Wo sind wir alle?
Wo wohnen wir in uns?
Klopf klopf – wer ist da?
Die Erinnerung an uns.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Wo sind wir alle?
Wo wohnen wir in uns?
Klopf klopf – wer ist da?
Die Erinnerung an uns.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Ist es kindisch
dem, dem ich angeblich
fremd bin, zu zu lächeln
und ehrlich zu beichten:
Wir sind alle Geschwister im Geiste
in meinem Herzen?
Ich träume von dem Tag, einmal im Jahr,
an dem für vierundzwanzig Stunden
jeder jedem sein Herz öffnet
und diese Beichte ehrlich zu läßt:
Wir sind Geschwister im Geiste
in meinem Herzen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Alle sind irgendwie müde geworden
gleichzeitig voller Tatendrang
desillusioniert, weiser geworden –
Die Welt steht vor einem neuen Anfang
Kapitalismus wird neu definiert
Sozialismus wird zwangsrehabilitiert
Nationalsozialismus zieht sich geschickt um,
hält als Nationalkapitalismus uns für dumm
Der Nationalismus ja ringt mit sich selbst
sucht verzweifelt nach einem friedlichen Weg
sich durchzusetzen, getreu seinem Selbst
Ein Schiff, ein Hafen, kein Landungssteg
Globalisierung sehnt sich nach Lokalisierung
Eine Ehe ohne Liebe und ohne Vollziehung.
Vergessen hat der Mensch, oder nie gelernt
einfach ZU SEIN – von allen Ismen entfernt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Denk an die Einsamen
die sind auch Menschen
und gerade deshalb einsam…
Ruf sie an, oder
schicke eine Nachricht
oder winke von Fenster zu Fenster.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Das Leben ist schnelllebig
Mut ist wankelmütig
Der Mensch ist übermenschlich
wenn er menschlich ist
Art ist ungleich artig
Alle Wege sind gleich unwegsam
Der Mensch ist unmenschlich
wenn er übermenschlich ist
und übermenschlich
wenn er menschlich ist.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Weniger reden
Mehr sagen
Zurücktreten
Hervorragen
Antworte nimmer
Umgestellte Fragen
Antworte immer
Die versteckten Fragen
Kopf hoch halten
An feigen Tagen
Kurz innehalten
Während andere jagen
Deinen Proviant teilen
Auch bei leerem Magen
Mitgehend die nächsten Meilen
Ermutigend zum Nicht verzagen.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
Wie viele Schreie stehen heute Morgen auf
Ohne Stimme?
Die werden treffen keine Ohren.
Wie viele Tränen wachen heute morgen auf
Ohne Augen?
Sie werden treffen keine Blicke.
Wie viele Herzen gehen heute Morgen auf
Ohne Körper?
Sie liegen leblos am Existenzrand.
Der Winter schleicht erneut
Durch unsere Lebensadern wie blinde Wut
Wie Bindeglut. Wie böses Blut.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
Die Welt verbinden
Hoffnungen tragen, übertragen
Geheimnisse geborgen weitergeben
Träumen Flügeln verleihen
Menschen bewegen
Gefühle versetzen,
und nicht nur ins Staunen
Schicksale durchkreuzen, vollenden
und neu beginnen
Die Welt mit Möglichkeiten anstecken
Die Menschheit neu verteilen…
Fast könnte man denken,
ich rede von der Fliegerei –
Doch was nützt uns das Fliegen
wenn wir innerlich starr bleiben
fest eingefahren, unbeweglich,
fremdenfeindlich, Menschen verachtend,
besserwisser- und besserseierlich,
verschlossen und unveränderlich?
Kein Flugzeug kann Dich über
die Grenzen bringen,
die Du Dir selbst zuziehst.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
Lange speiste die Nation
An dem Blut ihrer Kinder
Um Fleisch zu werden
Und reich an Plunder
Doch nun sind ihre Kinder
Groß gewachsene Vegetarier
Im Herzen widerstandsfähiger
Geworden gegen Vampire
Blut sättigt nicht mehr
Gedanken müssen her
Aus Lichtempfindung geboren
Weitsichtig, menschlich, hehr
Schwer dürstet die Nation
Nach den Gedanken ihrer Kinder
Alle einbeziehend und inspirierend
Gemeinsam zum nächsten Wunder.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
Die Obdachlosen
Die Straßenrosen
Das karge Almosen –
Fühlst Du Dich abgestoßen?
Die Namenlosen
Haben Namen im Namen der Liebe
Und im Gedächtnis von Jemand
Irgendwo sind sie kein Niemand
Keiner ist niemand
In diesem, in keinem Land
Eine Rose braucht Wasser, Licht und Luft
Wir brauchen Rosenduft
Wieder so ein Abend
Zur Hälfte Freude, zur Hälfte Elend
Die Zeit, die ich vergeude, ist ein leeres Gebäude
Ohne Fenster. Nur Liebe ist wirklich hellsehend.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung