ICH LIEBE ALLES

Ich liebe das Getrennt-sein
wenn ich nicht immer getrennt sein muss
von Dir

Ich liebe das Zusammen-sein
wenn ich nicht immer zusammen sein muss
mit Dir

Ich liebe das Alleinsein
wenn ich nicht immer allein sein muss

Ich liebe das beisammen Daheim sein
wenn ich es nicht immer sein muss

Ich liebe alles - nur in Maßen.

Aber das Verliebtsein
Das liebe ich immer
Das will ich immer sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SO VIEL LIEBE

Ich dachte, mein Herz wäre schon groß
Doch siehe, wie viel größer es wird heute Nacht -
Was ist los? Was ist bloß los?
Daß so viel Liebe möglich ist, hätte ich nicht gedacht.

Und es wächst und weiter wächst
und schafft in mir Platz für mehr als ich für möglich hielt -
Die unerklärliche Liebe hat mich verhext,
die auf mein Herz zielt, und die mit meinem Herz spielt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LIEBE IST EIN SÜSSER SCHMERZ

Lieben ist Wehtun
mit Vergnügung
Führt zu Unruhen
in der Empfindung

Schweigen ist besser als lügen
Mit-teilen ist besser als betrügen
Fügen ist besser als sich fügen

Liebe ist ein süßer Schmerz
und er führt Dein Herz
ab- und aufwärts.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SELBSTLOSIGKEIT

Wir lachen an Weihnachten, doch ist es ernst;
Es geht um die selbstlose, die wahre, Liebe.
Wenn Du alle Selbstsucht von Dir entfernst
und weiter schaust als Familie, Geld oder Triebe.

Wenn Du Gott gedenkst und Gott suchst, 
und versuchst zu begreifen, was Gott ist.
Wenn Du die Eitelkeit genau untersuchst,
und erkennst an, daß sie im Kern Schrott ist.

Es war kein Kind, das gekommen ist,
es war die Liebe selbst in ihrer Göttlichkeit.
Und wenn sie ehrlich aufgenommen ist, 
bemächtigt sie uns zur Selbstlosigkeit. 

Und kein Mensch hat je daran verloren,
daß er in sich Dunkel und Dünkel bekriegt hat. 
Er hat gewonnen, wurde neu geboren, 
weil seine ehrliche Mühe in Liebe gesiegt hat. 

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEMUT UND EINFACHHEIT

Die Demut, der höchste Mut -
Ein Mut, der inspiriert und gut tut.
Der Mut, normal zu sein und gut.
Ein König, der in einer Krippe ruht
unter Menschen mit einfachem Blut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MÖGEN MEHR SUCHENDE ERWACHEN

Mögen mehr Suchende erwachen,
zeitig und geistig ihre sieben Sachen
packen und sich auf den Weg machen
auf der Suche nach der Wahrheit.

Der Strahlende Stern will sie wecken,
die Fragen, die sie in sich verstecken,
um ein neues Bewusstsein aufzudecken -
das ist der Sinn der Weihnachtszeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SICH VERZEIHEN

Waren wir uns je ähnlich?
Waren wir je unterschiedlich?
Gleich und gleich bekämpft sich gern
Wir sind uns nah, wir sind uns fern
Wie da ein Stein und da ein Stern
die doch dasselbe sind in ihrem Kern.
Wunden, tief, sind nicht unverzeihlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

RICHTUNG WEIHNACHTEN

Es kommt erneut zum Jahresende jene schwierige Zeit,
wo innerlich empfundene, nachdenkliche, Tiefe
gestört wird durch laute kommerzielle Heiterkeit.

Bitte, schick mir keine Memes, schreib mir echte Briefe,
teile mit mir ein inniges Stück Deiner Ernsthaftigkeit.
Es rutscht schnell vorbei, diese Zeit, wie auf einer Schiefe.

Rede mit mir über eine Liebe, die wirklich verzeiht.
Verpasse dem Jahr einen Schlussstrich fein wie eine Serife,
mit einem Ernst, der die heilige Nacht wieder weiht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

PANORAMAAUGEN

Ihre Augen waren so groß wie
Panoramafenster, durch die
ich meine ganze große Welt,
vor mir ausgebreitet und erhellt,
erblickte; einladend, komm herein,
erkundige mich, mach mich ganz Dein
Heimatland. Lass mich nie wieder allein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

IN DER NACHT

Das Licht scheint am Hellsten in der Nacht,
ich weiß nicht warum, vor allem nach Mitternacht.
Die Menschen sind am unsichtbarsten tagsüber,
maskiert, abwesend, verlogener, härter, trüber.
Brauchen wir das Dunkel um Licht zu sein?
Steinharte Herzen schmelzen bei Mondschein,
was vorher Weh tat, wird noch schmerzvoller,
die Empfindung wird empfindsamer, das Herz voller,
Umarmungen werden länger und immer länger
und enger, und enger, und enger, und enger.
Und die, die beten, stellen mit Erleichterung fest,
daß das Gebet wahr ist, eher es ihre Brust verlässt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung