Aus welchem Grund auch immer der Hass entsteht, ist der Boden immer dasselbe. Ob schlimmer, unverändert oder netter die Methoden seiner Austragung bleibt das Ziel das Besitzergreifen vom Vollrecht zum Leben. Ein hinterhältiges Spiel - wer menschlich spielt, wird geschwächt. Die Intoleranz in den Augen-blicken ist noch gar nichts im Vergleich zu dem Würgen und Ersticken tief im Herzen, gültig und gleich - Aber im Internet kommt alles heraus, Haß, Herrscherfantasie, Hässlichkeit; Feigheit wird zu Mut in jeder Maus, Menschen toben in Unmenschlichkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Intoleranz
HANAU: MORD REINIGT KEIN LAND
Mord reinigt kein Land Er beschmutzt es Ohne Herz kann Hand Nur Hässliches Mord einigt kein Land Er spaltet es Ohne Empfindung hat Verstand Nur Totes, Kaltes. Hanau, wir sind echt, kein Trend. Reiche mir Deine Hand Wie ihr Lachen an dem Abend Bevor es verschwand. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER TOD EINER PERSON
Pinsel war Emotion Tinte war Blut Gedichtet aus Passion Hoffnung und Wut Der Tod einer Person Das Sterben von Mut Zerstört einer Nation Aller-wertestes Gut. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MINORITÄTEN
Jede Gesellschaft hat einen Saum,
einen Rand an seinem Außenraum,
weder Abschaum noch nur Schaum;
ein festes Glied, aber klein. Ein Daumen.
Ein Schweigen mit feinem Gaumen.
Alles sehend, alles riechend, alles hörend
Alles meidend, und ergänzend, und störend
Von allem ausgeschlossen, zu allem dazugehörend.
Eine Anklage gegen das Weltgewissen
Eine Infragestellung unseres Begriffs von Wissen:
Warum ist jede Gesellschaft hin- und hergerissen
Zwischen Toleranz und Haß?
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FARBLINIEN
Die Distanz akzeptieren
als die nächste Nähe
Wissen, daß der Versuch,
näher zu ziehen
ein größeres Distanzieren verursacht
Farbe ist die dünne Trennhaut
einer großen Distanz
Die Bindehaut zwischen
Toleranz und Akzeptanz
Die willkommene Illusion von Nähe.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
WENN DU DEN FEIND NICHT KENNST
Wenn Du den Feind nicht kennst
Ermordest Du 5 Millionen Juden
Denkst, es macht alles besser –
Erhöht hat es nur Deine Schulden.
Jahrzehnte später ist nichts besser
Man ist immer noch nicht Weltherrscher.
Wenn Du den Feind nicht kennst
Scheltst Du mich Neger
Deine Selbstjustiz gibt Dir blind Recht
Vielleicht macht das jetzt alles besser –
Morgen begegnet Dir das selbe Land:
Ein Teil der Realität liegt immer in fremder Hand.
Wenn Du den Feind nicht kennst
Rückst Du immer wieder an den Rand
Alle paar Generationen immer wieder.
Doch warum versinkt es jedes Mal in den Sand?
Warum wird es immer noch nicht besser?
Man weiß doch alles besser.
Wenn Du den Feind nicht kennst
Schießt Du auf fremde Schatten
Bringst Dich immer wieder in Erklärungsnot
Der Haß erzeugt die schwächeren Waffen
Wenn Du den Feind nicht kennst,
Den inneren Lichtfeind in Dir selbst.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
DIE SAAT IST AUFGEGANGEN
Die Saat ist aufgegangen
Der Haß ist aufgestanden
Das Licht ist ausgegangen
Die eingehämmerten Zerrbilder
Generationenlang verdrehte Schilder
Ihre Augen werden täglich wilder
Es war eine Lüge die ganze Zeit
Sie wussten ganz genau die ganze Zeit
Von den Taten ihrer Eltern Eltern Bescheid
Sie wollen sie in heutiger Zeit wiederholen
Sie lassen freudig die Lachmasken fallen
Wagen sich endlich raus mit den Krallen
Man schämt sich für sie
Denn selbst schämen sie nie
Was noch beschämender ist – und wie.
Wie überbrücke ich gezwungene Ferne?
Wie tue ich herzlich, was ich tue gerne?
Laterne, Laterne, Sonne, Mond & Sterne.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
EINMALIGE CHANCE
Leben: Mein Probetraum
Weck mich noch nicht auf
Aufgeben: Mein Grenzzaun
Halte mich auf
Ich gebe noch nicht auf
Unser Deutschland ist der Proberaum
Der Menschheit Geschichte
Ein einmaliges Grundgesetz
Im Ringkampf mit Geschichte
Entweder schreibt es einmal Geschichte
Oder es wird selbst einmal Geschichte
Tiefe Wurzeln hat ein Lebensbaum
Sichtbarere reichen kaum
Je sichtbarer sie werden
Desto instabiler der Raum
Entweder halten alle zusammen
Oder es stirbt der nächste Menschheitstraum.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
WELTANSCHAUUNG GEGEN WELT
Zu beobachten
Wie manche Dich fallen lassen
Ohne zu helfen –
Du fragst Dich, ist es weil
Sie Dich für stark halten
Oder weil sie Dich geschwächt
Sehen wollen.
Das Streben nach Macht nimmt zu
West und Ost erstarken in alter Feindschaft
Nord und Süd verachten sich gegenseitig wieder
Weltanschauung gegen Welt
Jeder wird einer Gruppe zugeordnet
Der Einzelmensch wird zum Opfer.
– Che Chidi Chukwumerije

