß mir den Himmel Es ist lange her Und lang wird es noch dauern Bis zu meiner Rückkehr Siehst Du den Wald da unten im Tal? Jeder Baum ist ein Erdenleben das ich lebte mal Einen nach dem anderen muss ich sie alle ernten Die Menschen, die das Böse in mir einst kennenlernten Gruß mir den Himmel Ursprung meiner Sehnflucht; Gruß mir den Himmel Heimat meiner Sehnsucht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Himmel
BLAU ALS WÄRE
Gibt es einen Ort - und da würde ich hin, sofort - blau als wäre der Himmel ein Kleid gefertigt aus Freude, gewaschen aus Leid, an- und ausziehbar wie aus Seelentiefen ein Lächeln, das suchende Augen riefen, fern und fließend im Wind wie ein Traum, ruhig und festsitzend wie ein uralter Baum, eng anliegend wie ein verbindendes Eid, ein unendlicher blauer blauer Raum… fast eine Erinnerung, in der wir schliefen… Gibt es irgendwo diesen Ort? Da würde ich hin, und sofort. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DAS WOLKENREICH

Da wo sie sich alleine dünkten
Formten für sich die Wolken ein Reich
Mit schneebedeckten Bergen
Und schattigen Tälern
Und Silberseen
Und sonnenspiegelnden Wüsten
Und Dörfern und Städten und Häusern
In denen die Wolkenmenschen
Ihren Wolkentätigkeiten nachgingen…
Und über ihnen strahlte wonnespendend
Eine verklärte Sonne
Und wir flogen so leise vorbei, wie wir konnten
Und ich hoffte, daß wir die Sonnenmenschen
Nicht störten.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER HIMMEL HÖRT NICHT AUF
Er saß neben mir im Auto
Ich fuhr
Ich nahm heute einen neuen, längeren, Weg
Durch den Wald…
Ist das mein Wald, rätselte er laut und nachdenklich?
Ich schmunzelte
Dann verschwand ohne Warnung der Wald
Und er schaute nach oben mit aufleuchtenden Augen
Es war ein wunderbarer hellblauer Morgen ohne Wolken
Er staunte
Dann sagte er voller Bewunderung:
Der Himmel hört nicht auf.
Gel, Papa? Der Himmel hört niemals auf.
Ich brachte ihn zum Kindergarten
Und beschloß
Ihm diese seine Worte in einem Gedicht zu verewigen
Für die Zeit, wenn er längst kein Kind mehr ist.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
EMPFANG
Er.will.mich.ausweiden!
Dachte sie mit ausgeweiteten
Augen, Herz, Mund und Beinen…
Kurz, die Uhr blieb stehen –
Sie.will.mich.ertrinken!
Lachte er im schnellen Versinken
Der Sonne, im roten Ausklingen
Des Tages Geschehen…
Rege, der Himmel fiel runter
Die Erde empfing erregt
Den selbst-im-August Regen, und
Der Abend zitterte vor Aufregung.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
AUCH MONTAGS LÄUTEN DIE GLOCKEN
Guten Morgen Menschenblume
Die Sonne, die ist dreierlei
Eine gedeiht im Weltall drüben
Täglich wiederholte Malerei
Die zweite, die Wichtigste
Die göttliche, Unsichtbare
Dem Verstand am Schwierigsten
Zu fassen, die Unmessbare –
Schönen Morgen Menschenbume
Wo ist Deine dritte Sonne heute?
Die Freude in Deinem Geiste
Wie helles Glockengeläute.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
PS 😊 –
Ich werde häufig gefragt, wie ich es schaffe, jeden Tag neue Zeilen zu dichten und dann den Text mir auch noch zu merken und für meine täglichen Videoaufnahmen auswendig zu lernen. Naja, heute kann ich beweisen: Ich bin tatsächlich doch nur ein Mensch. Ich habe mich 2x versprochen. 😊
Nicht so schlimm. Hauptsache: Täglich läuten die Glocken 🔔 🔔 🔔 . Auch montags. 😊
