Footsteps On The Sands Of Time

Kwame Ekwueme Chukwumerije 1975 – 1995

Kwame, you would have turned 47 today, but that dream died a long time ago. You didn‘t even quite make it out of teenage.
But, brother, your few poems have long made it unto the pages of our hearts for all eternity, like footsteps on the sands of time.

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Footsteps On The Sands Of Time: (Poems)
– by Kwame Ekwueme Chukwumerije

REFLECT BEFORE CELEBRATE

Why was I born? Why were you born?
Into this Earth.

My birthday always makes me think. This year more than ever, I don‘t know why. The questioning thought: Everything I‘ve done in the last 48yrs, have they in any way really fulfilled the reason WHY I WAS BORN? Or have I up until now, in a deep subtle way, just been wasting my time? For I was not born in order to celebrate that birth annually. Viewed logically, that‘s a senseless feedback loop – unless augmented, nay, superseded, by a PURPOSE – and the fulfilment of that purpose – of my birth into this earth.

49 years ago, I was not here. I was not a part of this daily hustle and bustle, getting into cars and busses, voting in elections, raising kids, being earthy and doing the earthly. So, where was I? And why did I come here? Where were you before you were born? And why did you come here?

Every year the certainty that I‘m closer to my earthly death, to my departure. I just feel it, so strongly. That reduced distance. It‘s not just a piece of general knowledge that we all have: Everybody dies one day. Yes we all know this. But it is more than this. It‘s also a solid emotional perception, a physical presence that comes closer, that you can feel when you close your eyes and pay attention.

My birthday makes me think, not just of birth, but also of death.

My brother, Kwame, aged 19, died on my 21st birthday. It was a few weeks before his own 20th birthday. The person closest to me. Why did he come? Did he or did he not fulfil the purpose of it? And then he was gone again. It‘s a date we share, in life and death.

Life existed before we were born into it. It was perfect, already. Before we were created, Creation was already formed and perfect. This realisation makes me think and there is no end to this reflection. Just a clear line of perception – an intuitive perception:

You are not without a reason and not without a purpose, unless you fail – consciously or unconsciously – to discover that reason and that purpose; and then to – deliberately or instinctively – fulfil that reason and that purpose.

It‘s a serious and thought-provoking business meeting your birthday again, and still not knowing why. Or knowing if you’re fulfilling why, as best as you can. Year after year.

I don‘t need to celebrate my birthday. I need to reflect upon it.

Reflect before celebrate.

Che Chidi Chukwumerije
06. April 2022

Little Che – mid 1970s.

BRUDERHERZ

Er lebte voll und ganz sein kurzes Leben
Und ich beobachtete und wanderte daneben:

Den einen schenkte er ein Lächeln
Und erntete viele zurück
Den anderen brach er das Herz
Und brachte sie vorwärts ein Stück
Er hinterließ in mir vor allem den Mut
Zu suchen und zu teilen Wahrheit und Glück –

Denn wir leben, nicht nur um zu erleben
Wir leben, auch um zu beleben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHMERZ ALS SCHMERZMITTEL

Ich vermisse Dich
so sehr, daß
die Sehnsucht mir genügt
Sie ernährt mich Tag und Nacht
so daß die Wunde Deiner Abwesenheit
längst geheilt wurde durch meine
immer anwesende Sehnsucht nach Dir.

Stell Dir vor,
ein Tag ginge vorbei, in dem
ich an Dich kein einziges Mal dachte…
Das wäre wahrlich der traurigste Tag meines Lebens
schlimmer noch als Deine Abwesenheit
schlimmer noch als mein Schmerz
schlimmer noch als Dein Tod.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ABENDS

Ich brauche es
abends
in die Leere meiner Seele
lange zu blicken

und dann
nach einer Ewigkeit des Wartens
zu sehen, wie mein Geist von tief drinnen
Bilder an mich zurück schickt

Alles, woran
ich heute flüchtig dachte
ohne zu merken, daß ich daran dachte
es kommt alles zurück

Flüchtlingskinder, die
vergeblich auf ihre Eltern warten…
Ob meine Kinder – und womit –
geimpft werden

Ab wann Ausländer – egal wo –
Wahlrecht haben dürfen…
Und wo ist mein Bruder heute, der
vor sechsundzwanzig Jahren starb?

Dann ist der Abend vorbei
und ich steige aus meiner Seele
wieder heraus
und das war mein Tag heute.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WENN EINER STIRBT

Ich denke an Dich
Und weiß nicht, wo Du bist
Wie kann das sein?
Einst der wichtigste Mensch in meinem Leben
Einst der engste Verbündete in meinem Streben
Wir haben uns gegenseitig
Alles gegeben und alles vergeben
Doch lag es irgendwo in unserem Weben
Daß wir so früh getrennt sein sollten
Ich bin hier geblieben
Du bist abgeschieden und bist jetzt irgendwo
In der großen weiten Schöpfung
Und ich weiß nicht wo
Du bist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KWAME

Auch in einer anderen Sprache
spreche ich die selbe Sprache
wenn ich von Dir spreche
oder Dich an spreche

denn manchmal spüre ich
irgendwo tief in mir eine Bewegung
als würden wir gerade und immer noch
mit einander reden…

und der Unfall wäre nie passiert
und die beinahe 25 Jahre
zwischen Deinem Abscheiden und heute
wären nie gewesen.

Wie kann man jemanden so sehr
vermissen? Und jedes weitere Jahr
reißt die Lücke nur noch größer auf
und macht den Schmerz tiefer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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LAUF, MENSCH, LAUF

Mein Bruder Kwame sagte mal zu mir: “Beim Jogging, wenn ich müde werde und mich verlangsamen möchte, laufe ich schneller! Bis ich der Müdigkeit entlaufen bin.”

Das war sein bisher unausgesprochenes Geheimnis. Seine Augen lächelten und lachten und er ruhte in sich.

Kurz danach starb er und lief hin an…

Wenn ich müde werde, erinnere ich mich an seine Worte, und laufe schneller… bis – sonderbar – ich nicht mehr müde bin.

Das war eins seiner Geschenke an mich.

– Che Chidi Chukwumerije