Sollen wir warten bis zur Trauerfeier, um erst dann zu werden (un)endlich freier? Sollen wir‘s hinausschieben bis zur Beisetzung, um anzuerkennen innere Verletzung? Sollen wir zögern bis zum letzten Abschied, um zu teilen unserer Herzen Lied? Wir harren im Kriegen im Sehnen nach Frieden, schaffen uns Schmerz und wollen Glück schmieden. Versöhnungsversuche heute wieder nicht gestartet. Wie lange wollen wir noch warten auf ein Ende, daß auf uns nicht wartet, in einer Form, die wir nicht erwarten? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Kreis schließen
ZURÜCK KEHREN
Heute haben wir die Wohnung
geputzt und ausgemistet –
viele alte Gedanken und Gefühle
die in Spinnweben sich eingenistet
hatten, kehrten wir runter –
Versteckzeiten sind befristet –
unsere Geschichten sind im
Buch des Lebens aufgelistet.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
UNTERIRDISCHE STRÖME
Ich habe irgendwo
Immer ein noch nicht
Vollendetes Gedicht
Mitten im Nirgendwo
Vergessene Freundschaften
Und Bindungen
Und Neigungen
Und unterdrückte Leidenschaften
Vulkan, Vulkan
Schläfst du noch?
Sag mir doch:
Wann bist du dran?
Denn ich weiß, jeder Kreis
Einst genossen
Wird auch einst geschlossen
Um jeden Preis.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
