BRUCHFELDSTRASSE

Sonntag Nachmittag
Die Stadt geruhsam wie ein Schlafwandler
Dreht sich in der faulen Märzsonne

Einzeln, in zweier Dreier Gruppen
Die Menschen schweben unbekümmert vorbei
In Zeitlupe

Sie sind die nachträglichen Gedanken der Stadt
Die Antwort des Wochenendes auf die alte Woche
Die Fragen des Wochenendes an die neue Woche.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERSÖHNUNG

Der ganze Tag war heute Abend;
In der Früh schaute ich um,
Stumm. Herz und Welt, beide stumm.
Zu Mittag blickte ich hoch,
Der heutige Tag fehlte immer noch.
Spät am Nachmittag öffnete ich mich,
Nichts reimte sich einfach auf mich
Weil heute von Anfang an
Immer Abend war, geduldig wartend –
Wie Frau auf den mutig gewordenen Mann
Harrte Heute die ganze Zeit auf heute Abend;

Auf diesen wunden Moment
Du und ich in unserem zarten Element
Bereit, zu beseitigen gesterns Argument.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

UNRUHIG

Ein gewöhnlicher Nachmittag
Unruhig lauf ich hin und her
Von meinen Gedanken getrieben

Manchen lauf ich davon
Anderen ewig hinter her
Meine Wohnung ist mir zu klein

Es steht mir alles im Weg
Es stehen mir alle im Weg
Ich stehe mir selbst im Weg

Ich verlasse Heim und Herd
Doch der Fluß beruhigt mich nicht
Noch Wiese, noch Himmel, noch Wald

Von allem kann ich mich trennen
Selbst vom Leben – nur von einem
Eben nicht – von mir selber.

Spieglein, Spieglein, Dichtung
Sei heut wied meine Lichtung
Gib mir innerlich eine Richtung

Kaum gesucht, gleich gefunden
Adieu Denken, ich hab’s empfunden
Und meine Unruhe überwunden

Jetzt kehr ich zurück zu Herd und Heim
Es freuen sich alle insgeheim
Es fügt sich ein wie ein Schlußreim.

Ferner, weit am Horizont
Schaut, wie sie neuen Anlauf nimmt
Die dunkle Wolkenmasse.

– Che Chidi Chukwumerije.