SCHLAG MICH

Unzählige Flügelschläge
Umschwärmten meinen Kopf
Meine Haare sind nicht meine Haare
Meine Gedanken sind mein Schopf
Aus dem Herd heraus brodele
Ich, Eintopf.

Die Einsamkeit übersetzte
Die Sprache deiner Abwesenheit
Unzählige Flügelschläge
Doch kein Schwarm weit und breit –
Schlägt dein Herz für viele
Und sagen mir die Flügel Bescheid?

Mein Platz in deiner Innenwelt
Nimmt äußerlich Gestalt
Ich verzichtete auf die Hülle
Nahm gefangen mir den Inhalt
Deine Schläge überzeugen mich
Du bist in meiner Gewalt.

– Che Chidi Chukwumerije 

UMLEITUNG

Als ich den Pfad
Entlang schlenderte
Tat mir jeder Baum weh
Den ich zum ersten
Und zum letzten Mal sah…

War alles doch nur ein Abstecher
Eine Umleitung
Auf dem Weg zum Altbekannten
Über Fremden
Über Abschiede.

– Che Chidi Chukwumerije.

UMBLÄTTERN

Hat ein Lächeln
Ein Verfalldatum?
Jeder Blume
Ist einst die Zeit um.

Wird der Herbst verschließen
Die Blume, die Sommer uns geliehen?
Oder wird der Spätling sie
Blatt um Blatt ausziehen?

Wie lange hält das Gedicht
Es aus in seinem Grab?
November wartet um die Ecke
Und er reißt allen die Masken ab.

Die Blumen winken und scheiden
Unserem Mond entziehen sich die Gezeiten
Nur das Lächeln, das wird bleiben
Als Erinnerung an alte Zeiten.

– Che Chidi Chukwumerije.

WAND

Alles war nutzlos gegen ihre hohen Wände
Keine Ideologie war tief genug, um
Ihre Kälte zu untergraben –
Ich sag’s Euch, keine Ideologie.

Keine Philosophie,
Weder der Natur noch der Wissenschaft,
Überzeugte sie. Stark wie Amazonia.

Für die Brechstange war sie zu zerbrechlich; unempfänglich.

Und dann schrieb mein Herz ihr ein Gedicht
Und, siehe: sie schmolz, und weinte bitterlich.

– Che Chidi Chukwumerije.

PRÄGUNG

Schmeckst leicht nach Mandeln
Gebrannt, mit deinem Geschmack nach mir
Ich hab’s aus deinem Kuss zart
Heraus geschmeckt.

Ich habe keine Mandeln gegessen
Flüsterst du, lächelnd
Mußt auch nicht, lächle ich
Es reicht, daß du verliebt bist.

Die Liebe, sie ist der wahre Schöpfer
Wenn sie einkehrt, bringt sie
Alles mit: Sonne, Mond, Nacht, Wind
Wasser, Luft, Freude, Schweigen, Schmerz.

Einsamkeit schmeckt nach dir
Wenn du nicht da bist
Alles und alle schmecken nach dir
Wenn du nicht da bist.

– Che Chidi Chukwumerije.

MEHR

Tragweite deiner Entscheidung, deiner Sehnsucht
Dieses Sehnen, geht es um Sehn oder um Suchn?

Wie weit tragen sie die Flügel eines Schmetterlings?
Unvergleichbar den Schwingen des Adlers
Dennoch be-trügen sie mich weiter

Alles Starke, was ich an mir trug
Jegliche Weitsicht, und stolze Männlichkeit
Zart spielerisch machte sie alles zu Nichte

Dann trug sie mich weiter, und ich sah, ohne Worte
Was sie mir die ganze Zeit nicht sagen konnte
Nicht mal mit ihren zartesten Zeilen

Unberührt ist auch berührt.

– Che Chidi Chukwumerije.

AFFÄRE

Verlangen ohne Erwartung
Wie geht das denn?
Haben ohne Besitzen – Vor- und Nachteile?
Alles, was ich für dich fühle
Nicht alles hast du gefühlt
Alles, was du von mir hast
Entspricht nicht allem, was du in mir hast.

– Che Chidi Chukwumerije.

LIEBESGESICHTER

Gedicht
Dichtzusammengepresst
Aus-ge-drückt

Kostet ein Herz auch nur einmal die Liebe
Lässt es die Welt es hören…

Hallt sie in ihm ein tausend mal nach
So wird die Welt es ein tausend mal hören.

 – Che Chidi Chukwumerije.

STAUNEN

Tiger Tiger
Tausend Krallen
Fänden jetzt keinen Angriffspunkt
Auf meinem Herzen

Deine sanfte Stimme nur
Verschafft mir Sonne
Und in der Nacht tausend Sonnen

So stark deine Weichheit
So sicher dein tastendes Stolpern
Eine Welt für sich
Bist du

Tiger Tiger
Zarte Pfoten
Halte mich wieder wie in jener Nacht
Ohne Vorbehalt
Mit all der Liebe deiner feuerkühlen Urmacht
Und das was du sagst, sag leise…

Tiger Tiger
Es ist ein Raunen im Wald
Ein Staunen in meinem Herzen.

 – Che Chidi Chukwumerije.

MUTTER UND SOHN

Im Worte Mutter liegt das Wörtchen Mut
Im Wort Versöhnung schwingt irgendwo der Begriff Sohn
Und heute habe ich den Mut gefasst
Und mich mit meiner Mutter versöhnt

Es hat Weh getan und es tat gut
Ich habe gelernt, Schmerzen auszusprechen
Statt schweigend mich abzuwenden
Ich habe gelernt, Vergebung zu geben
Und entgegen zu nehmen

Ich habe gelernt, daß sich zu entschuldigen
Nur die halbe Strecke ist –
Du musst Dich aber dann auch verändern

Ich habe gelernt, daß Rache
Ob bewußt oder unbewußt ausgeführt
Mehr schadet als sie richtet
Aber wenn wir Liebe in unseren Herzen tragen
Werden diese Schäden zu unseren Lehrern…

Und vieles kann man nicht verändern
Alles kann man nicht haben
Auf einiges muss man sich verzichten
Anderen zu liebe…

Und eine kleine Tat der Versöhnung
Kann in Einem etwas bewirken
Was seine ganze Welt verändert
Und ihn seinen Qualen entlässt…

Selbst wenn ich jetzt sterben würde
Sterbe ich mit Frieden in meinem Herzen.

– Che Chidi Chukwumerije.