ICH SAH MICH ZWEIMAL

Ich lief im Dunkeln, im Dämmern
und sah mich zweimal
Einmal auf, einmal neben
der Straße ohne Erinnerung

Dann lief ein Mann auf mich zu
lächelte und führte mich zurück
zu seinem Cajon wo es auf der Schwelle heller war
Er fing an, spielend ein Lied weiter zu singen

Ich blieb zweimal stehen
Einmal auf der Brücke
Einmal neben der Brücke
Ich hörte, genoss und verinnerlichte seine Musik

Dann bin ich aufgewacht aus dem Traum
Das Lied spielte weiter in meinem Kopf
als wäre es meins und ich frage mich,
Habe ich dieses Lied jetzt komponiert oder nicht?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SOMMERLEID

Jeden Tag
Sei er auch wie er mag
Öffnet sich mein rundes Fenster
Und die Welt
Egal, wie sie sich gerade entwickelt
Will dringend zu mir hinein
Während ich, ach ich
Wie üblich
Von Vergangenheit und Zukunft träume
Alles, was ich täglich versäume…

Die Rose blüht, duftet, welkt
Noch eine Liebe ist vorbei
Morgen wird ein Mädchen gemelkt
Seiner aller tiefsten Träumerei

Und sollte sich ein Regenbogen spannen
Und sollte sich irgendwo ein Junge anspannen
Und sollten sich nach und nach Küsse entspannen
Lachweint bittersüß mein Ich
Deins auch.

 – Che Chidi Chukwumerije.