Lass uns schweigen denn mich dünkt unser Schweigen ist intimer als unsere vorsichtigen Worte Lass uns Abstand nehmen denn mich dünkt Der Abstand bindet uns fester zusammen als Beisammensein an einem Orte Lass uns warten denn mich dünkt Warten fördert Wachstum der gesunderen Sorte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Langsamkeit
DER LANGSAME WEG
Der langsame Weg Der prägt am tiefsten Seine Berührungen sind schräg Seine Blicke am Schiefsten Er zieht Dich runter Zum untersten Punkt tief in Dir Und schlägt Dich munter Und scheuert Dich bunter Und führt Dich nach Hause zu Dir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
VORZÜGE DER LANGSAMKEIT
Es fehlt Dir Klarheit? Dann, warte ein bisschen bevor Du Ja sagst ein bisschen bevor Du nein sagst - Dieser Moment ist Deine letzte Karte. Vieles kann in Dir noch geschehen innerhalb wenig Zeit. Die Welt könnte sich plötzlich drehen, tauschen nah mit weit. Du würdest etwas Neues sehen, was Dich von Zweifel befreit. Und plötzlich wirst Du verstehen die Vorzüge der Langsamkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MITTAGSPAUSE
Auf die Schnelle hole ich mir ein Stück Langsamkeit aus der Mittagspause heraus - Eine Stunde ausgedehnt durch Insichgehen. Ein verinnerlichter Moment in der Ferne ist wie eine Ewigkeit Zuhaus. Aus dem Fenster schauend betrachte ich das Vollenden des Waldes Belaubung in seiner Unaufhaltsamkeit. Lang lebe das Wachsen Lang lebe das Reifen Lang lebe die Langsamkeit. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LANGSAM ZUM PUNKT
Der Schnellsprecher kommt
nicht eher zum Punkt. Er sucht
erfolglos den Pfad durch seine Gedanken
während die ihm gebliebene Erdzeit
immer knapper wird, und er verzweifelter,
und immer schneller und schneller spricht,
anstatt zu schweigen.
Ich will Dich langsam erkundigen
langsam untersuchen, Dich langsam
überreden, und langsam verstehen.
Ich will Dich verlangsamen. Langsam.
Die Reise geht viel zu schnell
Das Ende rast auf uns zu…
Laß uns den Moment genießen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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VERZEHREN
Der Genuß des Lebens
Besteht für mich darin
Die Grenzen der Reize ständig auszuweiten
Die ich ohne nach zu geben
Ertragen kann.
Was läufst Du weg von mir
Und steigerst mein Empfinden?
Gefangen zwischen Mensch und Tier
Am Sehnen und am Erblinden.
Du bietest mir körperliche Nähe an
Auf daß ich deine Seele in Ruhe lasse
Aber nein – Ich weiß, was ich will.
Was ist Zeit?
Wir haben die Ewigkeit.
Und Langsamkeit.
– CHE CHIDI CHUKWUMERIJE.
LANGSAMKEIT
Zwei Schritte vor
Einen zurück
Heute ist nicht
Tag genug
Nur Herz hat
Herz genug für Verstand
Langsamkeit, Schatz
Ist der Boden
Ist allein Boden genug
Wenn die Liebe es so eilig hat.
– CHE CHIDI CHUKWUMERIJE.
