UNVOLLENDET, MANN

Stark sein müssen
Ist des Mannes Fluch
Wer verzeiht denn dem schwachen Mann,
Der scheitert trotz mehrmaligem Versuch?

Sein Stolz tötet ihn doppelt
Und als wäre das nicht genug
Die Erwartungen der Gesellschaft
Schleppt er mit im Zug

Ich halte hier inne –
In seiner Dunkelkammer drinne
Sieht er alles Negative in einem anderen Sinne…

Aber er kann es keinem erklären
Ohne wie ein Bettler zu erscheinen
Er ist ein Mann, er muß weiter laufen
Und sterben auf seinen zwei Beinen.

– Che Chidi Chukwumerije

Mein Jahr der deutschen Dichtung
Ganz nebenbei, falls es jemanden interessiert oder einer sich fragt, was ich da so tue: Ich werde dieses Jahr täglich auf Deutsch dichten und auch posten in meinem Blog http://www.chechidi.me und auf Facebook und an anderen Stellen vielleicht auch. Wer will, darf gerne kommentieren, bewerten, sogar Wünsche äußern. Der Grund, warum ich das tue, ist ganz einfach. Es fließt gerade.

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DEIN LEBEN IST MEIN GEDICHT

Morgen schreibe ich Dir ein helles Gedicht
Denn Deine wolkigen Augen schreien nach Licht
Doch Herzen brechen ist wohl des Dichters Pflicht
Und heute Nacht bist Du dran

Gnadenlos und hungrig, ein harter Bösewicht
Dürstig und dürftig, bis Dein Herz zerbricht
Dringe ich immer tiefer ein in Deine intimste Einsicht
Bis ich Dein Wissen hab aufgetan

Ich will Dich enttarnen Schicht für Schicht
Will wissen, was Du weißt und ich noch nicht
Will Welt und Schmerzen und Sehnsucht sehen aus Deiner Sicht
Denn die Frau führt den Mann

Und verzehrt ihn langsam wie das letzte Gericht
Und zerdrückt ihn innigst mit ihrer Empfindung Gewicht
Und entlockt ihm morgen ein helles Gedicht
Und verschluckt ihn irgendwann.

– Che Chidi Chukwumerije.