ELTERLICHE LIEBE

Was ist der Sinn dieses Lebens,
meine Kinder, und meines Strebens?
War alles Sorgen nicht vergebens?

Ich wünsche, ich könnte Euch mehr geben
Mehr Zukunft, mehr Führung, mehr Leben
Mehr Wissen, mehr Schutz, … Alles eben.

Eltern erkennen irgendwann ihre Machtlosigkeit
Alles, was wir Euch geben können, ist die Vergangenheit
Schöne stärkende Erinnerungen für alle Ewigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MEINE SONNEN

Gute Nacht Papa
rief mit heller Stimme
eine meiner zwei Sonnen
Bauch voller Lachen
Lachen voller Hoffnung
Hoffnung voller Morgen

Morgen voller Sonnen
Ich freue mich schon auf die zweite
sie guckt noch fern
und ist mir so nah
Freude voller Übermorgen
meine Sonnen, sie gehen nie unter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EINGESPERRT

Unterdessen werden älter die Kinder
und Eltern zu Kindern
und die Eltern sind den Kindern die Lehrer
und die Kinder sind den Eltern auch Lehrer
und alle werden täglich
um Jahre und Jahrzehnte
über Nacht älter. Tag für Tag.

Und es wurde morgen
und es wurde Abend –
noch ein weiterer Tag.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WECHSELBEZIEHUNGEN

Durch meine Kinder wurde ich als Deutscher neu geboren
Meine Kinder sind als Deutsche meine Eltern

Meine Gedichte sind als Denker meine Lehrer
Meine Freunde sind als Menschen meine Familie

Meine Tage sind als Lebenszeit meine Nächte
Und meine Nächte sind hell, weil ich endlich wach bin.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KLEINE ERWACHSENEN

Die Kinder machen gut mit
als können sie besser lesen
die Seele der Schöpfung und
die Herzen der Erwachsenen
als wir die ihren…

Sie schenken uns Lächeln
wenn wir nachdenklich werden
heitern uns mit ihrem Blödsinn auf
und suchen uns ab und zu auf, einfach
nur um uns kurz in die Augen zu schauen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SIE ERTRINKT UND KÄMPFT

Sie war auf der Suche
nach der großen Liebe
Am Ende sitzt sie in mitten
einer großen Familie … alleinerziehend

Vier Kinder sitzen
wie die tiefen Narben ihrer Sehnsucht
auf ihrem Gewissen Tag und Nacht
Eine nimmer endende To-do-Liste…
sich zäh in die Länge ziehend.

Und immer noch schwankt sie täglich
zwischen
Ich habe mein Leben verschwendet
und
Er wird zu mir zurück kehren.
Die Hoffnung, ach, ewig anziehend.

Che Chidi Chukwumerije (05.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ODEM

Als ich im Dunkeln
Dem Atmen meines Sohnes lauschte
Dachte ich an meinen Vater
Der nachts gerne wach lag
Vielleicht saß er auch so neben mir
Und lauschte
Und ich denke an meinen Sohn
Und frage mich, ob er eines Tages
Auch genau so sitzen wird
Dem Atmen seines Kindes in der Nacht
Lauschend und sich dabei wundernd
Ob sein Vater einst auch seinem Atmen
Lauschte in der Nacht.

Che Chidi Chukwumerije (15.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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ELTERN SEIN

Wenn Dein Kind erkrankt
Stirbst Du
Und wenn er dabei Dich anlächelt
Wirst Du neugeboren
Und fühlst Dich gleichzeitig
Machtlos und verloren.

Ein Tod nach dem anderen
Merken wir
Wie wir langsam altern…
Ein Lächeln nach dem anderen
Erleben wir
Wir sind wirklich ihre Eltern.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung