Ihre Augen waren so groß wie Panoramafenster, durch die ich meine ganze große Welt, vor mir ausgebreitet und erhellt, erblickte; einladend, komm herein, erkundige mich, mach mich ganz Dein Heimatland. Lass mich nie wieder allein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Liebe
IN DER NACHT
Das Licht scheint am Hellsten in der Nacht, ich weiß nicht warum, vor allem nach Mitternacht. Die Menschen sind am unsichtbarsten tagsüber, maskiert, abwesend, verlogener, härter, trüber. Brauchen wir das Dunkel um Licht zu sein? Steinharte Herzen schmelzen bei Mondschein, was vorher Weh tat, wird noch schmerzvoller, die Empfindung wird empfindsamer, das Herz voller, Umarmungen werden länger und immer länger und enger, und enger, und enger, und enger. Und die, die beten, stellen mit Erleichterung fest, daß das Gebet wahr ist, eher es ihre Brust verlässt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WARUM SIND SIE SO WÜTEND?
Grau und bewölkt Aber es ist nicht das Wetter Es sind die Gedanken Die Menschen waren mal netter zu einander, ob Gleichartige oder, noch mehr, Fremde Ein Gewitter braut sich zusammen Bringt es das Ende? Warum sind sie so wütend? Der Groll in ihren Herzen klingt wie grollender Donner Der Blitz erlischt die Kerzen - Der Witz, ein Lächeln, Scherzen oder eine liebevolle Tat wie Sonnenlicht durchbricht die Wolke aus Gedanken und Gefühlen. Liebe als Sonnengedicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FREUNDSCHAFT WIRD IM HERZEN
Freundschaft wird im Herzen der Feinde entstehen, wenn Du mit ihnen durch ihre dunkelsten Täler gehst und sie Schritt für Schritt Dir in die Augen sehen und sehen, wie Du unerschütterlich menschlich stehst. Verschwende Dein Erdenleben nicht mit Rache; Weit in der Vergangenheit liegt die wahre Ursache. Es gibt wenig Unterschied zwischen Engel und Drache. Verzeihe, liebe und lache. Empfinde, bete und wache. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LIEBE ALS RATTENFÄNGER
Ich habe von Menschen gehört, die ahnen, daß es nicht funktionieren wird, dennoch gehen sie wie getrieben der Liebe Bahnen entlang, hoffend es wird funktionieren doch - und verenden gefangen in einem Loch. Was ist diese Macht, die uns dazu zwingt zu tanzen, obwohl die Liebe nicht singt und nur die Musik des Rattenfängers klingt? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE NEUE SONNE
Eines Morgens wird unsere Sonne aufgehen und unser bisheriges Leben mit seinen Freuden und Sorgen wird wie tiefe Nacht aussehen. Wir werden versuchen, vergebens, uns an die Schritte zu erinnern, die wir und die Nacht gegenseitig in und durch einander machten - Aber nun sind sie wie in Träumern begraben, unbegreifbar hier jenseitig der Grenzen, die wir uns einst ausdachten bevor wir aufwachten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE LIEBE BLEIBT
Ich komme und gehe wie der Morgen, wie der Abend wie ein Weltkörper drehe und drehe ich mich andauernd fragend aus einem Bewusstsein ins andere - merkwürdig, wie ich mich ständig verändere. Die Menschen, die innig mit mir in Liebe verbunden sind… die Sehnsucht macht uns wahnsinnig denn die Liebe macht uns blind, deshalb auch wenn wir uns nicht sehen lebenslang bleibt unsere Liebe bestehen. Vieles überlebt alle Veränderungen nicht aber die Liebe bleibt bis zum jüngsten Gericht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NICHT MEINE WELT DEINE
Nicht meine Welt Deine Warum blieb ich so lang? Mit Dir fühle ich mich alleine gelassen stets am Anfang einer nie beginnenden Reise voller lauter Versprechen die verhallen, unerfüllt, leise und auseinander brechen. Aus der gebrochenen Schale entsteht ein älteres Versprechen in Menschenform ohne Wundmale die von Widersprüchen sprechen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SIE ZÖGERT
Offen für alles fand sie nichts Besonderes Offen für nichts fand sie was Besseres aber zögerte nun, sich wieder zu öffnen, aus Angst, es könnte sie erst entwaffnen und dann, nach dem sie da nackt liegt - festgenommen, genommen, unbefriedigt - sie wieder verlassen, wie gewöhnlich besiegt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINE ANDERE MENSCHHEIT
Eine zweite, nein, erste, Menschheit wohnt tief unter der Oberfläche der scheinbar herrschenden Menschheit wie eine unsichtbare Tragfläche - Sie besteht aus denjenigen, deren Geist Gottes Naturgesetze schweigend versteht als die alleinigen Verwalter unser aller Schicksalsnetze. Diese Menschen beteiligen sich auch an Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, an Akademie, Kunst, Sitte und Brauch, aber sie machen alles gewissen-haft. Keiner Nation, Kultur oder Religion gebührt mehr Treue als Deinem Gewissen. Die Zukunft braucht neue Vision und ein in Liebe verwurzeltes Wissen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
