ZUSAMMEN LEBEN

Die Jahre fallen
Wie Glockenschläge
Wie Fußtritte
Wie wiederholte Heiratsanträge
Wie tausend Mini-Entscheidungen
Auf all unsern Wegen
Getroffen mit der Hoffnung
Auf viel Glück und viel Segen.

Blatt für Blatt
In Sonne, im Regen
Die Blätter fallen
Auf all unseren Wegen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TAG DES ABSCHIEDS

Es gibt diesen einen Tag
Es ist nicht der Todestag
Es ist nicht der Gedenktag
Es gibt diesen einen Tag

Er kommt unangekündigt
Plötzlich, wie aus dem nichts
Unterscheidet sich mit nichts
von allen anderen Tagen davor

Außer in einem: Es ist der Tag,
an dem Du einen Menschen los läßt,
der viele Jahre davor gestorben ist;
einen Dir wichtigen Menschen.

Die Sonne steigt, der Regen fällt,
Er taucht plötzlich auf in Deiner Innenwelt
Und während Du ihn anschaust, spürst Du,
wie der letzte Stein von Deinem Herzen fällt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SACHTER NACHTREGEN

Ich könnte Dich
wiederholend
wieder holen

Dich zählen
wie die Regenperlen
heute Nacht

Dich dichten
Auf Mich verzichten
Laß die Nacht von uns berichten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WÄHRUNG

Wenn nicht Geld Reichtum wäre,
sondern Liebe.
Wenn die reichsten Menschen
nicht die geldgierigsten wären,
sondern die Liebevollsten.
Wenn nicht Geld die Welt regierte,
sondern Liebe, Gütigkeit,
Tugenden und Werte…
Wenn nicht die Geldarmut zur Härte führte,
denn nur das Fehlen von Liebe wäre Armut
und mache hart,
wie reich wären manche Arme heute
und wie arm manche Reiche!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NEBEN DIR

Ich fahre neben Dir durch den Wald
durch die Zeiten, in wechselnder Gestalt,
durch das Leben, durch diese Welt,
mit Hoffnung im Herz, mit und ohne Geld,
Du bist mein und ich bin Dein Held,
Ärger und Versöhnung, Angst und Halt,
Egal wo uns das Schicksal aufhält,
bleiben wir unterwegs und kommen bald an!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE ERREICHBARE HEIMAT

Das Paradies ist gar nicht fern –
Es lebt in den Lächeln und Grüßen,
die in der S-Bahn und den Bussen
und in den Straßen nicht getauscht wurden.

Es wartet in der Rücksicht
und in der Hilfsbereitschaft,
die zwischen den Bürgern verweigert wurden
weil die anderen doch nicht so sind wie wir.

Es versteckt sich in dem Grundgesetz,
in dem unsichtbaren Verzahnungspunkt
zwischen Kapitalismus und Sozialismus
und findet nicht genug menschliche Austräger.

Das Paradies ist gar nicht fern
Es ist immer, ist nachhaltig, ist da –
… und wartet nur darauf, verstanden,
zugelassen und gelebt zu werden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HOCHZEITSTAG

Die Tage kommen und gehen
Die Hochzeitstage
Liebe basiert zum Teil auf Wiedersehen
Immer wieder im selben Geschehen
Wie Geburts-, Todes- und Hochzeitstage.

Die Tage kommen und gehen
Die Tage unseres Lebens…
Sie verschwinden im Handumdrehen
In Bekanntschaften, Freundschaften, Ehen –
Du hältst Dich an ihnen fest, vergebens.

Die Tage kommen und gehen
Und wir gehen weiter,
Weiterwachsend, bleiben nie stehen,
Hochzeitstage auf Immer Wiedersehen
Wie unsere kleine Himmelsleiter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZUSAMMEN ENTFALTEN

Die Gespräche fingen an
sich innerlich zu wiederholen
Dennoch veränderten sie sich
in ihren äußeren Inhalten

Sie selbst wurden älter
wurden zu Symbolen
Vergaßen ihre neuen Worte
Erinnerten sich nur an die alten

Sehr leicht auszudrücken
in den einfachsten Parolen:
Ich liebte mal Deine glatte Haut,
jetzt lieb ich Deine Falten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ALLES IST NICHTS

Du musst die Zeit haben
Um die Zeit zu vertreiben
Du musst die Leere in Dir tragen
Um Dich an der Leere zu zerreiben
Du musst die Liebe spüren
Um die Liebe zu hassen
Du musst zu Deinem Schmerz gehen
Um Deinen Schmerz zu verlassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LIEBESBÄUME

… und da standen sie
In einander verschlungen
ein Liebespaar –
Raum und Zeit überwunden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung