MEIN HERZ

Getragen von einer Lichtwolke,
Losgelöst von jeglichem Volke,
Unbesiegbar durch Schmerz
Lebt und überlebt mein Herz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZUG NACH VORN

Grauer Morgen
Trauer, Sorgen,
ziehen ihre Flusswege
schwermütig und träge
Die Brücke ist aber breiter
Das Herz fährt weiter
hoffnungsvoll und heiter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER WERDEGANG DES MENSCHEN ZUM MONSTER

Der Werdegang des Menschen zum Monster
ist eine Strasse des Schmerzes der Hoffnung -
Eine kindlich helle Seele wird langsam finster,
zerrissen durch fassungslose Enttäuschung,
wird im Grübeln immer leiser, immer ernster,
erliegt dann irgendwann der Rache Versuchung
freiwillig, das kann jeder, selbst ein Reinster,
wenn Vertrauen stirbt und kalte Verdunkelung
übernimmt tief die Augen, der Seele Fenster.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WUNDEN

Ich besuchte eine Wunde
und sie war offen
klagte aus weinendem Munde
Ich kam näher, selbst betroffen

Die Wunde war empfindlich
und aufmerksam und klug
zog mich an sich unwiderstehlich
wich mir aus mit feinem Betrug

Ich hob meinen Zeigefinger
und legte ihn an die Wunde
Sie seufzte vor nichts geringer
als der Hoffnung, ich gesunde.

Doch kein Mensch kann Dich heilen
denn wir alle bergen eigene Wunden
Nur wenn wir Ehrlichkeit teilen
hätten wir Linderung gefunden.

Ich besuchte eine Wunde
und sie war zu -
Doch sie begriff mich in unserem Abgrunde
und öffnete sich mir ab und zu.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER HOFFNUNG DIE HOFFNUNG GEBEN

Heute hängt sehr viel Hass in der Luft
Ich fühle es und fasse es nicht
Das Herz fühlt sich an wie eine Gruft,
liegt in der Brust wie ein Gewicht
und tastet und langt und schreit und ruft
und betet und ringt nach dem Licht.

Heute schnappt die Hoffnung nach Luft,
WIR müssen der Hoffnung die Hoffnung geben
und überbrücken selbst mit Zuversicht die Kluft
zwischen dem Tod und dem Leben -
Manchmal ist die Hilfe nur ein zarter Duft
von Adventskerzen und Tee und Reben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NACHTSONNE GESUCHT

Zeig mir Sonne, wenn ich schlafe
Die Nacht ist zu dunkel für meine Träume
Hundert Monde reichen nicht aus als Waffe
gegen meine düsteren Erkenntnisbäume
Denn ich sehe aufsteigend wieder den Hass
der auf sein Herrenmenschentum besteht
Die Nacht ist finster, der Traum wird blass
Wo ist die Sonne, die nie untergeht?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

JEDES MAL

Halte mich so schön
wie das erste Mal
selbst wenn es das letzte Mal
wäre

denn irgendwann ist das letzte Mal

und jedes Mal könnte
wieder
das erste Mal sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

ABER GENAU DANN

Was nutzt es,
gut zu sein,
wenn gut zu sein
ausgenutzt wird?

Was nutzt es,
Menschen in Deinen Schmerz
hinein zu lassen, in deren Herz
Du keinen Platz hast?

Aber genau dann, als Du
kurz davor bist, zu verhärten,
kreuzen Deinen Pfad andere Gefährten
die Dich an die Menschen wieder glauben lassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FERNHÖREN

Ich höre Dein Herz klopfen
Ich höre Dein Herzblut tropfen
Ich höre Dein Blut rauschen
Ich höre Deine Hoffnung lauschen
Herum schleichend auf Zehenspitzen
Laut wie laute unleugbare Absicht
Ich höre Dich in Deiner Ecke sitzen
Dein Gesicht ein unleserliches Gedicht
Voll mit Schmerzen, Ernst und Witzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

HEUTE IST HOFFNUNG

Kommt der Frühling
Vom Norden oder vom Süden?
Das Ende Deines Winterschlafs,
Das ist Dein Frühling.
Kommt Heute
Vom Gestern oder vom Morgen?
Jedes Gestern war mal ein Heute
Jeder Morgen wird einst ein Heute sein.
Keiner besitzt Dich für immer -
Nicht Jahreszeit, nicht Liebe,
Nicht Reichtum, nicht Wissen -
Jeder hat Dich nur heute…
Außer vielleicht Hoffnung
Die Hoffnung hat Dich immer
Heute ist Hoffnung‘s Zuhause.
Die Hoffnung auf eine glücklichere Gesellschaft
Die Hoffnung auf eine gerechtere Gesellschaft
Die Hoffnung auf Frieden, auf Stimmigkeit, auf Gesellschaft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung