DOCH KEINER SPRICHT ES AUS

Das Wissen springt
wortlos
von Augenpaar zu Augenpaar
Augenblick zu Augenblick
buchstäblich

Doch keiner spricht es aus.

Die einen, um ihre Freude zu verbergen.
Die anderen, um ihre Angst zu verbergen.
Und in dem Schweigen wächst die Gewissheit.
daß Morgen das Kind von Gestern ist.
Nicht heute.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR

Ich denke an Euch
wie Ihr mit Eurem Leben
dafür bezahlen musstet
daß Ihr ein Leben hattet
und Teil unseres Lebens wart
– und nur deshalb.

Ich denke an Euch
entspannt lachend im Arm
des gemütlichen Abends
eingerahmt vom familiären
und vertrauten „Wir“
– zum aller letzten Mal.

(an die Opfer des rassistisch motivierten Terroranschlags am 19.02.2020 in Hanau)

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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NEUE WINDE, ALTE FAHNEN

Wir liegen wach seit einem Tag
und einer Nacht und halten Wacht
nach dem Orkan, der kam und kam
und kam noch nicht. Die alten Gefühle
sitzen noch fest in der Windstille
auf der Landschaft mitten im Gewühle
unserer äußerlich gemäßigten Gesellschaft.
Nur einer ist unruhig: der alte Wille
zur Erneuerung ohne Veränderung.
Doch wie kann unsere Gemeinsamkeit
neu werden, wenn die alten Sitten
und Ansichten noch mitten im Herzen
der Bevölkerung sturmreif und tief sitzen?
Auch neue Fahnen wehen im alten Winde
und in den neu kommenden die Alten.
Auf lebe neu der alte Widerstand.

Che Chidi Chukwumerije (10.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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SCHÜSSE AUF KARAMBA DIABY’S BÜRO IN HALLE

Schüsse auf die Demokratie
Grüße von der feigen Partei
aus dem Untergrund
Weit unter dem Grundgesetz
Es gibt einen Grund warum
die Gesellschaft einst befreit wurde
von der Herrschsucht der Selbstsucht.

Einschusslöcher in die freie Gesellschaft
Einwegdenken-Motto:
Wir rühren uns nicht vom blinden Fleck
Jenseits vom Grundgesetz,
dem Auffänger und der Schutzhülle
der durch Leid gewonnenen Idealen
einer neuen Menschheit.

Schüsse!
Wachruf an die Wächter der Idealen
Die Schützer des Hohen Traums
Die sich Erinnerer des gestrigen Alptraums
Die Unvergifteten
Die Begreifer des Wertes des Grundgesetzes
Die Torwärter einer menschlichen Zukunft.

Che Chidi Chukwumerije (16.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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AUSEINANDERSETZUNG

Das Uninformiertsein
Das Uniformiertsein
Ein N mehr oder weniger
Macht doch kein Unterschied
So lange sie die Wahrheit verkennen
Hält aufs Trab die Lüge sie am Rennen

Wissen regt zum Denken an
Zur Meinungsbildung
Zur Charakterformung
Zur Individualisierung
Vor allem das Wissen über
Die Wahrheit:

Daß es keine Herrenmenschen gibt.
Es gibt Menschen, die Herr sind
Über ihre Lage – oder nicht.
Und es gibt Menschen, die Herr sind
Allein über ihre Lüge.
Oder nicht mehr.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

LICHT GEGEN DUNKEL

Es wurde plötzlich dunkler mitten am Tag
Und die Antisonne, dieser dunkle Mond
Stieg nicht von Oben herab, sondern lag
Innen drin, kam von Herzen, wo er thront
Und mitten unter uns wartend mit wohnt.

Jahrzehntelang. Wartend.
Grübelnd. Brütend.
Sinnierend. Beobachtend.
Wütend.
Sehr wütend.

Die Herrschsucht. Die Sehnsucht.
Eine tödliche Mischung aus falsch und richtig.
Die Fahrerflucht in die Sucht nach Zucht
Jede andere Ordnung ist null und nichtig
– dennoch reimt es sich nicht.

Wächst das Dunkel, wächst das Licht
Lernt das Dunkel, lernt das Licht
Kommt das Dunkel, kommt das Licht.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

NEOFASCHISMUS

Die Augen lügen nicht
Haß ist keine Lüge
Haß ist die Wahrheit
Einer Lüge

Die Augen lügen nicht
Auch wenn sie betrügen
Scheinliebe verbirgt
Nicht ganz die Lügen

Die Augen können Liebe lügen
Den Haß nicht. Haß ist
Unvortäuschbar
So blind, wie Haß ist
Haß ist der Urrassist
Hasst alles, was nicht Haß ist
Haß ist der Urnarzisst
Und da der Haß seine Art ist
Zu lieben, liebt er nichts
Was nicht Haß ist
Und liebt sich, denn er hasst sich
Und mich liebt er auch nicht
Er hasst mich. Denn Haß ist
Der Urfaschist. Und ich bin geistig frei.

Ihre Augen lügen nicht
Und in letzter Zeit
Wollen sie auch nicht lügen
Denn es ist so weit.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung