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Gedicht: Menschsein ist Menschsein teilen

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WÄRME

Einsamkeit, leise, reist
Schleichend wie ein kalter Geist
Durch das Land, umkreist
Und durchdringt und vereist
Unsere Seelen –

Menschen fehlen:
Der Wärmeaustausch, der beweist,
Wenn die Kälte uns innerlich verspeist,
Daß ich Dir sei, wie Du mir seist
Der Retter, wenn der Zug entgleist.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

GRENZSTEIN

Der Mensch, der Weltenwanderer
Hat auf seiner Expansionsreise
Sich vorgedrängt bis zur Grenze
Seiner widersprüchlichen Denkungsweise…
Weiß nicht weiter.

Zurück oder weiter?
Wo endet das eigene, beginnt das fremde?
Was darf man nehmen, darf man lassen?
Wie sehen Feinde aus, wie Freunde?
Was bestimmt Massen, Klassen, lieben, hassen?

Welche Grenze liegt noch unerforscht?
Denn alle erkennbaren haben wir bereits
Mehrmals erreicht, durchbrochen, überquert
Doch unbefriedigt brennt der geistige Lichtreiz –
Wir wollen weiter!

Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung

ERGÄNZUNG

Für jemand anderen ist Dein Alltag exotisch
Deine Kultur, Deine Sprache, Dein Name
Dir Selbstverständliches ihnen komisch
Distanz macht nicht weniger menschlich
Unterschiede halten die Welt zusammen.

Nichts ist schöner als zu erleben
Wie jemand Deine Andersartigkeit ehrlich
Wahrnimmt – ihm fremd zugegeben –
Doch die Grundartverbindung überwiegt,
Einer sich gegenseitig ergänzenden Spezies.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

MENSCHEN ÜBERALL

Es gibt auf Erden
So viele Menschen
Egal wie weit Deine Reise
War, auf irgendeiner Weise
Sind Menschen da, lebend und
Liebend in ihren eigenen Welten –
Man hätte schon allen Grund
Dazu, Gottesgröße anzudenken
Ob der scheinbar unendlichen
Vielzahl der scheinbar unbändigen
Menschengeistigen.

Und doch, erstaunlich –
Obwohl wir so erstaunlich viele
Sind, sind es überall die selben Empfindungen überall im Spiel –
Egal wie weit wir uns verbreiten
Können wir denen nicht entweichen
Mensch bleibt Mensch gestempelt
Ob entwickelt ob unentwickelt
Bei aller Vielfalt schafft‘s nur Gott allein
Nur wahre Größe kann so einfach sein.

– Che Chidi Chukwumerije.

VERKEHR

Die Biene, die von Blume zu Blume
Fliegt, nimmt jede Blume mit sich
Bald ist der Wald mit sich verbunden
Ihr Summen singt ein Freudenlied

Jedes einst besuchte Land
Haftet sich dem Flugzeug ewig an
Der Mensch ist ein Strahl
Formgeworden im All

Überall wo ich einmal war
Laß ich ein Teil von mir zurück
Ersetzte es in mir mit einem Stück
Fremden Wesens, fremden Leidens, fremden Glücks

Wo liegt noch die Grenze zwischen Ich und Wir?
Ferner und näher?
Wie definiert man das Wort „Ihr“?
Es führt irgendwann alles zurück zu mir.

– Che Chidi Chukwumerije.

HASS OHNE BODEN

Der Hass findet immer einen Weg
Sich zu wehren
Nichts hält ihn zurück, nicht mal
Die größten Lehren
Die stärkste Liebe
Strafe, Scham oder Schmerz
Alles dient nur als Rechtfertigung
Für eine Reise abwärts
Den Gehaßten weiter zu hassen
Auf alter Art und Weise
In neuer Form
Sich angepasst den Regeln von Heute.

Die Nachrichten morgens zu hören
Verdirbt Dir nur den Tag
Was gibt es Gutes noch unter den Menschen
Während man lügt “Guten Tag!”
Wie viele, die Dir täglich begegnen
Hassen Dich wegen Deines Äußeres?
Haben Angst vor Deinem Inneren
Halten sich für was Besseres.

Leben mittels Vergiftung der Seele
Scheint wieder als Motto zu siegen
Hetzen, aufstacheln, dran bleiben
Wir sind wieder im Krieg.
Eine feindliche Übernahme ist im Gange
Doch wer von wem? Und wie und was?
Mir scheint’s, der Menschengeist wurde längst übernommen
Von Trägheit und Eitelkeit und Hass.

– Che Chidi Chukwumerije

RÜCKGANG DER ZIVILISATION

Zwei Kulturen fallen
Und immer wenn sie aufeinander prallen
Fällt mir das Schlichten schwer

Wo sie sich unterscheiden
Gibt es keine einzige Brücke
Wo sie sich gleichen
Da gibt es eine Wissenslücke

Unsere Eitelkeit will nur anders sein
Und wir bleiben alle gleichsam allein allein

Mir fällt das Schlichten schwer.

– Che Chidi Chukwumerije