NÄHE OHNE DISTANZ

Genesung ist besser als Impfung
Gegen die Liebe kannst Du nicht geimpft werden
Nur der Liebeskummer wird Dich heilen.

Vorher warst Du ein Superspreader
Jetzt bist Du ein Maskenträger
Niemand kennt Dein wahres Gesicht mehr.

Doch, ach! Wie Du Dich sehnst
nach dem Lachen wieder, nach Händen,
nach intimer Nähe ohne unsozialer Distanz.

Liebe wiederholt sich und wiederholt sich
Immer wieder erwischt Dich eine neue Variante
Egal wie oft Du geimpft bist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UMGANG MIT DISTANZ

Ich bin nicht gut mit Abschieden.
Allzu häufig waren sie mit keinem Wiedersehen mehr verbunden.
Vorsätze, die sich nicht reimen.

Sag mir nicht Auf Wiedersehen.
Sag Gute Fahrt, Lebe wohl,
Oder sage gar nichts –
Ein schweigender Blick ist das stärkste Symbol.

Behalte mich in Deinem Herzen
Und ich werde da sein,
Klar sein, nah sein,
Wie Runen gemeißelt in Stein.

Ich brauche diese philosophischen Worte,
Um der Trennung zu widerstehen
Und vorzugeben, ich zähle nicht die Tage,
Bis wir uns wieder sehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NUR DIE LIEBE

Es gibt in Dir einen Raum
Unerreichbar
Wo Du Deine Wahrheit versteckst
Geschützt von Deinen Lügen.

Deine Erinnerungen und Geheimnisse
Deine Hoffnungen und Wünsche
Deine Neigungen und Werte
Verborgen unter Seelengefügen.

Du würdest, um diesen Raum zu schützen,
Alles tun, alles verschweigen, alles sagen,
Alles vergessen, und sogar
Dich selbst betrügen.

Doch ein bestimmter Mensch
Wird den Schlüssel zu Deiner Wahrheit besitzen
Und um ihn raus zu halten, werden
Alle Lügen der Welt nicht genügen.

Nur die Wahrheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZUSAMMEN LEBEN

Die Jahre fallen
Wie Glockenschläge
Wie Fußtritte
Wie wiederholte Heiratsanträge
Wie tausend Mini-Entscheidungen
Auf all unsern Wegen
Getroffen mit der Hoffnung
Auf viel Glück und viel Segen.

Blatt für Blatt
In Sonne, im Regen
Die Blätter fallen
Auf all unseren Wegen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TAG DES ABSCHIEDS

Es gibt diesen einen Tag
Es ist nicht der Todestag
Es ist nicht der Gedenktag
Es gibt diesen einen Tag

Er kommt unangekündigt
Plötzlich, wie aus dem nichts
Unterscheidet sich mit nichts
von allen anderen Tagen davor

Außer in einem: Es ist der Tag,
an dem Du einen Menschen los läßt,
der viele Jahre davor gestorben ist;
einen Dir wichtigen Menschen.

Die Sonne steigt, der Regen fällt,
Er taucht plötzlich auf in Deiner Innenwelt
Und während Du ihn anschaust, spürst Du,
wie der letzte Stein von Deinem Herzen fällt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WÄHRUNG

Wenn nicht Geld Reichtum wäre,
sondern Liebe.
Wenn die reichsten Menschen
nicht die geldgierigsten wären,
sondern die Liebevollsten.
Wenn nicht Geld die Welt regierte,
sondern Liebe, Gütigkeit,
Tugenden und Werte…
Wenn nicht die Geldarmut zur Härte führte,
denn nur das Fehlen von Liebe wäre Armut
und mache hart,
wie reich wären manche Arme heute
und wie arm manche Reiche!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NEBEN DIR

Ich fahre neben Dir durch den Wald
durch die Zeiten, in wechselnder Gestalt,
durch das Leben, durch diese Welt,
mit Hoffnung im Herz, mit und ohne Geld,
Du bist mein und ich bin Dein Held,
Ärger und Versöhnung, Angst und Halt,
Egal wo uns das Schicksal aufhält,
bleiben wir unterwegs und kommen bald an!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE ERREICHBARE HEIMAT

Das Paradies ist gar nicht fern –
Es lebt in den Lächeln und Grüßen,
die in der S-Bahn und den Bussen
und in den Straßen nicht getauscht wurden.

Es wartet in der Rücksicht
und in der Hilfsbereitschaft,
die zwischen den Bürgern verweigert wurden
weil die anderen doch nicht so sind wie wir.

Es versteckt sich in dem Grundgesetz,
in dem unsichtbaren Verzahnungspunkt
zwischen Kapitalismus und Sozialismus
und findet nicht genug menschliche Austräger.

Das Paradies ist gar nicht fern
Es ist immer, ist nachhaltig, ist da –
… und wartet nur darauf, verstanden,
zugelassen und gelebt zu werden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HOCHZEITSTAG

Die Tage kommen und gehen
Die Hochzeitstage
Liebe basiert zum Teil auf Wiedersehen
Immer wieder im selben Geschehen
Wie Geburts-, Todes- und Hochzeitstage.

Die Tage kommen und gehen
Die Tage unseres Lebens…
Sie verschwinden im Handumdrehen
In Bekanntschaften, Freundschaften, Ehen –
Du hältst Dich an ihnen fest, vergebens.

Die Tage kommen und gehen
Und wir gehen weiter,
Weiterwachsend, bleiben nie stehen,
Hochzeitstage auf Immer Wiedersehen
Wie unsere kleine Himmelsleiter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung