ANGEFASST IST NICHT BERÜHRT

Dieser Moment danach -
Alles Anfassbare angefasst
Gegenseitig
Und sich immer noch nicht berührt
Oder gerührt
Innenseitig -
Gegenwärtig bleibt die seltsame Distanz
Alles Fassbare noch nicht erfasst - -
Nur Leere, All-Einsamkeit
Unterschwellig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS MODERNE

Wie kann so viel Schönheit
so wenig Schönheit beinhalten?
Die schönsten Städte,
Häuser, Straßen, Plätze,
Kunst- und Architekturwerke,
toll verkleidete Menschen,
nett gestylte Lächeln.

Wie kann so viel Schönheit
So viel Wärme ausschalten?
So viel Armut enthalten?
So viel Einsamkeit kalt verwalten?
So viele Gesellschaftsschichten spalten?
Wie kann so viel Schönheit
so wenig Schönheit beinhalten?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VOLL MIT LEERE

Voll mit Leere
Sehr voll
Sehr leer

Leer mit Fülle
Sehr voll
Sehr leer

Der Tag wer voll, ich hatte viel zu tun
Der Tag war leer, ich hatte nichts zu tun
Außer mich mit der Leere befassen
Die in Fülle mich völlig umgab und erfüllte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WERDERAUM

Ich grabe
Da wo ich habe
Und finde nichts

Und da wo ich nichts bin
Da wo ich nichts habe
Da fand ich den Sinn
Meines Lebensgedichts

Ein Suchender sucht sich selbst
Ich brauche keinen vollen Raum
Mit allen möglichen Antworten
Ich will einen leeren Raum
In dem ich wachsen kann als ich selbst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LEERE WIRD NICHT VOLLER DURCH NÄHE

Je mehr ich von der Welt sehe,
desto weniger sehe ich von ihr.
Flugzeuge transportieren nicht nur unsre Sehnsüchte,
sondern auch unsere Ichsucht und Leere;
Das Internet zeigt uns nicht nur, was uns verbindet,
sondern so oft, was uns entfremdet und trennt;
Und bringt uns enger zusammen,
damit jeder im anderen die Einsamkeit erkennt,
unter der auch er leidet und brennt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

RUHM

Wie ein verlockender Duft
im dunklen Wald, er ruft
die Blinden hinein in seine Zaubergruft.

Atme tief ein, schnappe nach Luft.
Denn jeder tritt blind hinein in die Kluft;
fallen ohne Aufprall. Die leere Gruft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ALLES IST NICHTS

Du musst die Zeit haben
Um die Zeit zu vertreiben
Du musst die Leere in Dir tragen
Um Dich an der Leere zu zerreiben
Du musst die Liebe spüren
Um die Liebe zu hassen
Du musst zu Deinem Schmerz gehen
Um Deinen Schmerz zu verlassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZU VIEL WELT

Viel zu viel Welt inhaliert heute
Ich bin abends voller Leere
Wie ein Urwald ohne Bäume
Zu wenige Menschen, zu viele Leute
Äußerliche Träume ohne Innenräume
Und leere leere leere Meere.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE WELT IST NICHT GENUG

Egal wie weit
Raum und Zeit
Zu zweit ist zu zweit

Ich trinke Augen
Lasse mich in Blicke einsaugen
Die zu vielem taugen

Verbindungen durch und quer
Mein Herz ist schwer
Meine Hände sind leer

Die Welt ist zu klein
Das erfüllte und erfüllende Sein
Gibt‘s Zuhause allein.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung

AN DER OBERFLÄCHE

Ich saß heute und dachte lange nach
Oberflächlichkeit hält mich nachts wach
Sie denken alle, es wäre ein Spiel
Doch wie kann man Weg vom Ziel
Trennen? Wenn Nomen Omen
Ist, und Du stets angekommen
Bist, weil Deine Art Dein Ende
Ist, hohle Seele und wenn Du behende
Bist: Kannst Du Deiner Leere
Entrinnen? Wahre Schönheit umgibt uns
Kostenlos, begegnet uns bei Lassen und Tun;
Und die schönsten Dinge werden tatsächlich
Links liegen gelassen, übersehen, tagtäglich.

Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung